Osnabrück  Deutschland verpasst beim Atom-Comeback den Anschluss – und die Grünen flunkern weiter

Dr. Philipp Ebert
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Von Dr. Philipp Ebert
| 16.01.2025 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die Grünen-Politiker Konstantin von Notz (l.) und Robert Habeck (r.) gelten als glühende Verfechter des Atomausstiegs. Foto: dpa/Georg Wendt
Die Grünen-Politiker Konstantin von Notz (l.) und Robert Habeck (r.) gelten als glühende Verfechter des Atomausstiegs. Foto: dpa/Georg Wendt
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Weltweit werden neue Atomkraftwerke gebaut. Deutschland aber fehlt es am Mut, über einen Wiedereinstieg in die Kernkraft nachzudenken. Zum Schaden für das Klima – und unsere Wirtschaft. Ein Jammer.

Eines muss man den Grünen lassen: Den Atomausstieg haben sie durchgesetzt. Ein halbes Jahrhundert lang haben die Partei und ihr gesellschaftlicher Wurzelgrund, die Anti-Atom-Bewegung, Deutschland vor sich hergetrieben. Und durchgesetzt, dass es hier keine laufenden Atomkraftwerke (AKW) mehr gibt. 

Eines wird dabei immer offensichtlicher: Von der Energiekrise, die Russlands Angriff auf die Ukraine – provoziert von zwei Jahrzehnten energiepolitischer Blauäugigkeit in Berlin – ausgelöst hat, wollten sich die Grünen ihr Herzensprojekt nicht vermiesen lassen. Dafür setzte Robert Habeck als Wirtschafts- und Energieminister auch, sagen wir, robuste Mittel ein.

Der Atom-Untersuchungsausschuss hat gezeigt: Unterschiede in Expertenmeinungen wurden glattgebügelt und Sicherheitstests verschärft. Hauptsache, die Meiler gehen aus – das scheint Maßgabe in den Ministerbüros gewesen zu sein, auch unter dem Druck aus der grünen Partei. Dass 2023 mehr als die Hälfte der Deutschen den Ausstieg für falsch hielten– das kümmerte die Bundesregierung wohl nicht.

Seit bald zwei Jahren sind die letzten deutschen AKW abgeschaltet. Das Verzerren von Fakten geht aber weiter: So behauptete Konstantin von Notz, Vize-Fraktionschef der Grünen, jetzt nochmal, der Atomausstieg sei von Angela Merkels schwarz-gelber Bundesregierung eingeleitet worden. 

Nun muss man Angela Merkels wahltaktisch motiviertes Hin und Her bei den Rest-Laufzeiten der AKW nicht verteidigen. Aber daran sei erinnert: Es war das rot-grüne Regierungsbündnis unter Gerhard Schröder, das zuerst meinte, Deutschland komme besser mit russischem Gas als mit heimischer Atomkraft aus.

Natürlich darf, ja sollte man die Risiken der Kernspaltung ernst nehmen. Fürchterliche Kriegseinsätze, jahrzehntelanges Wettrüsten und Atomunfälle mahnen zur Vorsicht. Doch die Kernenergie ist halt in der Welt – und bietet auch große Chancen. 

Kein Wunder, dass die Atomkraft international vor einer Renaissance steht, nicht zuletzt wegen neuer Technologien. Man sollte sich aber einstweilen keine Hoffnung machen, dass Deutschland daran teilhaben wird. Dafür fehlt es hierzulande an visionärer Kraft und politischem Mut. Schade, denn wer selbst nicht an innovative Technologien glaubt, kann mit ihnen auch nicht die klimafreundliche Energiewende gestalten – und erst recht kein Geld verdienen.

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