Knallerei  Ärzte fordern Böllerverbot – welche Gefahren drohen?

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 30.12.2024 17:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein illegaler Böller explodiert während einer Pressevorführung der Berliner Feuerwehr in der Hand einer Puppe. Symbolfoto: Soeren Stache/dpa
Ein illegaler Böller explodiert während einer Pressevorführung der Berliner Feuerwehr in der Hand einer Puppe. Symbolfoto: Soeren Stache/dpa
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Ärzte plädieren für ein Silvester ohne private Böllerei. Wer landet in der Region im Krankenhaus?

Rheiderland - Einige freuen sich das ganze Jahr darauf, an Silvester Böller und Raketen zu zünden, die Straßen des Rheiderlands waren gefüllt mit Menschen, die sich voll Vorfreude für den Tag mit Feuerwerkskörpern eindeckten. Andere sehen der Knallerei skeptisch. Dazu gehört die Ärztekammer Niedersachsen, sie plädiert für den Jahreswechsel „auf eine gesündere Art und Weise zu feiern“ als mit Böllern und Raketen. Das Feuerwerk zum Jahreswechsel habe viele negative Auswirkungen auf die Gesundheit und die Umwelt, teilte die Kammer vergangene Woche in Hannover mit. Vor allem bei der „privaten Knallerei“ komme es immer wieder zu schweren Verletzungen, gerade bei Kindern und Jugendlichen.

Dr. Knut Busching, Chefarzt der Abteilung Plastische, Hand- & Ästhetische Chirurgie wirbt regelmäßig für mehr Sicherheit im Umgang mit Feuerwerkskörpern. Foto: Borromäus Hospital Leer
Dr. Knut Busching, Chefarzt der Abteilung Plastische, Hand- & Ästhetische Chirurgie wirbt regelmäßig für mehr Sicherheit im Umgang mit Feuerwerkskörpern. Foto: Borromäus Hospital Leer

Wegen der Böllerei an Silvester und Neujahr verletzen sich jedes Jahr Menschen, teilweise schwer. „Im Borro werden tatsächlich regelmäßig Verletzte mit Böllerverletzungen behandelt. Der Notdienst ist entsprechend mit zwei Ärzten der Abteilung für Plastische und Handchirurgie ausgestattet“, sagt Dr. Knut Busching, Chefarzt der Abteilung Plastische, Hand- und Ästhetische Chirurgie beim Borromäus-Hospital. Verschiedene Verletzungen bekomme das Team zu sehen. „Sprengverletzungen an den Fingern, Verbrennungen an Händen, Armen und Beinen, teilweise auch im Gesicht mit Beteiligung der Augen. In seltenen Fällen können bei unsachgemäßer Benutzung auch Teile der Hand abgesprengt werden“, warnt der Mediziner.

So sehen viele Kofferräume aus, wenn in Bunde der Feuerwerksverkauf los geht. Foto: Buntjer/Archiv
So sehen viele Kofferräume aus, wenn in Bunde der Feuerwerksverkauf los geht. Foto: Buntjer/Archiv

Welche Altersgruppe ist besonders gefährdet?

Wen trifft es denn am häufigsten? Erst einmal denjenigen, der den Böller anzündet, sagt Busching. Leider treffe es aber auch Kinder. Der Grund sei, dass sie am Neujahrstag auf die Suche nach Blindgängern gingen „und diesen noch einmal zünden wollen.“ Aber auch entfernt stehende Menschen, die eine fehlgeleitete Rakete zum Beispiel abbekommen oder die mit Knallkörpern beworfen werden, würden in Mitleidenschaft gezogen: „Kleiderbrände können durch Feuerwerkskörper zu schweren Verbrennungen der Körperoberfläche führen“, warnt der Mediziner.

Reste vom Feste: Auf einer Straße vor einem Wohnhaus liegen abgebrannte Böller und Raketen. Symbolfoto: Pia Bayer/dpa
Reste vom Feste: Auf einer Straße vor einem Wohnhaus liegen abgebrannte Böller und Raketen. Symbolfoto: Pia Bayer/dpa

Wie kann man sicher Böllern?

Als derjenige, der die Hände wieder zusammenflicken muss, wenn etwas schief geht, hat Busching auch einige Tipps parat, wie Silvester sicher vonstatten gehen kann.

  • Nur im Freien Böller zünden
  • Kinder auf sicheren Abstand halten
  • keine Knallkörper hochwerfen oder wegwerfen
  • nur handelsüblich zugelassene Feuerwerkskörper verwenden
  • Keine Importware
    Bei Pyrotechnik muss man auf die Kennzeichnung achten. Symbolfoto: Bodo Marks/dpa
    Bei Pyrotechnik muss man auf die Kennzeichnung achten. Symbolfoto: Bodo Marks/dpa
  • Vorsicht vor Menschenansammlungen
  • Stabile Aufsteller für zum Beispiel Raketen, sodass sie nicht beim Starten umfallen können

Auch die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und die Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie (DGH) haben Tipps für ein sicheres Silvestervergnügen, „denn an keinem anderen Tag im Jahr verletzen sich so viele Menschen die Hände wie an Silvester“, teilen die Verantwortlichen mit:

  • Auf das CE-Zeichen und die BAM-Prüfnummer (Bundesamt für Materialprüfung) achten
  • Keine selbst gebastelten oder manipulierten Feuerwerkskörper verwenden. Sie sind besonders gefährlich, da sie zu früh oder viel stärker explodieren können als erwartet
  • Feuerwerkskörper verschlossen und in sicherem Abstand lagern, keinesfalls jedoch am Körper

Welche Personengruppe ist besonders gefährdet?

Bundesweite Statistiken über Böller-Verletzungen an Silvester gibt es nicht, schreiben die Gesellschaften weiter. Das Unfallkrankenhaus Berlin habe im Dezember 2023 eine Silvester-Statistik vorgelegt, in der Handchirurgen Daten aus rund zwei Jahrzehnten ausgewertet haben. Darin heißt es: 97 Prozent der Bölleropfer sind Männer, die von 2005/06 bis 2022/23 rund um den Jahreswechsel mit schwerwiegenden Handverletzungen stationär behandelt werden mussten. Insgesamt seien laut der Auswertung im genannten Zeitraum knapp 1000 Menschen mit Verletzungen durch Raketen, Böller und andere Arten von Pyrotechnik behandelt worden.

Welche Alternativen könnte es geben?

Licht- und Lasershows werden als Alternative für Knallerei gesehen. Symbolfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Licht- und Lasershows werden als Alternative für Knallerei gesehen. Symbolfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Zudem setze Feuerwerk laut Bundesumweltamt jährlich rund 2050 Tonnen Feinstaub frei, hieß es weiter von der Ärztekammer. Doch nicht nur die Luftreinheit sei durch die Silvester-Tradition gefährdet, sondern durch den Lärm, den viele Knallkörper verursachen, auch das Gehör. Deshalb dürften Böller und Raketen künftig ausschließlich durch Personen mit entsprechender Fachkunde verwendet werden, fordert die Ärztekammer. Auf diese Weise könne die Tradition in deutlich reduziertem Umfang und weniger risikoreich fortgeführt werden.

Unter anderem hat sich im Rheiderland die Gruppe „Bölleralternative“ formiert, die ebenso Ersatz für das private Böllern fordert. Ideen seien Deichleuchten, eine Lasershow oder ein Gemeinschaftsfeuerwerk, welches auf Pyrotechnik spezialisierte Firmen nach höchsten Sicherheitsstandards ausrichten.

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