Diskussion um Feuerwerk  Kommt ein „Böllerführerschein“?

Petra Herterich
|
Von Petra Herterich
| 08.01.2025 18:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Sieht schön aus, kann aber auch gefährlich sein: Das Silversterfeuerwerk steht wieder in der Kritik. Foto: Michael/dpa
Sieht schön aus, kann aber auch gefährlich sein: Das Silversterfeuerwerk steht wieder in der Kritik. Foto: Michael/dpa
Artikel teilen:

Die Diskussion um ein Verbot von Silvester-Feuerwerk ist wieder neu entfacht. Fast zwei Millionen Menschen fordern ein Böllerverbot. Es gibt aber in Ostfriesland auch noch andere Vorschläge.

Berlin/Ostfriesland - Böllern – ja oder nein? Nur an bestimmten Orten? Mit „Führerschein“? Oder Feuerwerk nur noch von Fachleuten zünden lassen? In diesem Jahr wurde die Diskussion rund ums Silvesterfeuerwerk neu entfacht durch schwere Vorfälle mit sogenannten Kugelbomben und dem Tod von bundesweit fünf Menschen.

Fast zwei Millionen Menschen haben inzwischen Petitionen für ein bundesweites Böllerverbot unterschrieben. Auf den Weg gebracht wurde sie von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) und der Deutschen Umwelthilfe (DUH).

Regierungsbrandmeister unterstützt Verbot

Auch Ostfrieslands Regierungsbrandmeister Erwin Reiners unterstützt „tendenziell“ ein solches Verbot. „Man könnte das ganze Böllern überhaupt abschaffen. Da ist auch die Politik gefordert“, sagt er. Vorstellen könnte er sich aber auch „bestimmte Böllerzonen, in denen nur zugelassene Pyrotechniker ein Feuerwerk zünden“. In Ostfriesland gebe es ja schon Beispiele, dass es auch ohne Feuerwerk einen schönen Jahreswechsel geben könne, etwa in Carolinensiel, wo eine Lichtshow am Hafen gezeigt werde.

Schon vor Jahren hat sich die Bundesvereinigung der Notärzte in Deutschland für eine Art Sachkundenachweis für das Abbrennen von Feuerwerkskörpern stark gemacht – eine Art „Böllerführerschein“. Böller und Raketen sollten künftig ausschließlich durch Personen mit entsprechender Fachkunde verwendet werden, forderte auch jetzt wieder die Ärztekammer Niedersachsen.

Vorschlag: Workshops zum Thema Pyrotechnik

Patrick Betten ist staatlich geprüfter Pyrotechniker und Inhaber von North Coast Fireworks in Hinte. „Es macht grundsätzlich Sinn, wenn der Otto Normalverbraucher so eine Art Workshop einmalig bei Fachleuten machen muss. Da kann man die Personen noch mal dafür sensibilisieren, worauf man bei Feuerwerk achten muss“, ist er überzeugt. Kaum jemand lese sich ja die Hinweise auf den Verpackungen durch. „Es ändert aber sicher nichts daran, dass sich manche Leute illegale Böller besorgen, wie etwa die Kugelbomben.“ Da sei „mehr Dampf hinter“ und das könne auch tödlich enden. „Diese Sprengkörper sind eigentlich nur für uns Fachleute und die Groß-Feuerwerke bestimmt. Die werden durch ein Rohr in die Luft geschossen – wenn sie am Boden explodieren, wirkt sich das verheerend aus.“

Durch den unsachgemäßen Gebrauch illegal beschaffter Kugelbomben sind Silvester schwere Verletzungen und schwere Beschädigungen passiert. Foto: Gambarini/dpa
Durch den unsachgemäßen Gebrauch illegal beschaffter Kugelbomben sind Silvester schwere Verletzungen und schwere Beschädigungen passiert. Foto: Gambarini/dpa

In Berlin wurde ein Siebenjähriger bei der Explosion einer illegal gezündeten Kugelbombe lebensgefährlich verletzt. In Berlin-Schöneberg wurden bei einer Explosion durch die Wucht Häuserfassaden beschädigt und über 30 Wohnungen unbewohnbar.

„Gegen die chaotischen Zustände zum Jahreswechsel hilft nur ein generelles Böllerverbot“, ist der Bundesgeschäftsführer der DUH, Jürgen Resch überzeugt. „Jedes Jahr Anfang Januar wird darüber geredet, viel versprochen, aber nichts gegen diesen Wahnsinn getan. Ehrlich gesagt können wir diese Mitleidsbekundungen aus dem politischen Raum nicht mehr hören, wenn sich an den Rahmenbedingungen nicht endlich etwas ändert“, kritisierte der Berliner GdP-Landeschef Stephan Weh. In Berlin waren 58 Polizisten in der Silvesternacht angegriffen worden, 17 wurden verletzt – acht von ihnen durch Pyrotechnik.

Ärger über Kanzler-Aussage

„Solche Zustände haben wir in Ostfriesland zum Glück nicht“, ist Regierungsbrandmeister Reiners froh. Doch Schäden durch Böller und Raketen bleiben auch in der Region nicht aus: „Viele Silversterböller und/oder -raketen haben nicht den nächtlichen Himmel, sondern Carports oder Hecken gefunden“, schrieb etwa die Polizei Leer/Emden bei Facebook. Wohnhäuser blieben aber weitestgehend verschont.

Die DUH kündigte an, alle Innenminister zu einer Veranstaltung einzuladen, bei der die Opfer der Silvesterböllerei zu Wort kommen. Es sei ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen, dass Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) die Forderung nach einem Böllerverbot als „irgendwie komisch“ bezeichnet habe.

Mit Material von DPA

Ähnliche Artikel