Osnabrück Ernährungs-Doc Riedl warnt vor Quetschies und Babygläschen – wozu er rät
Kinder mit Diabetes, Jugendliche mit Autoimmunerkrankungen: Laut Ernährungsmediziner Dr. Matthias Riedl sind vor allem Essgewohnheiten für solche Krankheiten verantwortlich. Das fängt schon bei kleinen Fruchtmus-Päckchen, sogenannten „Quetschies“ an. Das sind seine Tipps für Eltern.
Zu Kinderernährung gibt es unzählige Ratgeber und Meinungen. Doch worauf sollten Eltern wirklich achten? Ernährungsmediziner Dr. Matthias Riedl zufolge sollten einige Lebensmittel wegen ihrer Inhaltsstoffe für kleine Kinder tabu sein. „Aromen, viel Salz, viel zu viel Zucker, hochverarbeitete, hochraffinierte Mehle“ – all das seien falsche Ernährungsweisen, die schon im Kindesalter, teils schon vor der Geburt, geprägt werden, sagt der Ernährungsmediziner, Internist und Diabetologe aus Hamburg.
Aus Sicht des Arztes versagt die Politik bei der Regulierung von Werbung für ungesunde Kinderkost. „Das fängt mit der Babynahrung im Glas an, die mit Aromen versetzt wird, oder mit viel Fructose. Wir wissen, wenn wir Kinder schon in den ersten 1000 Tagen (…) mit Zucker belasten, dann erhöhen wir das Risiko für Übergewicht und Diabetes um bis zu 50 Prozent“, so der Arzt im Gespräch mit unserer Redaktion.
Riedl zufolge sind die Folgen bereits an heutigen Generationen zu sehen. Bereits Kinder würden immer häufiger an Diabetes Typ-2 erkranken. Warum ist das so? „Das liegt an vielen Dingen. Das fängt schon im Mutterleib an. Die Mutter isst hochverarbeitete Lebensmittel, viel Zucker, viel Chemie, viel künstliche Aromen und das Kind wird im Mutterleib auf den Geschmack der Welt geprägt“, erläutert der Ernährungsmediziner.
Was sollen Eltern also ihren Kindern zu essen geben? Riedl antwortet trocken: „Tatsächlich nichts, was die Lebensmittelindustrie einmal in der Mangel hatte.“ Eine gesunde Ernährung gelinge, indem „ultrahochverarbeitete Produkte“ weggelassen würden. „Ich nenne mal als Beispiel die ‚Quetschies‘. Das ist ein Zuckerkonzentrat und viele Eltern sind der Meinung, das ist gesund.“
Auf der Packung steht 100 Prozent Frucht und Vitamine. Riedl: „Und das ist es eben nicht. Und das Problem ist, dass man heute eigentlich schon ein Ökotrophologie-Studium braucht, um die Raffinessen der Lebensmittelhersteller zu durchschauen.“
Als Beispiel für Inhaltsstoffe von hochverarbeiteten Lebensmitteln nennt Riedel Emulgatoren und Carrageen. „Carrageen wirkt bei Übergewichtigen diabetesfördernd, weil es die Darmflora stört.“
Er persönlich setzt auf frisches Gemüse, Obst und Käse sowie – allerdings seltener –Wurst. Zum Frühstück, rät der Medizinder, sollte es für Kinder Müsli mit Joghurt oder Quark oder aber Vollkornbrot mit Käse geben. „Dazu immer ein Apfel oder noch etwas Gemüse.“ Wichtig sei, die Kinder an gesundes Essen und Kochen zu gewöhnen.
Seine Tipps: Selbst kochen und in Restaurants gehen, die keine Fertigsaucen verwenden. Riedl rät davon ab, Zucker mit Süßungsmitteln zu ersetzen. Wer süßen will, sollte auf natürliche Süße setzen – Zucker, Honig, Agavendicksaft.
Dabei sollte die Menge an Zucker – egal in welcher Form – am Tag auf insgesamt 50 Gramm begrenzt werden. Kinder sollten lernen, dass es Süßigkeiten in begrenzten Mengen und zu bestimmten Zeiten gibt – „und dass wir nicht täglich Süßigkeiten essen.“