Vergleich Kreisfreier Städte Besser leben – wo sich Emden etwas abschauen kann
Lebensqualität in Emden: Die Bilanz in einem Regierungsbericht fällt durchwachsen aus. Es gibt ähnliche Kreisfreie Städte, in denen es den Einwohnern offenbar besser geht. Eine Analyse.
Emden/Ansbach/Baden-Baden/Neustadt an der Weinstraße/Zweibrücken - Das Verfügbare Einkommen pro Emder lag im Jahr 2022 bei 20.857 Euro – das in Neustadt an der Weinstraße bei 29.231 Euro.
Diese gemittelten Werte gehen aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der Statistik-Ämter für das Jahr 2022 hervor – die für 2023 gibt es noch nicht auf Ebene der Kreisfreien Städte (Stand: Dezember 2024). Emden und Neustadt haben jeweils um die 50.000 Einwohner und eine ähnlich große Gemarkung.
Die Stadt Emden im Vergleich mit 400 Kreisen und Kreisfreien Städten
Die kürzlich gescheiterte Bundesregierung hat in ihrem „Gleichwertigkeitsbericht 2024“ die Lebensverhältnisse in den 400 Landkreisen und Kreisfreien Städten in Deutschland verglichen. Ziel der Regierungspolitik sind beziehungsweise waren gleichwertige Lebensverhältnisse. Um die jeweilige Situation im Bereich von Wirtschaft, Gesellschaft, Daseinsvorsorge und Umwelt bewerten zu können, hat die Bundesregierung rund 40 Parameter betrachtet und verglichen.
Wenn man auf Basis der jeweiligen Werte Deutschland-Rankings erstellt, rangiert die Stadt Emden bei Arbeitnehmer-Einkommen und wirtschaftlicher Leistung ziemlich weit oben, bezüglich des Wohlstands der Bevölkerung aber ziemlich weit unten. Allerdings konkurriert die größte Stadt in Ostfriesland in diesem Vergleich auch mit Metropolen wie München oder Stuttgart sowie Autoindustrie-Standorten wie Ingolstadt und Wolfsburg. Aber auch Emden hat ja ein VW-Werk.
Diese Kreisfreien Städte sind Emden strukturell am ähnlichsten
Wie lässt sich besser einschätzen, wie gut oder schlecht die Stadt Emden von den Lebensverhältnissen her dasteht? Der Autor dieser Analyse hat nach Kreisfreien Städten in Deutschland gesucht, die Emden strukturell ähnlich beziehungsweise am ähnlichsten sind. Kriterien waren Einwohnerzahl, Gemarkungsfläche und Besiedelungsdichte.
Die Wahl fiel auf Neustadt an der Weinstraße (Rheinland-Pfalz), Ansbach (Bayern), Baden-Baden (Baden-Württemberg) und Zweibrücken (Rheinland-Pfalz). Zweibrücken und Baden-Baden sind prozentual schon wieder ein Stück von Emden entfernt – aber weitere noch ähnlichere Städte gab es nicht.
Ein Vergleich Emdens mit vier ähnlichen Kreisfreien Städten – in Tabellen
Es folgt ein Vergleich der Lebensverhältnisse in diesen fünf Städten in 53 Tabellen. Ein Großteil der darin zusammengestellten Daten stammt aus dem Gleichwertigkeitsbericht der Bundesregierung.
Darüber hinaus sind insbesondere Daten der Bundesagentur für Arbeit, der Statistik-Ämter des Bundes und der Länder (Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung und Zensus) sowie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) herangezogen worden. Zur Aktualisierung der Regierungsdaten und für ergänzende Betrachtungen.
Das Einkommen der Einwohner in Emden und in ähnlichen Städten
Beim Primäreinkommen je Einwohner liegt Emden hinten. Zum Primäreinkommen zählen die Einkommen aus Arbeit und Vermögen. Die Primäreinkommen werden von den Statistik-Ämtern des Bundes und der Länder in ihrer „Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung“ ermittelt.
Beim „Verfügbaren Einkommen“ bietet sich im Vergleich von Emden mit den vier ähnlich strukturierten Städten dasselbe Bild: Letzter Platz. Das Verfügbare Einkommen geht aus dem Primäreinkommen hervor, indem Sozial- und Transferleistungen hineingerechnet werden. Heraus kommt das Einkommen, dass zum Ausgeben oder zum Sparen zur Verfügung steht.
Das niedrige Einkommen in Emden wird durch das niedrigere regionale Preisniveau etwas relativiert. Den Preisindex für das Jahr 2023 hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) errechnet. Demnach ist der „Warenkorb“ unter den ähnlichen Fünf nur in Zweibrücken noch günstiger als in Emden.
Bereinigt man das Verfügbare Einkommen um Effekte des Preis-Niveaus, dann erhält man das Realeinkommen. Es handelt sich beim Realeinkommen um eine mathematisch-statistische Größe zum Vergleich der Kaufkraft. Auch da liegt Emden im Vergleich mit den vier ähnlichen Städten hinten – bezogen auf das Jahr 2022.
Die Arbeitnehmer-Einkünfte in Emden und in ähnlichen Städten
Während die genannten Einkommen statistisch auf die Einwohner bezogen und damit an den Wohnort geknüpft sind, werden die Bruttolöhne je Arbeitnehmer arbeitsortbezogen verbucht. Das heißt: Der Lohn eines Leeraners, der bei VW in Emden arbeitet, kommt in die Leeraner Einkommens-Statistik und in die Emder Bruttolohn-Statistik. Bei den Bruttolöhnen und -gehältern je Arbeitnehmer steht Emden im Deutschland-Ranking auf Platz 61 und unter den ähnlichen Fünf auf Platz 2, aber nur 100 Euro pro Jahr hinter dem erstplatzierten Baden-Baden.
Das Medianentgelt ist das mittlere Monatsentgelt und wird von der Bundesagentur für Arbeit ermittelt. Es fließen die Bruttoeinkünfte aller sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten ein, wobei die Auszubildenden nicht enthalten sind. Im Unterschied dazu sind in den mittleren Bruttolöhnen, welche die Statistik-Ämter errechnen, die Löhne aller Arbeitnehmer enthalten – auch der geringfügig Beschäftigten. Beim Medianentgelt 2023 ist Emden auf dem ersten Platz unter den Vergleichsstädten.
Vergleicht man die prozentualen Abweichungen der Emder Werte im Jahr 2022 beim Preisindex, dem Medianentgelt und dem Bruttolohn je Arbeitsstunde mit dem jeweiligen Deutschland-Wert, dann wird klar: Die Kaufkraft von Arbeitnehmern in Emden ist tendenziell (noch) höher als ihr Arbeitseinkommen, weil niedrige Preise auf relativ hohe Löhne treffen. Beim Medianentgelt lag Emden über dem Bundesschnitt, beim Bruttolohn je Arbeitsstunde knapp darunter.
Der Anteil der Geringverdiener in Emden und ähnlichen Städten
Die Bundesregierung hat in ihrem Gleichwertigkeitsbericht auch den „Unteren Entgeltbereich“ verglichen. Dieser lag per Definition im Jahr 2023 bei Monatseinkommen bis 2530 Euro. Es bestätigte sich, was mit Blick auf Medianentgelte und Bruttolohn-Statistik zu vermuten war: Emden liegt weit vorne, unter den ähnlichen Fünf auf Platz 1.
Wer ein Arbeitseinkommen über dem Grundsicherungs-Niveau hat, aber beispielsweise trotzdem nur ein relativ niedriges Familieneinkommen erzielt, bekommt unter bestimmten Voraussetzungen staatliches Wohngeld. Auch die Zahl dieser „reinen Wohngeldhaushalte“ hat die Bundesregierung als Maßstab für die örtlichen Lebensverhältnisse ausgewertet. Da liegt Emden plötzlich weit hinten. Im Unterschied zum Bruttolohn-Ranking handelt es sich um keinen arbeitsplatzbezogenen, sondern einen wohnortbezogenen Vergleich.
Die Statistiken offenbaren, dass Arbeitnehmer von außerhalb vom Emder Lohn-Niveau profitieren – die Emder selbst aber nur eingeschränkt. In den ähnlichen Städten ist das Verhältnis für die Einheimischen offenbar vorteilhafter.
Die wirtschaftliche Leistung in Emden und in ähnlichen Städten
Wesentlich für den Wohlstand ist die Bruttowertschöpfung: Die Werte, die von allen Erwerbstätigen gemeinsam erarbeitet werden, können unter anderem in Löhne fließen. Emden hat bei der Bruttowertschöpfung vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2022 um 72 Prozent zugelegt – und das von einem relativ hohen Niveau her kommend. Unter den ähnlichen Städten steht Emden an der Spitze.
Als Maßstab für die wirtschaftliche Leistung gilt das Bruttoinlandsprodukt (BIP), das die Wertschöpfung enthält. Das BIP je erwerbstätige Person wird als Parameter für die Produktivität betrachtet. Emden kommt diesbezüglich im Deutschland-Ranking auf Platz 62 von 400. Mit 88.755 Euro je erwerbstätiger Person liegt die ostfriesische Stadt im Jahr 2022 unter den ähnlichen Fünf vorne.
Die Leistungs- und Entgelt-Bilanz in Emden und in ähnlichen Städten
Die Daten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ermöglichen einen Vergleich der Bruttolöhne und der Wertschöpfung in Form des Bruttoinlandsprodukts pro Arbeitsstunde. Bei den Bruttolöhnen je Arbeitsstunde der Arbeitnehmer (inklusive Beamte, ohne Selbstständige) lag Emden 2022 bei 30,07 Euro (Platz 112 im Deutschland-Ranking).
Beim BIP je Arbeitsstunde der Erwerbstätigen (Arbeitnehmer und Selbstständige) ist Emden noch besser platziert: auf Rang 75 – mit 64,52 Euro pro Stunde. In der Differenz zwischen dem Bruttoinlandsprodukt und dem Bruttolohn je Stunde stecken unter anderem die Arbeitgeber-Beiträge zur Sozialversicherung, die Abschreibungen auf Anlagen wie Maschinen und die Unternehmensgewinne.
Spezialisten, Experten und Co. in Emden und in ähnlichen Städten
Die Lohnhöhe hängt maßgeblich vom Anforderungsniveau einer Tätigkeit ab. Die Bundesarbeitsagentur unterscheidet zwischen Helfern, Fachkräften, Spezialisten wie Meistern und Technikern sowie Experten mit in der Regel vierjährigem Studium oder entsprechender Berufserfahrung. Die Medianentgelte in Emden liegen in allen vier Kategorien ziemlich hoch. Im Vergleich der ähnlichen Fünf wird Emden bei den Spezialisten von Baden-Baden getoppt – ansonsten liegt die ostfriesische Stadt überall vorne. Im Jahr 2023.
Beim Fachkräfte-Anteil auf dem Arbeitsmarkt ist Emden relativ weit unten im Deutschland-Ranking und unter den Vergleichsstädten.
Bei den Spezialisten ist Emden sogar anteilsmäßig im untersten Viertel der Rangliste und nur auf Platz 4 unter den ähnlichen Fünf.
Bei den Experten ist Emden mit einem 10,1-Prozent-Anteil bundesweit im Mittelfeld zu finden, unter den Vergleichsstädten aber auf dem vorletzten Platz.
Die Ab- und Rückwanderung in Emden und in ähnlichen Städten
Das hohe Lohn-Niveau macht Emden als Wohnort – anders als man das erwarten könnte – offenbar nicht übermäßig attraktiv. Die Abwanderungsquote unter den Erwerbspersonen ist deutlich höher als in den ostfriesischen Landkreisen. Unter den ähnlichen fünf Städten belegt Emden aber den zweiten Platz. Eine relativ große Abwanderung scheint ein Phänomen von Kreisfreien Städte dieser Größenordnung zu sein – alle rangieren im unteren Bereich der Deutschland-Rangliste.
Und von denen, die Emden verlassen haben, kehren anteilsmäßig weniger zurück als in den ostfriesischen Landkreisen. Auch das scheint typisch für Kreisfreie Städte dieser Art zu sein. Unter den Vergleichsstädten ist Emden im Mittelfeld.
Die Erwerbspersonen, um die es in der Wanderungsstatistik geht, bilden die arbeitsfähige Bevölkerung. Erwerbstätige als auch Arbeitslose zählen folglich zu den Erwerbspersonen.
Die Bevölkerungsstruktur in Emden und in ähnlichen Städten
Die Bevölkerungsstruktur der Stadt Emden ist unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten relativ ungünstig. So ist der Anteil der Erwerbstätigen an den Einwohnern niedrig. Und der Anteil der Nichterwerbspersonen ist hoch – dazu zählen unter anderem Schüler und Rentner.
Der Bildungsstand in Emden und in ähnlichen Städten
Ein relativ hoher Anteil der Erwerbspersonen in Emden hat keinen Berufsabschluss: mehr als jede vierte Person. Damit ist Emden Letzter unter den Vergleichsstädten und im Deutschland-Ranking auf Platz 366 von 400.
Bezüglich des Anteils der Personen ohne Schulabschluss liegt Emden ebenfalls nicht gut. Erneut nur Platz 5 von 5. Hinzu kommt, dass der Bevölkerungsanteil der Abiturienten im Vergleich zu den anderen vier Städten der geringste ist.
Die Arbeitslosigkeit in Emden und in ähnlichen Städten
Bei der Arbeitslosigkeit handelt sich Emden einen weiteren letzten Platz unter den Vergleichssätzen ein und liegt bundesweit auf Platz 351.
Dementsprechend viele Emder sind von finanzieller Unterstützung des Staates wie der Grundsicherung für Arbeitssuchende oder der Hilfe zum Lebensunterhalt abhängig. Nur 33 Kreise und Kreisfreie Städte liegen bundesweit schlechter als Emden.
Bei der Ausländer-Integration auf dem Arbeitsmarkt sieht es in Emden ebenfalls bescheiden aus, was einen Arbeitskräfte-Mangel verstärken kann. Noch ein letzter Platz im Fünf-Städte-Vergleich.
Die Chancen auf ein Eigenheim in Emden und in ähnlichen Städten
Wer sich den Traum von einem Eigenheim erfüllen möchte, benötigt idealerweise einen unbefristeten Arbeitsvertrag – weil ein solcher den Banken mehr Sicherheit für Darlehen bietet. Diesbezüglich sind die Arbeitsmarkt-Verhältnisse in Emden nachteilig: Mehr als die Hälfte der Arbeitsverträge, die im 2. Quartal 2022 abgeschlossen wurden, waren befristet. Nur in acht Kreisen oder Kreisfreien Städten bundesweit waren es noch mehr. In Neustadt an der Weinstraße waren hingegen nicht einmal 20 Prozent der Neuverträge befristet. Dieser vermeintlich gute Wert bedeutet aber, dass fast jeder fünfte neu abgeschlossene Arbeitsvertrag befristet ist.
Wenn das Eigenheim ein Neubau sein soll, dann sind auch die Baulandpreise relevant. Da hat Emden im Vergleich zu den vier ähnlichen Städten einen konkurrenzlos günstigen Quadratmeterpreis vorzuweisen. Stand: 2022.
Der Wohnraum in Emden und in ähnlichen Städten
Ein Eigenheim in Emden war schon in der Vergangenheit offenbar schwieriger zu finanzieren, als ein Haus in den ostfriesischen Landkreisen. Die Eigentumsquote beträgt nur gut 45 Prozent. Auch von den ähnlichen Städten kommt niemand auf 50 Prozent.
Schwieriger interpretierbar ist die relativ niedrige Leerstandsquote in Emden. In einer Stadt könnte der relativ geringe Leerstand darauf hindeuten, dass der Wohnraum für die Bevölkerung relativ knapp ist. Positiv an einem geringen Leerstand ist, dass nur wenig Bausubstanz ungenutzt ist.
Die Finanzen in Emden und in ähnlichen Städten
Städte finanzieren sich maßgeblich über Steuereinnahmen. Folglich ist das kommunale Steueraufkommen je Einwohner ein wichtiger Maßstab dafür, wie viel Geld zur Verfügung steht, um den öffentlichen Aufgaben nachzukommen. Und da waren die Voraussetzungen im Jahr 2021 überdurchschnittlich gut in Emden. 1705 Euro waren es je Einwohner – und damit Platz 2 unter den ähnlichen Fünf und Platz 51 im Deutschland-Ranking.
Bei hohen Steuereinnahmen muss die öffentliche Hand tendenziell weniger Schulden aufnehmen oder sie kann sie zumindest leichter zurückzahlen. Schulden können sich in einer Stadt auf verschiedene Haushalte verteilen, wie eine Grafik des Statistischen Bundesamtes veranschaulicht.
Mit dem Zurückzahlen der Darlehen klappt es in Emden aber offensichtlich nicht so richtig. Unter den ähnlichen Fünf hat Emden im Kernhaushalt die zweithöchsten Schulden pro Kopf: 3734,07 Euro. Im bayerischen Ansbach sind es 431,08 Euro. Auch im Öffentlichen Gesamthaushalt und im Öffentlichen Bereich insgesamt ist Emden im Städtevergleich auf dem vorletzten Platz.
Die städtische Struktur in Emden und in ähnlichen Städten
Die Zahl der Wohngebäude pro Quadratkilometer im Siedlungsbereich zeigt, dass Emden im Vergleich zu den vier ähnlichen Städten weniger städtisch geprägt ist. Das kann höhere Infrastrukturkosten nach sich ziehen – für Straßen, Wasserleitungen und Kanäle beispielsweise. Umgekehrt kann dadurch eine höhere Lebensqualität vorherrschen.
Derweil ist der Bodenversiegelungsgrad in Emden im Vergleich zu den anderen vier Städten sehr hoch. Auf 6,2 Prozent kam Baden-Baden im Jahr 2018, Emden auf 14,3 Prozent und den letzten Platz.
Die Frauen-Diskriminierung in Emden und in ähnlichen Städten
Die Lohnlücke zwischen Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen ist in Emden im Vergleich zu den vier ähnlichen Städten mittelmäßig ausgeprägt, aber trotzdem groß: Der unbereinigte Gender Pay Gap liegt bei 24,1 Prozent. Stand: 2022.
Der bereinigte Gender Pay Gap gilt als noch besserer Maßstab für die geschlechtsabhängige Diskriminierung. Dieser Lohnabstand beträgt in Emden 14,5 Prozent. In allen vier ähnlichen Städten ist er größer.
Die Mütter-Benachteiligung in Emden und in ähnlichen Städten
Mütter sind beruflich zusätzlich benachteiligt, wenn sich die Väter nicht gleichermaßen an der Kindererziehung beteiligen. Anhaltspunkte, wie es um die Rollenverteilung bestellt ist, bietet die Väterbeteiligung beim Elterngeld. Erfasst ist der prozentuale Anteil der Kinder, deren Väter Elterngeld bezogen haben. Die Stadt Emden rangiert weit hinten.
Eine niedrige Kinderbetreuungsquote kann auf fehlende Angebote hindeuten, was tendenziell mit beruflichen Nachteilen für Mütter verbunden ist. Bei den unter Dreijährigen ist gut ein Viertel in Emden in einer Kindertageseinrichtung.
Was die Ganztagsbetreuung von drei- bis sechsjährigen Kindern betrifft, kam Emden auf 29,6 Prozent. Neustadt an der Weinstraße lag hingegen bei 52,8 Prozent.
Die Bevölkerungsentwicklung in Emden und in ähnlichen Städten
Geburten sind naturgemäß ein wichtiger Faktor für die Bevölkerungsentwicklung. Diesbezüglich ist Emden relativ weit unten in den Rankings angesiedelt.
Die Emder Einwohnerentwicklung machte in den Jahren 2017 bis 2022 sogar etwas rückwärts. Alle anderen vier Städte sind gewachsen.
Die Bundesregierung rechnet im Zeitraum bis 2045 zudem damit, dass die Bevölkerung in Emden weiter abnimmt.
Was die Altersdurchmischung anbelangt, belegt Emden im Deutschland-Ranking einen Platz nahe am oberen Viertel der Rangliste. Je niedriger der Altenquotient, desto weniger Rentner kommen auf die Einwohner im erwerbsfähigen Alter. Emden schneidet diesbezüglich vorteilhafter als die vier ähnlichen Städte ab.
Die medizinische Versorgung in Emden und in ähnlichen Städten
Als Maßstab für die medizinische Versorgung hat die Bundesregierung die Zahl der Einwohner genommen, auf die rechnerisch ein Hausarzt kommt. Emden liegt im Deutschland-Ranking weit hinten, unter den Vergleichsstädten aber ziemlich genau in der Mitte.
Zudem sind im Gleichwertigkeitsbericht mittlere Fahrzeiten zu Einrichtungen der Medizin und Pflege betrachtet worden.
Die Infrastruktur in Emden und in ähnlichen Städten
Hinsichtlich der Versorgung mit dem täglichen Bedarf hat die Bundesregierung ebenfalls mittlere Fahrzeiten ermittelt – in diesem Fall zu Supermärkten.
Auch die Bildungsnähe oder -ferne schlägt sich im Gleichwertigkeitsbericht in Form von Fahrzeiten nieder – zu den nächstgelegenen Schulen.
Die Lebenserwartung in Emden und in ähnlichen Städten
Die Lebenserwartung ist eine spekulative Größe. Eine Prognose für Neugeborene, die für Emden nicht gut ausfällt. In Baden-Baden sollen Babys, die im Jahr 2020 zur Welt kamen, fast drei Jahre älter werden können.
Die vorzeitige Sterblichkeit ist hingegen ein realer Wert. Eingeflossen sind Todesfälle von Menschen unter 70 Jahren. Sie sind ins Verhältnis zu den Einwohnern dieser Altersgruppe gesetzt worden. Emden ist im Vergleich der ähnlichen fünf Städte auf dem letzten Platz.
Die Luftqualität in Emden und in ähnlichen Städten
Die Qualität der Luft trägt selbsterklärend zur Lebensqualität bei. Doch Emden weist eine relativ hohe Feinstaubbelastung auf.
Bei der Stickstoffdioxidbelastung ist Emden ebenfalls im unteren Bereich des Deutschland-Rankings und auf Platz 4 von 5 unter den ähnlichen Städten zu finden.
Die Sicherheitslage in Emden und in ähnlichen Städten
Bezüglich der Straftaten je 1000 Einwohner befindet sich Emden in der bundesweiten Rangliste im untersten Viertel. Das trifft aber auf alle fünf Städte im Vergleich zu.
Die Wahlbeteiligung in Emden und in ähnlichen Städten
Als einen Maßstab für demokratische Beteiligung und damit die gesellschaftliche Situation hat die Bundesregierung die Wahlbeteiligung genommen. Emden belegte diesbezüglich bei der Bundestagswahl 2021 den 380. Platz im Deutschland-Ranking – und einmal mehr den letzten unter den fünf Vergleichsstädten.
Man mag über die Aussagekraft mancher Parameter im Gleichwertigkeitsbericht streiten können – beispielsweise über den Fahrzeiten-Vergleich bei den Schulen. Eine Minute mehr oder weniger dürfte in einer Stadt kein Problem sein. Auch die Kinderbetreuungsquoten sind für sich genommen wenig aussagekräftig, weil aus diesen Daten nicht hervorgeht, ob es einen Betreuungsplatz-Mangel gibt, genügend Familienangehörige für die Kinderbetreuung in der Region sind oder die Eltern nicht beide berufstätig sein wollen.
Die Ergebnisse des Regierungsberichts und darüber hinausgehende Vergleiche geben aber im Falle Emdens auf jeden Fall Anlass, sich in ähnlich strukturierten Städten zu informieren, wie sie in einigen Bereichen eine bessere Entwicklung hingekriegt haben. Denn bessere Ergebnisse stehen für bessere Lebensverhältnisse.
Sind die Lebensbedingungen in anderen ländlichen Regionen besser?
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