Landfrauen im Kreis Leer  Mädchen für alles ist jetzt eine gefragte Expertin

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 07.01.2025 18:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mit jeder Fähigkeit könne man sich bei den Landfrauen beteiligen, sagt Annegret Bommelmann. Sie macht das zum Beispiel mit ihrer Nähmaschine. Foto: Ortgies
Mit jeder Fähigkeit könne man sich bei den Landfrauen beteiligen, sagt Annegret Bommelmann. Sie macht das zum Beispiel mit ihrer Nähmaschine. Foto: Ortgies
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1500 Frauen sind bei den Landfrauen im Landkreis Leer aktiv. Wer sind sie? Wir stellen in dieser Reihe Frauen aus den Ortsvereinen vor. Heute: Annegret Bommelmann aus Ditzum.

Ditzum/Jemgum - Eines steht für Annegret Bommelmann unumstößlich fest: Landfrauen sind mehr als nur ein Verein. „Sie sind bei uns Träger des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens“, findet die 70-Jährige aus Ditzum. Dabei ist sie auch im Verkehrsverein Ems-Dollart aktiv. Aber die Abende mit dem Landfrauenverein Jemgum seien für sie von Anfang an nicht nur ein schöner Treffpunkt gewesen.

Zum Beispiel seien die Landfrauen ein Bildungsträger, denn die Angebote von Theaterfahrten bis zu Tipps der Polizei gegen Trickbetrüger vermittelten Nützliches wie Unterhaltsames: „Das ist eine Bandbreite, die es in keinem anderen Verein gibt“, sagt Bommelmann. Dazu werde man richtig herzlich aufgenommen, ist ihre Erfahrung. Sie sei schnell dazwischen gekommen und es hatte auch nicht lange gedauert, bis sie von der damaligen Vorsitzenden Ilse Meyer gefragt wurde, ob sie im Vorstand mitwirken will.

200 Papiersterne zu Weihnachten gefaltet

Annegret Bommelmann wollte und gehörte viele Jahre lang zum Vorstand der Landfrauen Jemgum. Als ein jüngeres Team gewählt wurde, gab sie das Amt auf, „aber ich werde zu bestimmten Themen immer noch angefragt“, sagt sie. Außerdem hilft sie gerne mit: So faltete sie als Deko für die Weihnachtsfeier rund 200 Papiersterne nach einer Vorlage des Magazins Landlust: „Für jeden Stern sind 66 Faltungen nötig“, erzählt sie schmunzelnd. An vielen Abenden vor dem Fernseher knickte sie sorgfältig Efalinpapier für weiße und rote Sterne.

Was Bommelmann von Anfang an bei den Landfrauen fasziniert hat: „Da wird nicht tagelang herumgeredet, sondern die handeln einfach.“ Das entsprach genau ihrer eigenen Persönlichkeit, so dass sie im Vorstand rasch zu einer Art Mädchen für alles wurde. Weil sie früher in der öffentlichen Verwaltung arbeitete, fiel ihr zum Beispiel die Aufgabe zu, die neue Satzung zu schreiben. Außerdem erstellte sie eine digitale Liste mit allen Mitgliedern: „Die hatten wir in der Form vorher gar nicht.“

Mit jeder Fähigkeit ist man willkommen

Die Treffen seien eine wunderbare Möglichkeit, sich zu sehen und auszutauschen. „Natürlich können Landfrauen Kuchen backen – aber sie können auch vieles anderes“, merkt Bommelmann an. Mit jedem Interesse oder jeder Fähigkeit sei man willkommen, um sich einzubringen. Als Beispiel nennt sie einen Bildervortrag über ihre Reise nach Island: „Auf diese Weise profitieren viele Menschen davon, die selbst nicht dorthin fahren.“

Landfrauen können backen – Annegret Bommelmann hat den Verein in Jemgum zum Jahreswechsel mit Neujahrskuchen versorgt. Foto: Ortgies
Landfrauen können backen – Annegret Bommelmann hat den Verein in Jemgum zum Jahreswechsel mit Neujahrskuchen versorgt. Foto: Ortgies

Das Ziel, mit dem die Landfrauenbewegung im 19. Jahrhundert gegründet wurde, nämlich Frauen mit Bildung und Förderung selbstständiger zu machen, hält Bommelmann nach wie vor für aktuell. Sie selbst stand aus einer Bauernfamilie. Als sie nach einer Ausbildung in der ländlichen Hauswirtschaft einen anderen Berufsweg einschlagen wollte, seien die Eltern, vor allem der Vater, skeptisch gewesen. „Das waren ganz andere Zeiten. Damals brauchten Frauen die Erlaubnis des Ehemannes, wenn sie arbeiten wollten“, sagt Bommelmann.

Landfrauen helfen anderen Frauen

Heute hätten Frauen zwar viel mehr Chancen, aber seien durch die Lebensumstände noch immer eingeschränkt. „Viele Landfrauen aus unserem Verein engagieren sich in der Nachmittagsbetreuung an den Schulen“, sagt Bommelmann – auf diese Weise helfen sie anderen Frauen, die berufstätig sind. Andere Landfrauen seien in den Schulen mit dem Ernährungsführerschein aktiv für Bildung gewesen, doch leider seien dafür die Mittel gekürzt worden.

So gibt es aus Sicht von Annegret Bommelmann noch viele Felder, auf denen Landfrauen aktiv sein können. 150 Frauen gehören dem Verein in Jemgum an, viele von ihnen seien wie sie selbst „Zugezogene“. Natürlich hätten einige auch einen Bezug zur Landwirtschaft, aber in Ditzum gebe es nur noch einen Hof. „Natürlich sind auch Fischersfrauen bei uns“, sagt Bommelmann. Ihr Tipp: Einfach hingehen und mitmachen.

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