Kolumne „Artikel 1, GG“  Nervtötender Lärm mitten in der Natur

Canan Topçu
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Eine Kolumne von Canan Topçu
| 15.01.2025 06:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Canan Topcu
Canan Topcu
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Die Ruhe auf einem US-Campingplatz genießen? Keine Chance, meint unsere Kolumnistin. Bei ihrer Tour durch die Vereinigten Staaten hat sie eine für sie befremdliche Beobachtung gemacht.

Dass die USA ein Land der Widersprüche sind, war mir schon vor Beginn der Tour durch die Vereinigten Staaten bekannt. Bekannt durch angelesenes Wissen. Hier vor Ort erlebe ich diese Widersprüche tagtäglich – beispielsweise auf Campingplätzen.

Als Ruheliebende hatten mein Mann und ich angenommen, dass wir in sogenannten Naturparks die Stille haben würden. Was für eine Enttäuschung! Denn von Ruhe kann tagsüber nicht die Rede sein, wenn es keinen Strom auf den Campinganlagen gibt.

Da die allermeisten Recreational Vehical (RV), wie sie hier genannt werden, diese überdimensionierten und bis zu 18 Meter langen Wohnwagen und Trailergespanne, keine Solarpanels haben, helfen sich deren Bewohner dann auf andere Weise. Strom produzieren sie mit Hilfe von Generatoren.

Egal ob im Landesinneren oder an der Küste, ob im staatlichen Nationalpark oder auf privaten Campingplätzen mitten in der Natur: Aus allen Richtungen lärmt es von morgens 8 bis abends 20 Uhr. In dieser Zeit ist es auf den Campingplätzen nämlich grundsätzlich erlaubt, Generatoren laufen zu lassen.

Zur Person

Canan Topçu (59) ist als Tochter türkischer Arbeitsmigranten in Hannover aufgewachsen. Nach der Ausbildung bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung wechselte die Journalistin zur Frankfurter Rundschau. Seit 2012 ist die Hanauerin freiberuflich als Autorin sowie als Referentin und Dozentin tätig.

Mein Mann bleibt inzwischen trotz des Krachs cool, ich hingegen koche noch immer vor Ärger über die Menschen, die weiß der Himmel wie viele Hunderte von Meilen fahren, um in der Natur zu sein, dann aber so einen Lärm machen und sich null daran stören. Sie sitzen ganz gemütlich in oder vor ihren RVs, während keine zwei Meter entfernt der Generator knattert.

Offensichtlich stört sie der Lärm nicht und können sie sich nicht vorstellen, dass es andere stört.

Auch in vielen anderen Situationen habe ich den Eindruck, dass hier die Empfindlichkeit gegen Lärm sehr viel geringer ist. Davon wiederum profitieren auch wir. Denn Oskar ist ein temperamentvoller Hund – will meinen: Er bellt viel – insbesondere in fremder Umgebung. Bisher hat sich – anders als in Deutschland – auf den Campingplätzen niemand beschwert.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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