Neujahrsempfang  Neues Gesicht – Emden steht vor historischem Jahr

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 11.01.2025 17:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Oberbürgermeister Tim Kruithoff hielt eine knapp einstündige Rede. Foto: J. Doden/Emden
Oberbürgermeister Tim Kruithoff hielt eine knapp einstündige Rede. Foto: J. Doden/Emden
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2025 hat das Potenzial, ein historisches Jahr für Emden zu werden. Das sagte Oberbürgermeister Tim Kruithoff beim Neujahrsempfang. Es gibt Neues zur Neutorstraße.

Emden - VW-Krise, Regierungskrise, Wirtschaftskrise: Das alles trübt auch in Emden die Stimmung. Dennoch hat Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) beim Neujahrsempfang am Sonnabend, 11. Januar 2025, Aufbruchstimmung verbreitet. „Wir wollen bürgerfreundlicher werden“, sagte Kruithoff in seiner Ansprache vor rund 1500 Zuhörern in der Nordseehalle.

In der Neutorstraße haben Autos weniger Platz als früher. Foto: Luppen
In der Neutorstraße haben Autos weniger Platz als früher. Foto: Luppen

2025 habe das Potenzial, ein historisches Jahr für Emden zu werden, erklärte der Oberbürgermeister. Das Gesicht der Stadt werde sich nachhaltig verändern. Diese Aussage bezog sich unter anderem auf das Gebiet Neutorstraße/Am Delft. Dort ist ein verkehrsberuhigter Geschäftsbereich geplant. Ab dem 29. Januar 2025 werde die Stadt in einer Ausstellung im Stadtgarten zeigen, wie dieser Bereich einmal aussehen werde. „Wir haben viel gearbeitet und jetzt haben wir ein klares Bild“, sagte Kruithoff. Wenn das Geld reiche, werde auch der Stadtgarten umgestaltet. Das Planungsbüro sei beauftragt, und nach Abschluss der Planung werde ab 2026 gebaut. „Darauf können wir uns freuen.“

Emder sollen mitentscheiden

Die Emderinnen und Emder sollen mitreden. Im März werde sich die Stadt mit einer Postwurfsendung an alle Haushalte wenden und sie einladen, über den Straßenbelag und die Möblierung mitzuentscheiden. „Es wird dann gepflasterte Probeflächen und verschiedene Stadtmöbel zum Probesitzen geben“, sagte Kruithoff. „Die Schwarmintelligenz ist gefordert, das Beste und das Schönste für das neue Gesicht Emdens auszuwählen.“

Tim Kruithoff nahm sich Zeit für Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern. Foto: J. Doden/Emden
Tim Kruithoff nahm sich Zeit für Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern. Foto: J. Doden/Emden

Trotz vielfach geäußerter Kritik hält Kruithoff am Kurs der Verkehrswende fest. Autos können die Neutorstraße zwischen Agterum und Rathausvorplatz nur in eine Richtung befahren. Fußgänger und Radfahrer haben deutlich mehr Platz als früher. Es wäre für die Stadt keine erfolgreiche Strategie, „alles wieder zu öffnen und die Fahrzeuge bis vor die Geschäfte fahren zu lassen“, so der Oberbürgermeister. „Wir müssen den Weg, unsere Mitte zur Erlebnisstadt werden zu lassen, konsequent weitergehen.“ Für diese Aussage gab es kräftigen Applaus.

Neues Entree für mehr Bürgernähe

Mehr Bürgernähe soll sich in der Verwaltung auch baulich bemerkbar machen. Der Eingangsbereich des Verwaltungsgebäudes I, also der zentrale Zugang zur Verwaltung, werde in diesem Jahr „endlich neu gestaltet“, kündigte Kruithoff an. Es werde ein kleiner, einstöckiger Anbau, ein Entree. Auch die telefonische Erreichbarkeit solle deutlich verbessert werden. Die Stadt greife dafür die Idee des Bürgertelefons aus der Zeit der Corona-Pandemie wieder auf. Unter der zentralen Nummer 04921/87-0 könnten die Bürgerinnen und Bürger alle Anfragen stellen.

Die Sternsinger sammelten Geld für wohltätige Zwecke. Foto: J. Doden/Emden
Die Sternsinger sammelten Geld für wohltätige Zwecke. Foto: J. Doden/Emden

Zu den weiteren Themen, die in diesem Jahr vorankommen sollen, gehört unter anderem die Erschließung des Ültje-Areals im Stadtteil Port Arthur/Transvaal. Dort, wo bis vor 25 Jahren Erdnüsse geröstet wurden, sollen ab 2026 Wohnungen gebaut werden. Man könne kaum jemandem erklären, „warum solche Prozesse des Abrisses, der Bauleitplanung, der Altlastenentsorgung, der Gutachtenerstellung, der Kampfmittelsondierung und, und, und so lange dauern“, sagte Kruithoff. „Aber glauben Sie mir das bitte einfach: So, wie unsere Gesetze, Verordnungen und Normen sind, braucht es diese Zeit – da dreht keiner zwischendurch Däumchen.“

Sehnsucht nach Kentucky Fried Chicken

Auch im Fachmarktzentrum Harsweg seien im vergangenen Jahr mehrere Knoten durchschlagen worden, sagte Kruithoff. Von einigen sehnsüchtig erwartet wird dort vor allem die Fast-Food-Kette Kentucky Fried Chicken (KFC), die in diesem Jahr eröffnet werden soll. Es ist die erste Filiale in Ostfriesland. „Glauben Sie mir das oder nicht“, sagte Kruithoff, „ich hatte in den letzten fünf Jahren unzählige Bitten und Anrufe, gerade von jugendlichen Bürgerinnen und Bürgern, KFC nach Emden zu holen.“ Da könne man nun einen Haken dran machen.

Es gab auch Musik- und Showeinlagen. Foto: J. Doden/Emden
Es gab auch Musik- und Showeinlagen. Foto: J. Doden/Emden

In diesem Jahr werde auch „endlich“ die Sanierung des Schwanenteichs angegangen, kündigte der Oberbürgermeister an. Die Parkanlage ist fast 100 Jahre alt. „Insbesondere die Entwässerung und die Wege haben es dringend nötig“, sagte Kruithoff. Die Ausschreibungen der Aufträge hätten in der Vergangenheit jedoch derartige Mondpreise ergeben, dass die Stadt bislang noch nicht habe loslegen können.

Pfusch bei der Kunstpromenade?

Kritik übte Kruithoff am Aussehen der neuen Kunstpromenade. Mit diesem rund 200 Meter langen, neu gestalteten Weg soll das Areal rund um die Kunsthalle aufgewertet werden. „In der Ausführung muss noch deutlich nachgearbeitet werden“, sagte der Oberbürgermeister. „Damit bin ich, sind wir als Verwaltung nicht zufrieden.“ Auf Nachfrage der Redaktion präzisierte Kruithoff seine Kritik: Die Qualität der Arbeiten sei unzureichend. „Das war anders geplant.“ Auf den Weg hätte ein anderer Belag aufgebracht werden sollen. „Da steht überall Wasser. Das ist einfach nicht gut gemacht und in Summe nicht rund.“ Daher müsse nun nachgearbeitet werden.

Als Erfolg wertete Kruithoff die Freigabe der Trogstrecke. Sie ist seit dem 13. Dezember 2024 wieder in beide Richtungen befahrbar. Die Sanierung der Emder Südumgehung hatte 2020 begonnen und sollte eigentlich nur drei Jahre dauern. „Es ärgert mich immer, wenn am Beispiel der Trogstrecke in der Öffentlichkeit so getan wird, als bekäme Emden nichts auf die Reihe“, sagte Kruithoff. Die Ursache der Verzögerungen sei Pfusch am Bau in den 1970er Jahren. Die Pläne aus dieser Zeit hätten nichts mit der Realität zu tun, die bei den Bauarbeiten am Trog vorgefunden worden sei. „Ich hätte mir auch gewünscht, dass es schneller gegangen wäre, mehr Bauleute vor Ort gewesen wären“, räumte Kruithoff ein. „Aber das sind halt derzeit die Realitäten des Fachkräftemangels und der Lage, mit der wir in unserem Land konfrontiert sind.“

Scharfe Kritik an VW

Kruithoff sparte nicht mit Kritik an Land und Bund, die die Kommunen mit immer neuen Aufgaben überzögen, ohne dafür ausreichend Geld zur Verfügung zu stellen. „Die Kommunen verschulden sich, während Land und Bund an den willkürlich gewählten Schuldenbremsen festhalten.“

Rund 1500 Menschen waren zum Neujahrsempfang in die Nordseehalle gekommen. Foto: J. Doden/Emden
Rund 1500 Menschen waren zum Neujahrsempfang in die Nordseehalle gekommen. Foto: J. Doden/Emden

Er kritisierte auch den VW-Konzern. Die Androhung von Werksschließungen, womöglich auch in Emden, sei für ihn „der absolute Tiefpunkt im vergangenen Jahr“ gewesen. Kruithoff sprach von einem Vertrauensbruch. Damit habe VW „nicht nur Familien in Angst und Schrecken versetzt, sondern auch die gesamte wirtschaftliche Entwicklung der Region im letzten Quartal 2024 auf den Kopf gestellt“. Mittelständische Unternehmer und Privatleute hätten Investitionen aufgeschoben. „So, wie hier mit Mitarbeitern umgegangen worden ist, geht man meines Erachtens mit Menschen nicht um.“

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