Osnabrück  CO₂-Ausstoß von Neuwagen in Deutschland nimmt weiter zu

Maik Nolte
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Von Maik Nolte
| 09.01.2025 12:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Abgasmessung an einem Verbrenner: Der durchschnittliche CO2-Ausstoß von Neuwagen steigt in Deutschland. Foto: imago/Sven Simon
Abgasmessung an einem Verbrenner: Der durchschnittliche CO2-Ausstoß von Neuwagen steigt in Deutschland. Foto: imago/Sven Simon
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EU-weit sinken die Durchschnitts-Emissionen von Neuwagen seit Jahren, hierzulande steigen sie zum zweiten Mal in Folge. Hauptgrund ist die E-Auto-Flaute – und die Zahlen bedeuten nichts Gutes für VW und Co.

Die CO₂-Emissionen der in Deutschland neu zugelassenen Pkw sind im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Im Schnitt lag die Emission der Neuwagenflotte 2024 über alle Hersteller hinweg bei 119,8 Gramm CO₂ pro Kilometer – im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 4,2 Prozent, wie das Kraftfahrtbundesamt (KBA) mitteilte. Der Wert lag somit deutlich oberhalb des von der EU vorgegebenen und bis zum Jahreswechsel geltenden Grenzwerts von 115,1 g/km. Die Entwicklung dürfte der Debatte um die Brüsseler Emissionsvorschriften neue Nahrung geben.

Denn Autobauern, die mit ihren Neuwagenflotten diesen Grenzwert EU-weit überschreiten, drohen hohe Strafzahlungen. Bis feststeht, welche Hersteller 2024 tatsächlich die Hürde gerissen haben, wird es aber wohl noch dauern – die zuständige Europäische Umweltagentur EEA prüft noch die Zahlen für das Jahr 2023. Bereits damals waren in Deutschland die Durchschnittsemissionen im Vergleich zum Vorjahr um 4,9 Prozent gestiegen, trotz eines stärkeren Absatzes von E-Autos und entgegen dem langjährigen europaweiten Trend. Im EU-Raum war der CO₂-Ausstoß von Neuwagen 2023 auf 106,4 g/km gesunken. 

Auch wenn die deutsche Zulassungsstatistik nur bedingt Aussagekraft für den gesamten europäischen Markt hat, zeigt sich, dass insbesondere für Volkswagen die Luft dünner zu werden droht. Denn die Wolfsburger liegen sogar noch über dem vom KBA ermittelten Durchschnittswert: Bei VW-Neuwagen ist die Emission im vergangenen Jahr (bis November) um 1,7 Prozent auf 128 g/km gestiegen, bei der VW-Tochter Audi um 1,6 Prozent auf 137,4 g/km. BMW und Mercedes hingegen konnten ihre Zahlen zwar leicht senken, liegen aber dennoch bei 119,1 beziehungsweise 121,7 g/km.

Die Zahlen lassen erahnen, wie groß die Herausforderung ist, der sich VW und Co im neuen Jahr stellen müssen: Zu Jahresbeginn wurde der EU-Grenzwert für die Neuwagenflotten deutlich auf 93,6 g/km abgesenkt. Erreichbar ist dieser Wert nur durch eine deutliche Steigerung des Absatzes von E-Autos – der in Deutschland seit dem Aus der staatlichen Kaufprämie Ende 2023 allerdings lahmt.

Experten gehen davon aus, dass 2025 jedes vierte verkaufte Auto ein Niedrigemissionsfahrzeug sein müsse, damit ein Hersteller die EU-Vorgabe erfüllen kann. In Deutschland war es zuletzt gerade mal jedes siebte: 380.609 reine Stromer wurden neu zugelassen, 27,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Bei VW betrug ihr Anteil am Gesamtabsatz bis November weniger als 9 Prozent. Im Vorjahr waren es noch mehr als 13 Prozent.

Eine andere Möglichkeit, die CO₂-Werte zu drücken, liegt in der Bildung von „Emissions-Pools“ mit anderen Herstellern wie Tesla oder Volvo, die die EU-Vorgaben bereits übererfüllen. In diesem Fall würde die Gesamtfahrzeugflotte eines Pools für die Berechnung herangezogen werden. Eine Notlösung für die Autobauer, da sich diese Poolpartner für ihre Kooperation gut bezahlen lassen. Berichten zufolge denken aktuell Mercedes und die Opel-Mutter Stellantis über einen solchen Schritt nach, VW könnte mit seinem chinesischen Partner SAIC zusammenrücken.

Größerer Beliebtheit als reine Stromer erfreuen sich Hybrid-Fahrzeuge, von denen bis November 947.398 verkauft wurden – und jeder fünfte davon war ein Plug-in-Hybrid, deren Absatz mit einem Plus von 9,2 Prozent deutlich anzog. Auf die Emissionsberechnung haben diese Fahrzeuge aber keinen allzu großen positiven Effekt mehr, da sie mittlerweile mit einem höheren CO₂-Ausstoß veranschlagt werden als noch in früheren Jahren.

Vor dem Hintergrund des weiter verschärften Grenzwerts werden seit Wochen parteiübergreifend Forderungen laut, das EU-System der Strafzahlungen bei Überschreiten der Grenzwerte möglichst bald auf den Prüfstand zu stellen, sprich: abzuschwächen. Die Erfolgsaussichten sind fraglich – ebenso, ob eine etwaige Aussetzung der Strafen dann auch zurückliegende Jahre betreffen würde.

Immerhin gibt es auch eine halbwegs gute Nachricht für Volkswagen: Der kriselnde Konzern konnte auf dem heimischen Markt insgesamt 3,4 Prozent mehr Autos verkaufen und bleibt unangefochtener Spitzenreiter beim Marktanteil – auch bei E-Autos, von denen die Wolfsburger im Gesamtjahr rund 62.000 an den Kunden bringen konnten. Im Vorjahr waren es noch mehr als 70.000. Auch Porsche und Opel konnten insgesamt zulegen, die Rüsselsheimer verzeichnen aber ebenfalls einen starken Einbruch bei E-Autos. Die stärksten Zuwächse bei den Gesamtzahlen fuhren Peugeot (+44 Prozent), Volvo (+39,3 Prozent) und Citroën (+32,9 Prozent) ein. Tesla war 2024 hingegen der größte Verlierer mit einem Rückgang von 41 Prozent.

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