Kolumne „Digital total“ Eine neue, analoge Perspektive
Die Reihe heißt zwar „Digital total“, doch jetzt ist unser Kolumnist wieder analog unterwegs – zumindest, was das Fotografieren angeht. Und das bringt auch einige Vorteile mit sich, findet er.
Eines meiner Hobbys ist die Fotografie. Und natürlich fotografiere ich auch beruflich öfters – und das seit knapp 20 Jahren ausschließlich digital. Allerdings hat sich das nun gerade geändert, da ich vor Weihnachten in einem Drogeriemarkt spontan einen Schwarz-Weiß-Film gekauft und meine erste richtige Kamera, eine Nikon F60, wieder aktiviert habe. Bis dato wusste ich gar nicht, dass im Einzelhandel überhaupt noch Filme verkauft werden.
Das Ganze mit dem analogen Fotografieren war nur so eine fixe Idee, die zustande kam, weil ich den Film zufällig entdeckt hatte. Aber seitdem hatte ich viel Spaß damit, meine alte Kamera und damit die analoge Fotografie für mich wiederzuentdecken. So sehr ich mich auch in den vergangenen Jahrzehnten über die Vorzüge meiner insgesamt drei digitalen Kameras gefreut habe, desto mehr weiß ich jetzt auf einmal das Fotografieren mit meiner Nikon F60 zu schätzen.
Denn ich hatte mittlerweile komplett vergessen, wie es ist, wenn man sich plötzlich über jedes einzelne Bild Gedanken macht, bevor man den Auslöser drückt, weil man ja nur 36 auf der Rolle hat und das Entwickeln Geld kostet – beziehungsweise das Scannen der Negative, ich will ja schließlich nicht komplett analog leben.
Zur Person
Fabian Scherschel, geboren in Duisburg und nun in Düsseldorf lebend, arbeitete bis 2019 als Redakteur für das Tech-Portal Heise-Online und für die Tech-Newsseite „The H“ in London. Als Freiberufler schreibt er unter anderem für das Magazin „c’t“. Mittlerweile hat der begeisterte Podcaster sein eigenes Projekt: fab.industries. Fernseh- und Radiosender schätzen ihn als Experten.
Ich finde es ziemlich interessant, dass man eine neue Perspektive auf digitale Technik bekommt, wenn man mal wieder analoge Technik einsetzt. Beim Schreiben mache ich das seit einigen Jahren routinemäßig, wenn ich zur Abwechslung Texte auf meiner Schreibmaschine tippe. Aber bei der Fotografie war mir das neu. Ich glaube, ich werde mir vornehmen, so etwas nun öfter auszuprobieren.
Ein solcher Perspektivenwechsel von Zeit zu Zeit tut ziemlich gut. Man erinnert sich daran, wie das Leben vor all dieser digitalen Technik war. Und dadurch weiß man dann auch die digitale Technik selbst wieder mehr zu schätzen.
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