Osnabrück  Kaufen Chinesen das Osnabrücker VW-Werk?

Tobias Schmidt, Maik Nolte
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Von Tobias Schmidt, Maik Nolte
| 16.01.2025 16:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Bis 2027 rollt noch der T-Roc aus dem Osnabrücker VW-Werk. Was danach passiert, ist bislang unklar. Foto: Jörn Martens
Bis 2027 rollt noch der T-Roc aus dem Osnabrücker VW-Werk. Was danach passiert, ist bislang unklar. Foto: Jörn Martens
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Volkswagen ist auf Sanierungskurs – und kann noch nicht sagen, was künftig aus den Standorten Osnabrück und Dresden wird, in denen die Produktion bald ausläuft. Nun gibt es Hinweise auf ein Kaufinteresse seitens chinesischer Autobauer.

Chinesische Autobauer und Regierungsstellen sind offenbar an der Übernahme von VW-Werken in Deutschland interessiert. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen chinesischen Regierungs-Insider. Durch den Kauf einer Fabrik verspreche sich Peking verstärkten Einfluss in der deutschen Autoindustrie, heißt es. Zudem würden chinesische Autobauer durch eine Produktion in Deutschland die EU-Zölle auf Elektroautos umgehen.

Namen konkreter Hersteller nannte die Person Reuters zufolge nicht. Die kommunistische Führung in Peking, die bei Auslandsinvestitionen heimischer Unternehmen häufig mitredet, wolle allerdings zunächst die Haltung der nächsten Bundesregierung abwarten, wird der Insider weiter zitiert.

Im Zuge des Sanierungskurses bei Volkswagen ist die Zukunft der Werke in Osnabrück und Dresden bislang noch ungeklärt. In Osnabrück läuft die Produktion 2027 aus. Laut einem VW-Insider sei der Konzern durchaus bereit, das Werk zu verkaufen, schreibt die Nachrichtenagentur weiter.

Ein VW-Sprecher wollte den Bericht auf Nachfrage weder dementieren noch bestätigen: „Solche Spekulationen kommentieren wir grundsätzlich nicht“, hieß es auf Anfrage unserer Redaktion. Der Sprecher betonte aber: „Wir haben generell gesagt, dass wir uns für eine Weiternutzung des Standorts Osnabrück nach dem Auslauf des einzigen dort produzierten Fahrzeugs Mitte 2027, dem VW T-Roc, einsetzen.“

In der Gläsernen Manufaktur in Dresden endet die Produktion bereits Ende des Jahres. VW kündigte an, Alternativoptionen für das Werk erarbeiten zu wollen. „Hierzu gehört auch die Möglichkeit einer Beteiligung der Volkswagen AG an einem Konzept Dritter“, sagte der Sprecher. „Für beide Werke gilt: Ziel muss eine tragfähige Lösung sein, die die Interessen von Unternehmen und Beschäftigten berücksichtigt.“

Laut dem Osnabrücker IG-Metall-Chef Stephan Soldanski hätten die Beschäftigten vor Ort nichts dagegen, für einen chinesischen Joint-Venture-Partner von VW zu produzieren. Die „entscheidende Voraussetzung“ sei, dass dies „unter dem VW-Logo und nach VW-Standards“ erfolge, sagte Soldanski gegenüber Reuters. Im Osnabrücker Werk sind 2300 Mitarbeiter beschäftigt.

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der EU-Ausgleichszölle intensivieren chinesische Autobauer ihre Bemühungen, auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen. BYD setzt auf eigene Fabriken in Ungarn und der Türkei. Der Hersteller Leapmotor will in einem polnischen Werk der Opel-Mutter Stellantis produzieren. Dem Reuters-Bericht zufolge hätten chinesische Investoren bereits mehrere auf der Kippe stehende Werke besichtigt, unter anderem die Audi-Fabrik in Brüssel.

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