Heseler rüsten Oldtimer auf Ein Feuerwehrwagen mit Geschichte
Eine Fahrradtour endete damit, dass „Udo und seine Freunde“ in Hesel plötzlich einen 67 Jahre alten Feuerwehrwagen hatten. Jetzt soll der Opel Blitz zu neuem Leben erwachen.
Hesel - Er war bei der Sturmflut 1962 dabei, er rückte zur Absturzstelle eines Düsenjägers in Hasselt aus und half beim Löschen eines Waldbrandes in Hesel am Kloster Barthe 1971 – der Opel Blitz hat viel erlebt. Die letzten Jahre stand er in einer Halle – doch jetzt wollen vier Heseler den Feuerwehrwagen zu neuem Leben erwecken. Seit vergangenem Jahr arbeiten Udo und Waltraud Kuhr und Jens und Elke Boelsems an der Restaurierung.
Die Gruppe kam unverhofft zu dem 67 Jahre alten Feuerwehr-Oldtimer: „Das war eine Schnapsidee.“ Denn bei einer Fahrradtour kam man mit dem Vorbesitzer an einer Bierbude ins Gespräch. Jens Boelsems ist Mitglied im Förderverein der Heseler Feuerwehr und zeigte Interesse an dem Opel Blitz. Dann ging alles sehr schnell, dann hatten die Freunde das Fahrzeug gekauft. In einer konzertierten Aktion wurde das betagte Feuerwehrauto zu Udo Kuhr (er ist aktives Feuerwehrmitglied) gebracht, der Platz dafür hat.
Altes Fahrzeug ist fast komplett
Trotz seines hohen Alters und der langen Standzeit – seit 1992 befand er sich im Privatbesitz, stand in einer Halle – macht der Opel Blitz einen guten Eindruck und der Wagen ist noch fast komplett. „Wir haben die Reifen aufgepumpt, dann konnten wir das Fahrzeug so abschleppen, das war kein Problem“, sagt Jens Boelsems. Den Motor bekam man ebenfalls mit ein wenig Nachhilfe wieder in Gang. Nur die Bremsen, da war es nicht so einfach.
Ersatzteile für die Bremsbacken gab es nicht mehr. Das Internet half: „Da haben wir eine Firma gefunden, die hat die Bremsteile aufgearbeitet und Belege aufgeklebt“, freut sich Udo Kuhr. Aber jetzt ist immer noch viel zu tun, bevor die beiden Ehepaare zu einer ersten Fahrt im Opel Blitz, Baujahr 1956, aufbrechen können. Er hat 62 PS aus 2,5 Litern Hubraum und eine 6-Volt-Anlage. An einigen Stellen sitzt Rost, innen im Fahrzeug ist vieles aus Holz, das ebenfalls Schwachstellen hat. Ein Kotflügel muss ersetzt werden, doch das Teil fehlt ihnen noch.
Spendenaktion war erfolgreich
Es ist klar, dass die vier nicht alles selbst machen können. Einmal die Woche treffen sie sich, um an dem Auto zu arbeiten. Für die Blecharbeiten haben sie bereits eine Zusage von einem örtlichen Kfz-Betrieb. Um das zu finanzieren, starteten „Udo und seine Freunde“ eine Sponsorenaktion über den Dienstleister Sponsino: Mit dieser kamen vor Weihnachten sehr schnell 2000 Euro zusammen. Jeder konnte ein Feld auf einer Spendentafel „kaufen“ und so Geld für die Restaurierung geben.
Manche Heseler buchten gleich mehrere Felder. „Die haben zum Beispiel ihre Geburtsjahre ausgesucht“, sagt Waltraud Kuhr. Es gibt auch anonyme Spender wie „Drei Hessen für Hesel“. Dank dieser Unterstützung können etliche Arbeiten erledigt werden. Ihr Ziel ist eindeutig: „Der Opel Blitz soll vom Tüv abgenommen werden, damit wir damit fahren können.“ Der Originalbrief liegt zwar vor, doch der Opel wurde nach dem Ende der Dienstzeit 1987 abgemeldet.
Erster Einsatz war Schornsteinbrand
Die Gruppe besitzt eine Liste aller Einsätze der Feuerwehr Hesel aus der Zeit mit dem Opel Blitz. Sie wurde vom früheren Kreisbrandmeister Johann Waten zusammengestellt, der kürzlich verstorben ist. Auf den Listen stehen die eingangs genannten Einsätze, aber der allererste war vermutlich ein Schornsteinbrand am 5. Juni 1957. Da war der Opel Blitz gerade erst zwei Monate im Besitz der Heseler Wehr. Erst 1973, liest Udo Kuhr staunend vor, waren die Feuerwehrleute erstmals mit Atemschutzgeräten im Einsatz. Andererseits: „Damals gab es in den Häusern noch nicht so viel Kunststoff.“ Der Rauch sei dadurch nicht so giftig gewesen wie heute oftmals.
Sogar in dem Haus, bei dem der Wagen jetzt steht, war mal Einsatzort: „Damals ist hier der Blitz eingeschlagen“, sagt Udo Kuhr. Das war 1984, damals war der Opel Blitz schon fast 30 Jahre alt. Drei Jahre später wurde er ausgemustert. Die Heseler hoffen, den Wagen in diesem Jahr wieder flott zu bekommen: „Das nächste halbe Jahr wird spannend“, sagt Jens Boelsems. Immerhin: Das Kennzeichen haben sie sich schon beim Landkreis reservieren lassen: LER - K 458, dasselbe wie damals, als der rote Blitz zu Einsätzen fuhr.