Nuuk  Kampf um Grönland: Wie Dänemark mit den Plänen des künftigen US-Präsidenten umgeht

Jens Mattern
|
Von Jens Mattern
| 08.01.2025 14:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Nachdem der designierte Präsident wiederholt sein Interesse an Grönland bekundet hatte, landete nun Donald Trump Junior auf der größten Insel der Welt. Foto: dpa/Emil Stach
Nachdem der designierte Präsident wiederholt sein Interesse an Grönland bekundet hatte, landete nun Donald Trump Junior auf der größten Insel der Welt. Foto: dpa/Emil Stach
Artikel teilen:

Nicht zum ersten Mal hat Donald Trump sein Interesse an Grönland bekundet. Nun landete der Sohn des designierten Präsidenten auf der Insel. Während die Regierungschefin Dänemarks die Pläne vor einigen Jahren noch abtat, klingt sie nun weniger energisch.

Donald Trump Junior landete mit seiner Entourage am Dienstag auf dem verschneiten Flughafen von Nuuk, der Hauptstadt Grönlands. Dänische Medien spekulieren, dass er „das große Scheckheft“ seines Vaters mit an Bord hatte.

Denn Donald Trump, der designierte Präsident der Vereinigten Staaten, will Grönland kaufen, dies machte er mehrfach klar; auch die Reise seines Sohnes ist ein deutliches Zeichen, auch wenn jener im Vorfeld angekündigt hatte, sich als „als Tourist“ auf der Insel umtun zu wollen.

Grönland und seine Bewohner „profitieren enorm, wenn sie ein Teil unserer Nation werden“ postete der Republikaner Anfang dieser Woche, der auch ein Video mit einem namenlosen Grönländer veröffentlichte, welcher Trump aufforderte, die Insel zu kaufen und so von der „Kolonisierung Dänemarks“ zu befreien.

Das größte Eiland der Welt ist halbautonom, die Außen- und Sicherheitspolitik wird von Kopenhagen bestimmt. Dort scheint man verunsichert. Während Regierungschefin Mette Frederiksen den Kauf-Vorschlag Trumps im Jahr 2019, zu seiner ersten Amtszeit, als „absurde Idee“ abtat; agiert die weiterhin amtierende Sozialdemokratin nun vorsichtiger.

„Es ist wichtig, dass die Zukunft Grönlands etwas ist, das von den Grönländern bestimmt werde und von niemandem anderem.“ meinte sie am Dienstag gegenüber dem Sender TV2.  Ein Zeichen dafür, wie ernst Nuuk und Kopenhagen die Ambitionen des Amerikaners nehmen, ist auch die spontan angesetzte Reise des grönländischen Regierungschef Múte B. Egede am Dienstag nach Dänemark.

Die Begehrlichkeiten des angehenden Präsidenten sind verständlich: durch das tauende Eis der über zwei Millionen Quadratkilometer großen Insel werden viele Bodenschätze erreichbar, darunter „seltene Erden“ welche für moderne Technologien notwendig sind. Zudem rüsten China und Russland im Bereich der Arktis auf, so dass eine Kontrolle Grönlands für die USA notwendig erscheint.

„Wir stehen nicht zum Verkauf und werden auch nie zum Verkauf stehen“, so Premierminister Mute B. Egede im Dezember, der aber einräumte, dass man weiter offen für die Zusammenarbeit mit dem „Nachbarn“ sei.  Gleichzeitig kündigte der Politiker, der traditionell im Kapuzenpulli auftritt, in der Neujahrsansprache an, dass „wichtige Schritte in Richtung eines unabhängigen Landes unternommen werden“.

Das Verhältnis der Grönländer zu der ehemaligen Kolonialmacht Dänemark ist durchaus angespannt. Im vergangenen Jahr verklagten 143 Frauen den dänischen Staat, da ihnen als Mädchen in den Sechziger und Siebziger Jahren von dänischen Ärzten die Spirale zwangsweise eingesetzt wurde. In der Zeit zwischen 1953 und 1979 war die Insel ein Bestandteil Dänemarks und die Regierung in Kopenhagen wollte dort das Bevölkerungswachstum drosseln. 

Egede bezichtigt Dänemark deswegen mittlerweile des „Völkermords“ – ein Konfliktsignal an die „Reichsfolgegemeinschaft“ zu der Grönland wie die Färöer Inseln offiziell gehören. Und ein Signal, welches Washington kaum entgangen sein dürfte.

Bereits US-Präsident Harry S. Truman machte 1946 einen Anlauf, das arktische Eiland zu erstehen, und Grönland war das Motiv für die USA, Druck auf Dänemark auszuüben, 1949 der NATO beizutreten. Der US-Militärflughafen, welcher darauf im Norden der Insel gegründet wurde, wird derzeit ausgebaut.  Wie auch die Beziehungen zu Grönland ausgebaut werden – Trump Junior weihte mit der blauen Privatjet „Trump Air One“ praktisch den neuen Flughafen von Nuuk ein, der mit Direktflügen von New York angesteuert werden kann.

Seit 2020 haben die USA ein Konsulat auf der Insel und amerikanische Interessenvertreter gingen seit Jahren in Grönland umher, wie der dänische Abgeordnete und Mitglied des Grönland-Ausschusses Karsten Hönge bemängelte.

Amerikas Interessen in Sachen Grönland wird bald Ken Howery als Botschafter in Kopenhagen vertreten, der milliardenschwere Mitgründer des Internetbezahlsystems PayPal, bei dem auch der Trump-Unterstützer Elon Musk involviert war, gilt als Trump-loyal und wirkte bereits als Botschafter in Stockholm.

Über umgerechnet 500 Millionen Euro überweist die dänische Regierung jährlich an die Insel, damit jene unter der Krone bleibt. Eine Summe, welche für die USA kein Hindernis darstellt. Für das sonst durchgehend amerikafreundliche Dänemark wäre der Verlust von Grönland gleichzeitig ein Bedeutungsverlust auf dem internationalen Parkett. Die arktische Insel ist bislang der Garant gewesen, von den Großen der Weltpolitik gehört zu werden.

Ähnliche Artikel