Schlafapnoe „Zwischendurch hat er nicht mehr geatmet“
Schnarchen nervt. Aber wenn der Atem nachts aussetzt, ist das ein Alarmsignal. Besonders ältere Männer leiden unter Schlafapnoe. Die macht krank – und kann unbehandelt sogar lebensgefährlich werden.
Rhauderfehn - Ein lästiger Bettgenosse im Schlafzimmer: Oft ist es nicht der Partner, sondern das Schnarchen. Aber wenn die Atmung immer wieder aussetzt, kann das ernsthafte gesundheitliche Ursachen haben und sich massiv auf Alltag und Wohlbefinden auswirken.
Anna Groen (69) aus Rhaudermoor geht heute offen mit der Schlafapnoe um, denn mittlerweile kennt sie sich gut aus mit der Erkrankung. Seit 2016 leitet sie mit Gerhard Reis aus Jemgum eine Selbsthilfegruppe für Schlafapnoiker in Leer, in der sie anderen Betroffenen helfen wollen, mit der Erkrankung umzugehen.
70 Aussetzer in der Stunde: sofortiger Handlungsbedarf
Alles begann damit, dass Anna Groen das laute Schnarchen ihres Mannes Hans-Georg störte. „Ich habe immer gesagt: ‚Du schnarchst‘“, erinnert sie sich. „Dann ist mir aufgefallen, dass er zwischendurch nicht mehr geatmet hat. Ich habe ihn dann angestoßen und er machte einen langen Atemzug“, erzählt sie. Nach einem Besuch beim Arzt und einer ersten Messung zu Hause wurde seine Atmung im Schlaflabor untersucht. Es stellte sich heraus, dass er 70 Atemaussetzer in der Stunde hatte – eine schwere Schlafapnoe, bei der sofortiges Handeln nötig ist, wie Sylvia Kotterba sagt. Die Fachärztin für Neurologie, Geriatrie, Palliativmedizin, Neurologische Intensivmedizin und Schlafmedizin leitet im Klinikum Leer als Chefärztin das dortige Schlaflabor. „Wenn jemand 60 Mal pro Stunde aufhört zu atmen, ist das der absolute Notfall, dann sollte man sofort ins Schlaflabor kommen“, sagt sie.
Gelegentliche Atemaussetzer im Schlaf sind normal. Erst ab etwa 15 Aussetzern pro Stunde rede man von einer Schlafapnoe, so Kotterba. Allerdings sollte man bei der Analyse vom ganzen Menschen ausgehen, sagt sie. „Es gibt auch Fälle, wo zum Beispiel schon eine Herzinsuffizienz oder Schlaganfälle vorliegen. Da sollte man die Schlafapnoe in der Regel eher mit einer Maske einstellen.“
Sauerstoffmangel und fehlende Erholung
Setzt die Atmung aus, bleibt der Körper, allen voran das Gehirn, im wahrsten Sinne die Luft weg, erklärt Anna Groen. Es entstehe ein Sauerstoffmangel. Ein weiteres Problem sei, dass man mit einer Schlafapnoe nicht in den erholsamen Tiefschlaf kommt. „Es kommt nur zum Leichtschlaf, der Körper erholt sich nicht ausreichend“, sagt sie.
„Die Schlafapnoe ist eine von 80 Schlaferkrankungen“, sagt Sylvia Kotterba. „Vier bis fünf Prozent der Bevölkerung leiden unter Schlafapnoe.“ Im vergangenen Jahr seien von 1400 Untersuchungen im Schlaflabor 1000 Fälle von Schlafapnoe untersucht worden. Dabei sei zu unterscheiden zwischen der obstruktiven Schlafapnoe, bei der während des Schlafens die Rachenmuskulatur erschlafft und die Atemwege blockiert, und der selteneren, zentralen Schlafapnoe, bei der das Gehirn dem Körper keine Signale mehr zum Einatmen sendet. Die Patienten mit der letzteren Form benötigen eine sehr ausgefeilte Therapie, wie Sylvia Kotterba erklärt.
Kopfschmerzen, Depression, Sekundenschlaf – die Folgen sind vielfältig
„Das Schnarchen ist ja erst mal nicht schlimm“, sagt Sylvia Kotterba. Aber unregelmäßiges Atmen mit Aussetzern, das sei eine Apnoe. Oft kommen aber nicht die Patienten selbst auf die Idee, dass sie ein Problem mit der nächtlichen Atmung haben. „Meistens merken die Bettpartner, dass etwas nicht stimmt“, so Kotterba. „Eher kommen die Frauen mit den Männern und sagen: ‚Es muss was passieren.‘“ Weitere Hinweise sind auch die Folgen des gestörten Schlafs. „Manche Patienten kommen zu uns und sagen, sie sind nicht erholt“, so Kotterba. „Wenn man sich fragt: ‚War ich überhaupt im Bett?‘, ist das ein Anzeichen“, sagt sie. Auch morgendliche Kopfschmerzen, nächtliches Schwitzen, Tagesmüdigkeit und Einschlafen am Tage gehören dazu sowie – besonders gefährlich – der Sekundenschlaf, zum Beispiel beim Autofahren. Auch Gerhard Reis litt unter Tagesschläfrigkeit. „Ich schlief manchmal am Schreibtisch ein“, erzählt der Rentner. Da sei er Mitte 40 gewesen. Schwerwiegend ist die Schläfrigkeit bei Berufskraftfahrern. Die sollten eine Schlafapnoe unbedingt behandeln lassen, sagt Kotterba. „Sobald man ein Problem feststellt, sollte man es angehen.“
Selbsthilfegruppen für Schlafapnoe in Ostfriesland
Die Selbsthilfegruppe Leer trifft sich jeden dritten Mittwoch im Monat um 15 Uhr im Gesundheitsamt Leer, Jahnstraße 4. Kontakt: 04952 / 9528459 Weitere Informationen zu Selbsthilfegruppen in Ostfriesland finden Sie hier.
Diabetes kann ebenfalls eine Folge einer unbehandelten Apnoe sein. Hinzu kommen die Belastung des Herz-Kreislaufsystems, ein größeres Risiko für Herzinfarkte und Depressionen aufgrund der ständigen Abgeschlagenheit. „Wir haben schon Patienten aus der Psychiatrie bekommen, weil sie nicht eingestellt werden konnten“, erzählt sie. Doch sie sagt auch: „Der übliche Schlafapnoiker ist in der Regel kein gesunder Mensch. Meist sind Patienten übergewichtig und bringen schon Risiken für andere Erkrankungen mit“, weiß sie.
Viele haben erst mal Probleme mit der Maske
Hans-Georg Groen bekam eine Schlafmaske mit Gerät, die er seitdem jede Nacht tragen muss. Seine Schlafapnoe besserte sich, doch während er nun ruhig schlief, stellte er fest, dass seine Frau ebenfalls Probleme mit der Atmung hatte. „Ich konnte nicht gut schlafen. Mein Arzt hatte mir deshalb Schlaftabletten verschrieben“, erzählt sie. Zur Begründung habe es geheißen: „Sie haben Stress und Sorgen.“ Eine Diagnose, die Frauen häufig als erstes erhalten. Doch nach dem Test war klar, dass auch bei ihr ein Besuch im Schlaflabor nötig war. Mit 40 Atemaussetzern pro Stunde trägt sie seit 2015 ebenfalls eine Maske beim Schlafen.
„Da stand ich dann mit meinen Fragen: ‚Wie läuft das? Wie mache ich das sauber?‘ Ich habe dann beim Gesundheitsamt angerufen und gesagt, dass es eine Gruppe bräuchte, damit man damit nicht allein ist“, erzählt sie. Zufälligerweise wollte man im Gesundheitsamt gerade so eine Gruppe gründen – und hatte nun mit ihr eine Person gefunden, die die Leitung übernehmen würde.
„Viele kommen mit der Maske erst mal nicht zurecht“, sagt Anna Groen. „Da kommen wir ins Spiel.“ In den Treffen bieten sie und Gerhard Reis Austausch und Beratung rund um die Schlafapnoe und die Masken an. „Wir gucken, ob die Maske richtig sitzt, und helfen, wenn man eine andere Maske benötigt“, sagt sie. Auch Experten werden eingeladen und viermal im Jahr gehen Anna Groen und Gerhard Reis zur Weiterbildung.
Fast nur Rentner sind in der Gruppe regelmäßig dabei, sagt Anna Groen. Aktuell sind nur etwa 15 Mitglieder in der Gruppe, so Groen. Doch man sei bemüht, die Gruppe bekannt zu machen, etwa durch das Auslegen von Flyern. Vorne abgebildet ist, passend, ein kleiner Elefant. Den haben sie ganz bewusst ausgesucht, sagt Anna Groen und schmunzelt. Setzt sie die Maske auf, ist das Bild nachvollziehbar. Leichtigkeit und Humor sind wohl auch hier hilfreich.