Damme „Vom Kinderprinz zum Golden Bachelor“: Franz Stärk aus Damme sucht mit 73 Jahren die große Liebe
Der erste „Golden Bachelor“ kommt aus Niedersachen und heißt Franz Stärk. Im Interview erzählt er Witze auf pfälzisch, welche Werte ihm bei einer Partnerschaft im Alter wichtig sind und was er musikalisch von den Flippers hält.
„Ja hallo, ich bin der Franz“, mit diesen Worten stellt sich der erste „Golden Bachelor“ in Deutschland im Gespräch mit unserer Redaktion am Telefon vor. Der pensionierte Lehrer aus dem niedersächsischen Damme wurde von seiner Ex-Frau betrogen und hofft im Alter von 73 Jahren seine wahre Liebe zu finden – und das vor der ganzen Nation im Fernsehen.
Frage: Lieber Franz, kennst Du das Lied, „Für Liebe ist es nie zu spät“ von den Flippers?
Antwort: Ich hatte mal einen Schüler, der war absoluter Flippers-Fan. Die größte Ehre ist ihm mal zuteilgeworden, als er auf einem Konzert in den VIP-Bereich durfte. Von den Schülern wurde er damals in der Schule dafür ein bisschen hochgenommen. Aber nein, ich kenne das Lied tatsächlich nicht.
Frage: Was hältst Du von dem Titel? Bist Du der Meinung, dass es für die wahre Liebe nie zu spät ist?
Antwort: Ja, das kann ich unterschreiben. Das sehe ich so.
Frage: Was ist für Dich wahre Liebe?
Antwort: Ich glaube, Liebe wird ganz individuell definiert. Für mich ist das eine Partnerschaft, in der man sich vertraut, ehrlich miteinander ist, sich zueinander hingezogen fühlt, gut kommuniziert, Sorgen und Probleme oder Freude miteinander teilt. Und man ist traurig, wenn der andere fehlt oder nicht mehr da ist. Liebe entwickelt sich und braucht viel Aufmerksamkeit.
Frage: Das klingt sehr…
Antwort: Reflektiert?
Frage: Sachlich, hätte ich gesagt. Spricht da aus Dir die berühmt-berüchtigte Weisheit, die man im Alter dazugewinnt?
Antwort: Weiß nicht. Man achtet vielleicht auf andere Dinge als in jungen Jahren, hat auch eine ganz andere emotionale Stabilität, die in vielen Lebenssituationen hilft.
Frage: Was ist Dir persönlich wichtig bei einer Partnerschaft?
Antwort: Nach meinen persönlichen Erfahrungen ist Achtsamkeit Dir und dem Partner gegenüber von großer Wichtigkeit. Gute Kommunikation, den Humor pflegen, Umarmungen nicht vergessen und gemeinsame Unternehmungen sind ebenso wichtig. Neugierig bleiben bei offenen Augen und Ohren.
Frage: Was hat sich bei der reflektierten Liebe – so nenne ich sie jetzt mal – verändert im Vergleich zu der jugendlichen Liebe? Kann man das überhaupt unterscheiden oder ist Liebe gleich Liebe?
Antwort: In jungen Jahren verliebt und entliebt man sich schneller. Man ist draufgängerisch, will schnelle Liebesabenteuer und ist euphorischer. Liebe im Alter hat viel Lebenserfahrung im Gepäck. Sie ist verlässlicher. Außerdem hat sie eine große emotionale Stabilität, die hilft, auch bei Krisen umsichtig miteinander umzugehen.
Frage: Mit der Generation Z warst du jahrelang in der Schule umgeben. Da bekommt man die ein oder andere Liebschaft unter den Schülern mit, oder?
Antwort: Ja, ja, auf jeden Fall. Man bekommt mit, ob sich die Schüler treffen und wie schnell es da in der Liebe geht. Ich würde mich aber nicht als Experte bezeichnen. Man hat die Beziehungen hin und wieder vielleicht mal kommentiert.
Frage: Du warst Musiklehrer. Spielst Du außer der Gitarre noch weitere Instrumente?
Antwort: Ja, ich bin tatsächlich ein Multi-Instrumentalist. Ich habe mal Akkordion angefangen, dann in der Pubertät zur Gitarre gewechselt. Später kamen auch Trompete und Keyboard dazu. In meiner Schullaufbahn habe ich noch viele Fortbildungen im Musikbereich gemacht.
Franz Stärk kann nicht nur einige Instrumente spielen, sondern auch singen. Im Instagram-Video präsentiert er „Blackbird“ von den Beatles.
Frage: Hast du ein Lieblingsmusikgenre oder vielleicht sogar ein Lieblingslied?
Antwort: Eine schwierige Frage! Ich bin für Musik in jeder Hinsicht offen. Ich höre Klassik, Jazz, Pop, Hip-Hop, Rockmusik. Im Auto habe ich in letzter Zeit viel Bossa Nova aufgelegt.
Frage: Würdest du dich eher als Musiker oder als Pädagoge bezeichnen, wenn du rückblickend auf deine Karriere schaust?
Antwort: Ich bin Musikpädagoge. Ich wollte auf verschiedenen Wegen Musiker werden, aber das hat nicht funktioniert. Das habe ich dann auch schnell begriffen.
Antwort: In meinem Berufsleben habe ich grundsätzlich zwei Richtungen verfolgt. Einmal war ich Leitungsfunktionär und habe mich mit der Frage beschäftigt, was sind Gelingensbedingungen für eine gute Schule und der andere Schwerpunkt war die Weiterentwicklung des Musikunterrichts im Bereich Klassenmusizieren.
Frage: Du warst in Rheinland-Pfalz tätig und bist jetzt wieder nach Damme gezogen, oder?
Antwort: Ja, ich war in Rheinland-Pfalz an der Schule. Ich bin erst seit kurzer Zeit wieder hier in meinem Heimatort Damme. Hier bin ich groß geworden.
Frage: Was hat dich jetzt wieder nach Damme verschlagen?
Antwort: Ja, das ist eine gute Frage. Ich hatte ein langes Singleleben in Rheinland-Pfalz und habe dort alleine gewohnt.
Antwort: Irgendwann kam das Gespräch auf, ob ich nicht wieder zurück zur Familie kommen wolle. Es ist spannend, die Heimat und die Menschen hier neu kennenzulernen. Außerdem haben wir innerhalb der Familie einen großen Zusammenhalt und bei vielen Gemeinsamkeiten große Freude.
Frage: Du bist also ein Familienmensch?
Antwort: Durchaus. Und im Alter wird das nochmal wichtiger.
Frage: Sind denn die dörflichen Strukturen überall gleich oder was unterscheidet Damme und Rheinland-Pfalz?
Antwort: Ja, die sind ähnlich. (lacht) Die Leute wollen alles wissen und sind sehr neugierig, das gilt hier genauso wie der Pfalz. Die Sprachunterschiede sind natürlich witzig, aber im großen Ganzen sind die Strukturen schon ähnlich.
Frage: Ich muss lachen, weil du die Sprache angesprochen hast. Ich kenne die sprachlichen Gegebenheiten in der Pfalz ganz gut.
Antwort: Dann weißt du, wenn ein Pfälzer in eine Bäckerei geht und fragt, hunni noch a Weck?
Antwort: Weißt du, was a Weck ist?
Frage: Ein Brötchen, oder?
Antwort: Richtig. Hunni noch ein Weck? Dann sagt die Verkäuferin: „Ne, die Wecks sind all weg.“
Antwort: Und dann fragt der Kunde: „Ja, wer war denn do do?“ Darauf sagt die Verkäuferin: „Ja, all die vom Aldi und die vom C und A, a.“
Frage: Da muss man uffbasse!
Antwort: Ja, da muss man uffbasse (lacht).
Frage: Von der Pfälzer Wecke zum Dammer Karneval. Bist du nächstes Jahr beim Karnevalsumzug dabei?
Antwort: Ich weiß nicht… Also meine Geschwister sind auf jeden Fall dabei, weil mein jüngster Bruder war mal Karnevalsprinz und wenn du hier einmal Prinz gewesen bist, dann kommst du nicht mehr raus.
Antwort: Übrigens, war ich auch mal Kinderprinz, das ist ganz witzig – 1966. Tja – und jetzt bin ich der „Golden Bachelor“.
Frage: Was für ein Aufstieg.
Antwort: Vom Kinderprinz zum „Golden Bachelor“. Ja, das ist doch Wahnsinn.
Frage: Das ist der Titel unseres Interviews, würde ich sagen. Du reist ja offenbar auch gerne. Ist das auch ein Ziel neben deinen Fahrradtouren auch größere Ausflüge mit deiner zukünftigen Partnerin zu machen?
Antwort: Ja, ganz klar. Reisen bildet. Ich bin tatsächlich viel unterwegs. Zuletzt war ich etwa 6 Wochen allein auf Teneriffa. Gemeinsame Reisen bekommen auch eine andere Bedeutung, wenn es sich um eine Fernbeziehung handelt. Und auf Reisen kann man einen Partner auch ganz gut kennenlernen.
Frage: Hast Du einen Tipp an Senioren, die sich vielleicht nicht trauen, wieder zu auf Partnersuche zu gehen?
Antwort: Den „Golden Bachelor“ schauen! Das ist vielleicht nicht ganz so repräsentativ, aber eventuell muntert das ein bisschen auf. Es zeigt mir schon mal: Wenn ich mich ein bisschen zurechtmache und mal auf die Straße gehe, kann ich vielleicht noch was erreichen.
Antwort: Ganz wichtig ist auch, mit Menschen in Kontakt und im Austausch zu bleiben. Leute ansprechen – gar nicht mit dem Fokus aufs Verlieben – sondern darauf, dass man ein schönes Gefühl bekommt.