Hamburg  Welche Versicherungen jeder haben sollte – und auf welche man verzichten kann

Christopher Chirvi
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Von Christopher Chirvi
| 03.01.2025 11:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Die Verbraucherzentrale rät, Versicherungen regelmäßig zu überprüfen. Foto: dpa/iStock
Die Verbraucherzentrale rät, Versicherungen regelmäßig zu überprüfen. Foto: dpa/iStock
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Es gibt Versicherungen, die in Deutschland verpflichtend sind, andere sollte möglichst jeder haben – manche Angebote können aber auch überflüssig sein. Wir geben einen Überblick, welche das sind.

Eine Krankenversicherung ist in Deutschland für jeden Pflicht, für Autofahrer kommt mindestens die Kfz-Versicherung hinzu. Dazu gibt es Versicherungen, die nicht verpflichtend sind, aber jeder haben sollte, da es im Ernstfall ansonsten teuer werden kann. Aber es gibt auch Versicherungen, die man nicht zwingend benötigt. Ein Überblick.

Privathaftpflichtversicherung: Ohne Privathaftpflichtversicherung kann es schnell teuer werden. Schon eine unvorsichtig entsorgte Zigarettenkippe kann einen Großbrand verursachen oder ein Radfahrer kann versehentlich mit einem Fußgänger kollidieren und ihn dabei schwer verletzen.

Die Privathaftpflicht übernimmt im Versicherungsfall den Ausgleich berechtigter Schadensersatzansprüche, die durch den Versicherten verursacht worden sind, und gilt deswegen als unverzichtbar.

Allerdings benötigt nicht jeder einen eigenen Vertrag – für Ehegatten und Personen in eheähnlichen Gemeinschaften kann ein gemeinsamer Tarif ausgewählt werden. Wichtig ist lediglich, dass der Partner in der Police erwähnt ist. Beim Familientarif sind Kinder mitversichert, solange sie sich noch in der Ausbildung befinden.

Auch Katzen oder zahme Kleintiere wie Mäuse, Hamster oder Kaninchen sind in die Privathaftpflichtversicherung miteingeschlossen. Hunde- oder Pferdebesitzer dagegen sollten zusätzlich eine Tierhalterhaftpflichtversicherung abschließen. In einigen Bundesländern, unter anderem Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen, ist der Abschluss einer solchen Police für Hundebesitzer sogar Pflicht.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Wer erwerbstätig ist und seinen Lebensstandard nur dadurch aufrechterhalten kann, sollte seine Arbeitskraft deswegen mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung absichern. Die Police zahlt eine Rente, wenn man den zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, voraussichtlich dauerhaft nicht mehr ausüben kann.

Ein solcher Schutz ist allerdings – abhängig unter anderem von der Branche, in der man arbeitet – nicht unbedingt günstig.

Eine Alternative kann die Erwerbsunfähigkeitsversicherung sein – der Schutz ist aber nicht der gleiche. Während der Versicherte bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung eine monatliche Rente bekommt, sobald er maximal noch 50 Prozent seiner letzten beruflichen Tätigkeit ausüben kann, zahlt die Erwerbsunfähigkeitsversicherung erst, wenn der Versicherte weniger als drei Stunden in irgendeinem Beruf arbeiten kann. Ein Elektriker, der noch als Lkw-Fahrer arbeiten kann, könnte also keine Ansprüche geltend machen.

Eine weitere Alternative kann eine sogenannte Dread-Disease-Versicherung sein. Der Versicherte bekommt keine monatliche Rente, sondern einen vereinbarten Geldbetrag in einer Summe, wenn ein Arzt bei ihm eine vertraglich genannte schwere Krankheit wie etwa Krebs oder Schlaganfall diagnostiziert.

Hausratversicherung: Je wertvoller die eigenen Möbel und Einrichtungsgegenstände sind, desto sinnvoller ist eine Hausratversicherung. Sie zahlt nach einem Einbruch die Wiederbeschaffungskosten für gestohlene Gegenstände und übernimmt die Kosten für die Reparatur von aufgebrochenen Fenstern und Türen. Außerdem schützt die Versicherung vor Schäden durch Feuer, Sturm oder Leitungswasser.

Wer jedoch keinen wertvollen Hausrat besitzt und einen möglichen Schaden in seiner Wohnung finanziell ohne weiteres selbst stemmen kann, braucht in der Regel auch keine Hausratversicherung.

Wohngebäudeversicherung: Wer ein eigenes Haus hat, sollte auch eine Wohngebäudeversicherung abschließen. Sie zahlt, wenn das Haus zum Beispiel durch einen Brand beschädigt oder komplett zerstört wird. Außerdem kommt sie für alle Schäden auf, die durch Leitungswasser und Naturgefahren wie etwa Sturm und Hagel entstehen können.

Daneben können weitere Schäden, die etwa durch Überschwemmung, Erdrutsch, Schneedruck entstehen können, durch eine zusätzliche Elementarschadenversicherung abgedeckt werden.

Risikolebensversicherung: Die Risikolebensversicherung ist für alle von Bedeutung, die Hinterbliebene absichern müssen – etwa den Ehepartner oder die eigenen Kinder. Stirbt der Versicherte, zahlt die Versicherung die vereinbarte Summe an die Hinterbliebenen aus. Das kann etwa dabei helfen, die Restschuld einer Immobilie zu begleichen.

Pflegezusatzversicherung: Oft reicht die vorgeschriebene Pflegeversicherung im Versicherungsfall nicht aus. Deswegen kann es sinnvoll sein, eine Pflegezusatzversicherung abzuschließen, um etwa eine teure Versorgung im Pflegeheim bezahlen zu können.

Wie hoch der finanzielle Bedarf im Alter sein wird, lässt sich jedoch nur schwer vorhersagen. Für jüngere Menschen bis etwa 50 Jahre empfiehlt sich laut Verbraucherzentrale daher meist noch keine Pflegezusatzversicherung.

Allerdings sind die monatlichen Beitragszahlungen auch günstiger, je früher der Vertrag abgeschlossen wird. Und: Wenn man aber im zu hohen Alter abschließt, sind die Beiträge nicht nur hoch, es besteht das Risiko, dass man die Versicherung aufgrund möglicher Vorerkrankungen gar nicht mehr bekommt. All das gilt es laut Verbraucherzentrale zu beachten.

Auslandsreisekrankenversicherung: Für Auslandsreisende kann eine Auslandsreisekrankenversicherung sinnvoll sein. Sie übernimmt etwa die Kosten für eine Heilbehandlung im Ausland, falls die gesetzliche Krankenversicherung nicht leistet oder erstattet die Aufwendungen für einen Rücktransport.

Zu den verzichtbaren Verischerungen gehören laut Verbraucherzentrale alle Versicherungen, die nur kleine Schäden abdecken, etwa für Brillen oder Handys. In diesen Fällen ist es oft sinnvoller, das Geld für eine Neuanschaffung zur Seite legen, als Beiträge zu zahlen. Zudem sind Elektrogeräte, ebenso wie Möbel oder Fahrräder oft von der Hausratversicherung abgedeckt.

Ebenso ist eine Reisegepäckversicherung in der Regel nicht nötig, da auch das Reisegepäck durch die Hausratversicherung schon mit abgesichert sein sollte.

Eine Ausbildungsversicherung, die häufig von Eltern oder Großeltern für die Kinder abgeschlossen wird, ist teuer und unflexibel. Auch in diesem Fall sollte das Geld lieber selbst angelegt werden.

Kranken-Zusatzversicherungen sind laut Verbraucherzentrale reine Luxusversicherungen. Sie übernehmen lediglich das Honorar für eine privatärztliche Behandlung oder das Einbettzimmer im Krankenhaus.

Zudem können je nach Lebenssituation Versicherungen überflüssig werden, die man früher noch sinnvoll waren. Wer nicht mehr zur Arbeit muss etwa, braucht auch keine Berufsunfähigkeitsversicherung. Es lohnt sich generell, den Versicherungsschutz regelmäßig zu überprüfen. Das gilt insbesondere für Senioren, deren Bedürfnisse und Risiken sich mit dem Ruhestand oft verändern.

Manchmal können Versicherte auch ihre Beiträge reduzieren, indem sie sich beispielsweise bei einer bestehenden Unfallversicherung in eine andere Tarifgruppe einstufen lassen – bei unveränderter Leistung. Häufig können Senioren auch bei der privaten Haftpflicht- oder bei ihrer Rechtsschutzversicherung in eine günstigere Tarifklasse wechseln.

Und oft gibt es auch bei der Kfz-Versicherung Einsparpotenziale. Etwa wenn Versicherte dem Ende der Berufstätigkeit ihre jährlichen Fahrleistungen reduzieren oder wenn sie den Kreis der Fahrer auf eine Person beschränken.

Die Verbraucherzentrale bietet einen Bedarfscheck an, in dem individuell aufgezeigt wird, welche Versicherungen sinnvoll sein können und welche nicht nötig sind. Die Experten empfehlen, seine Versicherungen regelmäßig zu überprüfen. Durch eine Änderung der Lebensumstände, aber auch mit einer Umstellung der Zahlweise kann Geld gespart werden.

Bei einem Vergleich verschiedener Versicherungsanbieter sollte laut Verbraucherzentrale bedacht werden, dass die Portale sich in der Regel durch Werbeeinnahmen und Provisionen finanzieren. Sinnvoll ist es daher, mehrere Portale zu nutzen und die Ergebnisse miteinander zu vergleichen. Wer sich einen umfassenden Überblick über Angebote und Tarife verschaffen will, sollte außerdem weitere Quellen wie die Stiftung Warentest nutzen.

(mit dpa)

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