Campus in Soltborg Millionen-Projekt an der A 31 ist noch nicht vom Tisch
In Soltborg an der A 31 sollte ein innovatives Kompetenzzentrum entstehen. Dann sprang der Investor ab. Jetzt hat Bürgermeister Hans-Peter Heikens neue Hoffnung für seine Vision.
Jemgum - Vor zwei Jahren war die Nachricht eine kleine Sensation: Ausgerechnet in der kleinen Gemeinde Jemgum sollte ein Bauprojekt entstehen, das in der gesamten Region einzigartig ist. Die Idee: Mit dem Investor Proengeno aus Nendorp sollte ein klimaneutrales Kompetenzzentrum mit Platz zum Feiern, Lernen und Arbeiten realisiert werden. Ein Jahr später dann die Hiobsbotschaft. Der Investor sprang überraschend ab. Doch nun gibt es Hoffnung. Jemgums Bürgermeister Hans-Peter Heikens lässt nicht locker, damit das Projekt vielleicht doch realisiert werden kann.
Die Idee
Entstehen soll das innovative Kompetenzzentrum zwischen dem Kolkweg und dem Soltborger Tief. Wegen der unmittelbaren Nähe zur A 31 hatten laut Heikens mehrere Unternehmen Interesse bekundet, mit Verwaltungs- und Büroräumen in den Neubau mit einzuziehen. Geplant waren außerdem sogenannte Co-Workingspaces, das sind Büros mit frei buchbaren Arbeitsplätzen. Die ursprüngliche Planung sah auch vielfältig nutzbare Räume für Großveranstaltungen sowie Kongresse und Tagungen vor.
Wie ist jetzt der Stand der Dinge?
„Ich bin mit zwei unterschiedlichen Investoren im Gespräch. Beide kommen aus der Region und haben Interesse an dem Projekt“, berichtet Heikens im Gespräch mit dieser Zeitung. Außerdem hätten verschiedene Unternehmen nach wie vor Interesse, sich dort mit anzusiedeln. Das gilt auch für die Gemeinde Jemgum selbst.
Die Situation
Die Notsituation der Gemeinde war Ursprung für das ehrgeizige Projekt. Das Jemgumer Rathaus und das Dorfgemeinschaftshaus sind seit Jahren in einem desolaten Zustand. Anfang 2021 wurden massive Mängel festgestellt. In Sachen Statik, Brandschutz, Schadstoffen und Elektrik lag einiges im Argen. Es wurde nachgebessert und daran gearbeitet, so dass der laufende Betrieb nicht gefährdet ist.
Im Haushalt der Gemeinde klafft aktuell ein Loch von drei Millionen Euro. Jemgum könnte weder eine Sanierung noch einen Neubau aus eigener Tasche finanzieren. So entstand die Überlegung, Räume in einem Gebäude zu mieten. Laut Heikens sollen noch im Frühjahr erste Entwürfe mit konkreten Zahlen vorgelegt und eine Vergleichsrechnung angestellt werden. Wie viele Räume werden benötigt? Mit welchen Mietzahlungen müsste die Gemeinde rechnen? Was würde ein Neubau kosten? In der zweiten Jahreshälfte sollen diese Fragen nach den Worten des Bürgermeisters beantwortet sein, um eine Entscheidung abwägen zu können.
Warum sprang der Investor ab?
Geplant war ein klimaneutraler Campus in Soltborg. Der Bau sollte energieautark, klimaneutral und nachhaltig werden. Ganz im Sinne des damaligen Investors Proengeno. 2024 zog der aber die Reißleine und beschloss, sich auf das Kerngeschäft der erneuerbaren Energien zu konzentrieren und den Bau von Freiland-Photovoltaikanlagen und Windenergieanlagen voranzutreiben.
Was ist vom Campus-Gedanken geblieben?
Im Campus Soltborg war nach der ursprünglichen Planung auch ein deutsch-niederländisches Bildungsangebot der Hochschulen Emden, Groningen und Oldenburg vorgesehen. Man sei dazu weiter im Gespräch, so Heikens. Eine wichtige Säule im ursprünglichen Planungsentwurf war ein gastronomisches Angebot auf dem Campus-Gelände. Ein Restaurant oder eine Art Mensa könnte nicht nur von Mitarbeitern oder Besuchern der Einrichtung genutzt werden. Ein gastronomisches Angebot wäre mit dem geplanten Ladepark für E-Fahrzeuge gleichzeitig als Raststätte an der A 31 und Zwischenstopp für Fahrradfahrer auf der Internationalen Dollard-Route attraktiv. Ob das realisiert werde, sei noch offen. „Die Entscheidung überlasse ich den Investoren“, sagte Heikens.