Landfrauen im Kreis Leer Bei den Treffen hat es gleich gefunkt
1500 Frauen sind bei den Landfrauen im Landkreis Leer aktiv. Wer sind sie? Wir stellen in dieser Reihe Frauen aus den Ortsvereinen vor. Heute: Gudrun Haug aus Nordgeorgsfehn.
Nordgeorgsfehn / Jümme - Ihr Wohnort am Kanal könnte ostfriesischer nicht sein, das Haus dagegen ist gradlinig modern: In Nordgeorgsfehn hat Gudrun Haug ihren Platz gefunden: „Ich möchte nirgendwo anders leben.“ Die Gemeinschaft der Landfrauen hat dazu beigetragen, dass sie sich dort so wohl fühlt. Dem Verein Leda-Jümme hat sie sich angeschlossen, als sie vor zwölf Jahren mit ihrem Mann vom Bodensee nach Ostfriesland gezogen ist.
Die Nachbarin sei ebenfalls eine Landfrau und hatte zu einem der Treffen eingeladen. „Da hat es gleich gefunkt“, sagt Haug – es habe sie so begeistert, dass sie direkt mitmachen wollte. Sie betont, dass sie eine schöne Nachbarschaft in Nordgeorgsfehn gefunden habe, mit der sie sich gerne trifft. Dieses Gemeinschaftsgefühl, das sie ebenso bei den Landfrauen finde, „das ist mehr wert als alles andere“.
Als Jugendliche wollte sie raus
Gudrun Haug ist ganz in der Nähe aufgewachsen. Als Jugendliche habe sie allerdings so schnell wie möglich weg gewollt. Zu eng, zu konservativ, zu wenig Möglichkeiten für Jugendliche: Das Ostfriesland von damals wollte sie hinter sich lassen. Doch mit den Jahren änderte sich das. Am Bodensee sei es sehr schön gewesen, aber als sie sich mit ihrem Mann nach einem Platz für die Zeit nach dem Berufsleben umgesehen hat, fiel die Wahl auf Ostfriesland.
In Süddeutschland habe sie keinen Kontakt zu Landfrauen gehabt. Diese Organisation habe sie erst nach ihrem Umzug vor zwölf Jahren kennengelernt, inzwischen möchte sie das nicht mehr missen. Es sei der beste Weg gewesen, Kontakte zu knüpfen und Anschluss zu finden – und viel unternehmen zu können: „Wo bekommt man für 25 Euro im Jahr so viel geboten?“ Das Programm des Landfrauenvereins Leda-Jümme biete wirklich für jeden etwas.
Vielfältige Themen bei den Abenden
Gudrun Haug beginnt ihre Aufzählung mit den Vorträgen bei den gemeinsamen Abenden: Es reicht von Politik über Erste Hilfe, Künstlicher Intelligenz bis hin zu Kursen für Lachyoga. „Das sind alles interessante Themen, auch die Konfrontation mit unangenehmen Dingen wird nicht ausgespart“, findet Haug. Um die 80 Personen kämen regelmäßig zu den Treffen des Vereins. Es gibt einen Handarbeitskreis und einen Nähtreff.
Doch es gibt weitere Aktivitäten für die Mitglieder. Beim Thema Reisen kommt Gudrun Haug ins Schwärmen. Wunderbare Mehrtagesfahrten habe sie gemeinsam mit den Landfrauen unternommen, nach Mallorca, in die Dolomiten oder nach Rügen. Dazu kommen Tagesfahrten, zum Beispiel zur Bundesgartenschau, in eine Besteckfabrik in Bremen oder in die Lüneburger Heide.
„Fahrt ist schöner in Gemeinschaft“
Solche Fahrten müssen natürlich zusätzlich bezahlt werden, aber es sei dennoch günstig. „Zuletzt hatten wir 2024 eine geführte Fahrradtour durch Friesland“, erzählt sie. Waltraud Boekhoff habe die Leitung gehabt und „sie macht das perfekt“. 21 Personen seien dabei gewesen. „Eine solche Fahrt ist schöner in der Gemeinschaft“, findet Gudrun Haug. Die Landfrauen beteiligen sich zudem an Veranstaltungen in der Gemeinde wie dem Burggarten in Stickhausen, wo Torten verkauft werden.
Das Klischee, bei den Landfrauen seien nur Bauersfrauen aktiv, treffe auf den Verein Leda-Jümme nicht zu. Der Vorstand bestehe aus jüngeren Frauen, unter den Mitgliedern seien aber viele, die über 70 Jahre alt sind. Gudrun Haug ist Künstlerin, gibt auch Unterricht in ihrem Haus. Ihre Werke bestehen aus Dingen, die sie im Alltag findet und verarbeitet. Bei den Landfrauen bringt sie sich aber auch mit Wortbeiträgen ein. Mit der Vorsitzenden Hanna Bontjer habe sie für die Feier vor Weihnachten einen Sketch geschrieben und gemeinsam aufgeführt.
Darin ging es um unterschiedliche Auffassungen über das Weihnachtsfest. Während die eine – verkörpert von Bontjer – sich auf ein Fest mit geschmücktem Baum, das Bummeln beim Geschenkeinkaufen und anderes freut, ist die andere – gespielt von Haug – eher genervt von dem ganzen Trubel, dem Dekorieren der Geschäfte drei Monate vorher und empfindet den Weihnachtsbaum als Alptraum. „In so einem Sketch kann man sich als Zuschauerin dann wiederfinden, oder sich einfach amüsieren“, sagt Haug.