Winterurlaub in Greetsiel Ein Dorf im Dornröschenschlaf
Greetsiel zeigt sich im Winter von seiner stillen Seite: Wo sonst Trubel herrscht, genießen vereinzelte Besucher aktuell die Ruhe. Uns erzählen sie, was sie trotz des Wetters an die Küste zieht.
Greetsiel - Menschenleer ist es an diesem Januartag in Greetsiel. Ein ungewohnter Anblick. Wo sonst Besucher ganz begeistert Fotos von den Greetsieler Zwillingsmühlen machen, fährt heute nur ein einsamer Fahrradfahrer entlang. Im Ortskern, bekannt für die vielen kleinen Geschäfte, schauen nur vereinzelt Leute durch die Schaufenster. In den Restaurants sitzt niemand. Um draußen zu sitzen, ist es ohnehin zu kalt. Die meisten Gastronomiebetriebe und Geschäfte haben geschlossen.
Dass Greetsiel einem Geisterdorf gleicht, mag vielleicht auch am Wetter liegen. Obwohl direkt über dem Hafen ein großer Regenbogen zu sehen ist, zieht immer mal wieder ein kurzer Schauer über den Ort. Manchmal bringt der auch kleine Hagelkörner mit sich. Die wenigen Menschen, die noch auf den Straßen unterwegs sind, suchen schnell Unterschlupf in den Hauseingängen.
Urlaub in Greetsiel: Um dem Weihnachtsstress zu entkommen
Fast ganz allein auf dem Stellplatz bei den Zwillingsmühlen steht das Wohnmobil von Sabine und Gerd. Die beiden sind gerade im Aufbruch. Nur eine Nacht standen sie mit ihrem Wohnmobil auf dem Stellplatz, Greetsiel ist nur ein Zwischenstopp für das reiselustige Pärchen. Heute soll es schon wieder zurück in die Heimat gehen. Die beiden kommen aus Mülheim an der Ruhr. Sie sind schon seit einigen Tagen an der Küste unterwegs. „In Norddeich waren wir schon“, sagt Sabine. „Und auf Norderney.“ Dort sei es allerdings sehr stürmisch gewesen. Richtiges Ostfriesenwetter eben.
Warum sind sie ausgerechnet im Winter in Greetsiel? „Warum denn nicht?“, fragt Sabine. „Wir haben es doch schön warm im Wohnmobil“, sagt sie. Und früher seien die Winter sowieso viel kälter gewesen, da habe man es auch ausgehalten. Und außerdem sei es jetzt, im fast menschenleeren Greetsiel, am schönsten. Denn diese Reisezeit haben sich die beiden extra ausgesucht. „Wir sind vor allem hier, um dem Weihnachtsstress und dem Nachweihnachtsstress zu Hause zu entkommen“, sagt Sabine. Das ist ihnen gelungen.
Urlaub in Greetsiel: Um die gemeinsame Zeit wertvoll zu nutzen
Die zwei sind oft unterwegs. Gerd ist Rentner, Sabine hat früher mit der Arbeit aufgehört, damit die beiden gemeinsam noch viel von der Welt sehen können. „Man weiß ja nie, wie viel Zeit man noch zusammen hat“, so Sabine. Fast ganz Europa haben sie schon mit ihrem Wohnmobil erkundet. Das haben sie eindrucksvoll mit einer Karte an der Außenwand ihres Fahrzeugs dargestellt. Alle Länder, die sie bereits mit ihrem Wohnmobil bereist haben, sind dabei bunt ausgemalt. Und das sind recht viele: Die Benelux-Staaten haben sie schon erkundet, auch in Frankreich standen sie schon mit ihrem Wohnmobil. Und im Norden und Süden haben sie schon viel gesehen. Spanien und Portugal fehlen noch. „Auch Irland stelle ich mir schön vor“, sagt Gerd. „Aber erst mal steht Polen auf der Liste“, so Sabine. Greetsiel können sie nun auch ergänzen.
Besonders gut gefallen hat ihnen aber Skandinavien. Mit dem Wohnmobil sind sie so weit gefahren, bis es nicht mehr weiterging. Bis ganz in den Norden, zum Polarkreis. Ein mulmiges Gefühl hatten sie, als sie ganz im Nordosten von Norwegen, an der Grenze zu Russland, übernachteten. „Dort ist auch schon mal nicht weit von der Grenze entfernt etwas in die Luft gegangen“, so Gerd. Während sie dort waren, sei es aber ruhig gewesen. Nur die russischen Militärflugzeuge seien manchmal in der Nähe gestartet. Zurück ging es über die Lofoten. „Da war doch einiges mehr los als hier“, sagen sie. Richtig überlaufen sei es gewesen. Teilweise hätten sie mehr als eine Stunde suchen müssen, um ihr Wohnmobil irgendwo am Straßenrand abstellen zu können. Umso mehr genießen sie jetzt die Ruhe in Greetsiel, erzählen die beiden.
Urlaub in Greetsiel: Weil es in Bayern zu kalt ist
Auch Jürgen aus Krefeld (Nordrhein-Westfalen) ist mit seinem Wohnmobil im Januar nach Greetsiel gekommen, um die Ruhe zu genießen. „Ich war sicher schon zehn, zwölf Mal in Greetsiel“, erzählt er, während er warme Socken anzieht. Dabei sollte die Reise diesmal eigentlich gar nicht nach Greetsiel gehen, sagt Jürgen. Eigentlich wollte er in das bayrische Oberstdorf reisen. Doch als er die Wettervorhersage für Deutschlands südlichste Gemeinde sah, hat er sich noch ganz schnell umentschieden. „Temperaturen von minus 19 Grad Celsius in der Nacht wurden angekündigt“, so Jürgen.
Ganz so kalt ist es Greetsiel nicht. An diesem Vormittag gibt es sogar ein wenig Sonnenschein. Die Entscheidung für den Kurzurlaub in Greetsiel habe er darum nicht bereut, sagt er. Ihm gefalle es in Ostfriesland und besonders in der Krummhörn. „Ich mag eher die dörfliche Atmosphäre“, sagt der Sachverständige. Darum verbringt er seinen Urlaub hier auch hauptsächlich damit, die Dörfer in der Umgebung abzufahren.
Dass es in der Region einiges zu entdecken gibt, sagen auch Petra und Peter aus dem Oberharz. Ihre Unterkunft ist zwar in Norddeich, aber sie haben sich trotzdem schon viel in Ostfriesland angeschaut. „In den Städten waren wir schon gut unterwegs. In Emden, Aurich, Norden“, sagt Petra. Wo hat es ihnen bisher am besten gefallen? „Zu Hause ist es natürlich auch sehr schön“, sagt Petra. „Da ist nur gerade Schneechaos.“ In Ostfriesland sei es überall schön, sagt ihr Mann. Ob Greetsiel ihr neuer Favorit wird, wird sich demnach erst noch zeigen.