Pächter gesucht Eines der beliebtesten Ditzumer Restaurants ist dicht
Keine Scholle „Finkenwerder Art“, kein rosa gebratenes Rumpsteak mehr – das Restaurant „Bei Robbe im Thiet‘s“ in Ditzum ist seit dem 13. Januar dicht. Wie geht es mit dem beliebten Lokal weiter?
Ditzum - Das Restaurant „Bei Robbe im Thiet‘s“ hatte sich in den vergangenen Monaten zu einem der beliebtesten Lokale in Ditzum gemausert. In den einschlägigen Bewertungsportalen wurden Service, Ambiente und Speisen von den meisten Besuchern hoch gelobt. Doch rosa gebratenes Rumpsteak oder Scholle „Finkenwerder Art“ werden dort nicht mehr serviert. Gäste stehen seit Montag, 13. Januar 2024, vor verschlossener Tür.
„Liebe Gäste, aus wichtigen privaten Gründen, die nichts mit dem ,Robbe im Thiet‘s’ zu tun haben, werden wir das Restaurant nicht weiter betreiben. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis, Familie Robbe“ steht auf dem Schild, an dem sonst die Speisekarte hing. Erst im März vergangenen Jahres hatten Johann Robbe und seine Frau Engeline das Restaurant im Sielhof Ditzum voller Elan übernommen. Dabei kommt Johann Robbe eigentlich gar nicht aus der Gastronomie. Doch nach 30 Jahren bei VW stand ihm der Sinn nach einem Tapetenwechsel. Und so übernahm er 2019 gemeinsam mit seiner Frau Engeline als Pächter zunächst das „Alte Fährhaus“ in Ditzum – einen Gasthof, dessen Tradition bis ins Jahr 1850 zurückgeht.
Pächter zieht sich zurück
Sein Mandat im Rat der Gemeinde Jemgum gab er damals ab. Nicht, dass ihm die politische Arbeit bei den Sozialdemokraten keinen Spaß mehr gemacht hätte. Für die abendlichen Sitzung hatte der Ditzumer als Gastronom schlichtweg keine Zeit mehr. Für seine Frau Engeline hingegen war der Neustart kein Sprung ins kalte Wasser. Sie hatte in dem Lokal bereits seit mehr als zehn Jahren als Servicekraft und hinterm Tresen gearbeitet.
2024 starteten die Beiden im Sielhof Ditzum unter dem Namen „Bei Robbe im Thiet‘s“ durch. Doch nach nicht einmal einem Jahr ist nun hier Schluss. „Sonntag war unser letzter Öffnungstag“, erzählt Johann Robbe. Über die Hintergründe für die Schließung will er nichts sagen. „Es hat auf jeden Fall nichts mit dem Verpächter zu tun“, betont Robbe auf Nachfrage. Was er beruflich machen will, weiß er nach eigenen Angaben nicht. „Das steht in den Sternen“, sagt Johann Robbe. In die Gastronomie wolle er aber nicht zurück.
Herzensprojekt für Eigentümer
Wo heute der Sielhof steht, befand sich der Traditionsgasthof Rheiderland. Das Gebäude mitten im Ortskern stand Jahrzehnte lang leer. Im März 2017 wurde es abgerissen. Der Auricher Unternehmer Jürgen Thiet investierte dort zwei Millionen Euro und baute auf dem Grundstück ein neues Gebäude mit sechs exklusiven Ferienwohnungen und einem Restaurant. Und das ist für Jürgen Thiet ein Herzensprojekt.
2018 erfüllte er dort seinem Sohn Jonas den Traum vom eigenen Restaurant mit gehobenem Niveau. Berufliche Erfahrungen als Koch hatte dieser in renommierten internationalen Häusern und zuletzt im Sterne-Restaurant „Perior“ in Leer gesammelt, dann übernahm er sein eigenes Restaurant, das schnell große Beliebtheit und Bekanntheit in der Region erlangte. Allerdings verstarb Jonas Thiet jung nach schwerer Krankheit.
Neue Betreiberfamilie gesucht
Dass die Familie Robbe das Restaurant nicht weiter betreibe, habe er von Gästen erfahren, berichtet der Eigentümer Jürgen Thiet. Näher möchte er sich dazu nicht äußern. Für das Restaurant wird nun ein neuer Pächter gesucht – und das nicht zum ersten Mal. Nach dem Tod von Jonas Thiet hatte im März 2022 Karsten Stockhecker das Restaurant als Pächter übernommen. Im Sommer des darauffolgenden Jahres war das „Thiet‘s“ aber schon wieder geschlossen, mit der Unterzeichnung eines Auflösungsvertrags wurde das Pachtverhältnis beendet. Die genauen Hintergründe blieben damals offen.
Eigentümer Jürgen Thiet hat aus den Erfahrungen der Vergangenheit seine Schlüsse gezogen. Ziel sei es, möglichst schnell eine engagierte und solvente Betreiberfamilie für den Betrieb zu finden. Bei künftigen Bewerbern werde man den Background genau durchleuchten. Künftig werde er bei Bewerbern eine abgeschlossene gastronomische Berufsausbildung und ein polizeiliches Führungszeugnis voraussetzen. Auch Informationen über die letzten beiden Arbeitsstellen werde man einfordern. „Der Sielhof ist ein tolles Haus mit einem tollen Lokal“, sagt Jürgen Thiet.