Seit 75 Jahren im Kreis Leer  Fünf Wahrheiten über Landfrauen

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 24.12.2024 11:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Vorstand des Kreislandfrauenverbands Leer: (von links) Christina Broers, Wiebke Baumfalk, Marion Roeden, Angelien Wullink-Smit, Imke de Haan sowie Fachberaterin Mechthild de Boer von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Foto: Kreislandfrauen Leer
Der Vorstand des Kreislandfrauenverbands Leer: (von links) Christina Broers, Wiebke Baumfalk, Marion Roeden, Angelien Wullink-Smit, Imke de Haan sowie Fachberaterin Mechthild de Boer von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Foto: Kreislandfrauen Leer
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Der Kreisverband Leer der Landfrauen steuert auf das 75-jährige Bestehen zu. Über die Frauen, die sich dort engagieren, gibt es viele Klischees. Was davon stimmt überhaupt?

Landkreis Leer - Landfrauen – davon hat jeder schon mal gehört. Aber was ist das genau? Vereine, in denen vor allem Kuchen gebacken wird? Bäuerinnen, die sich mit Hausmitteln und Staudengarten auskennen? Die netten Frauen, die auf Festivitäten so leckere Sachen wie Waffeln oder Torte verkaufen? Nach wie vor gibt es viele Klischees über die Landfrauenvereine. Aber sind die zutreffend?

Elf Vereine bilden den Keisverband Leer, der auf sein 75-jähriges Bestehen zusteuert. Deshalb wollen wir in den nächsten Wochen die Arbeit dieser Frauen in einer Serie vorstellen. Zum Auftakt haben wir mit den Frauen des Kreisvorstands gesprochen. Sie kennen die gängigsten Vorstellungen über die Landfrauen und deren Arbeit. Das sagen sie dazu.

Landfrauen pflegen Traditionen

Natürlich ist die Arbeit der Landfrauenvereine für sich schon eine Tradition. Viele Besucher des Galliviehmarkts kennen außerdem den Stand und freuen sich auf die Waffeln, die dort gebacken werden. „Dabei machen alle gerne mit“, sagt die Kreisvorsitzende Marion Roeden. Der Verkauf von Kuchen und Waffeln sei nicht zuletzt eine Einnahmequelle für die Landfrauenarbeit.

Bei den Treffen in den einzelnen Landfrauenvereinen geht es jedoch nicht um Kaffee, Tee und Kuchen. Denn Referenten sorgen dafür, dass aktuelle Themen aus Gesellschaft, Gesundheit oder Bildung behandelt werden. Zum Erntedank überreicht der Kreisvorstand jedes Jahr eine Erntekrone an Landrat Matthias Groote. Aber dieser traditionelle Anlass werde immer genutzt, um auf die Situation und auf Probleme der Frauen auf dem Land, speziell im Landkreis Leer, hinzuweisen.

Landfrauen sind nicht unpolitisch

Das es nur um ein Freizeitprogramm geht, stimmt tatsächlich gar nicht. Denn bereits die Gründung der Landfrauenbewegung im 19. Jahrhundert, die auf Elisabet Boehm zurückgeht, hatte das Ziel, Frauen zum Zweck der ländlich-hauswirtschaftlichen und kulturellen Weiterbildung in Vereinen zu organisieren. Frauen, die oft abhängig von ihren Ehemännern waren, sollten in die Lage versetzt werden, selbstständiger zu handeln. Heute gehören gleicher Lohn für alle und bessere Bezahlung in klassischen Frauenberufen sowie eine größere Zahl von Frauen in Führungspositionen zu ihren Forderungen.

Das ist der Kreisvorstand

Dieser Text ist der Auftakt zu einer Serie anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Landfrauen im Kreis Leer, das im März gefeiert werden soll. In den nächsten Beiträgen werden wir jeweils einen Landfrauenverein vorstellen. Für diese Folge sprachen wir mit den Mitgliedern des Kreisvorstands.

Imke de Haan ist Schriftführerin. Die 33-Jährige ist seit 2019 Mitglied bei den Landwichter und im Landfrauen-Verein Jemgum.

Wiebke Baumfalk ist Beisitzerin im Kreisvorstand. Sie war zwölf Jahre lang im Vorstand des Landfrauen-Vereins Leda-Jümme. Bei den Landfrauen habe sie viel gelernt: „Ich würde sonst sicher keine Power-Point-Präsentationen machen.“ Aber sie habe auch kreative Dinge ausprobiert wie einen Silberschmiedekursus.

Angelien Wullink-Smit ist zweite Vorsitzende des Kreisverbands. Sie kam zum Landfrauen-Verein Leda-Jümme durch die Vorgängerin auf ihrem Hof. Sie empfiehlt die Landfrauen allen Zugezogenen, um dort Kontakte zu knüpfen.

Christina Broers ist Kassenführerin und bei den Landfrauen seit 2017 im Verein Neermoor. Zu den Landfrauen stieß sie, als ein Frauenkreis in ihrer Kirchengemeinde aufgelöst wurde; „Jetzt bin ich sehr froh, dass ich dabei bin.“

Marion Roeden ist Erste Vorsitzende. Sie gehörte zuvor dem Vorstand des Landfrauen-Vereins Neermoor an und war außerdem bis zum Frühjahr stellvertretende Kreisvorsitzende. Roeden war Initiatorin bei der Gründung der Landwichter.

Die Landfrauenverbände auf Bundes- und Landesebene machen sich für gleichwertige Verhältnisse in Stadt und Land stark. Sie fordern eine Verbesserung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum, wenden sich gegen Erdgasförderung mit Fracking oder formulieren Forderungen zu Wahlen. Sie rufen Frauen dazu auf, nicht nur wählen zu gehen, sondern sich für politische Ämter aufstellen zu lassen. „Wir sind unparteiisch, aber wir haben eine Meinung“, unterstreicht der Kreisvorstand Leer.

Landfrauen können Kuchen backen – und mehr

Ja, natürlich backen viele Frauen in den Vereinen sehr gerne Kuchen und essen ihn auch gerne. Ernährung ist zudem oft ein Thema auf Veranstaltungen der Landfrauen. „Aber wir brechen tatsächlich gerne mit solchen Gewohnheiten“, betont Angelika Wellink-Smit. Statt Tee und Kuchen gebe es mal ein Salatbuffett. Landfrauen in Weser-Ems betreiben aktive Bildung in Grundschulen in Sachen Ernährung. Dabei soll gezeigt werden, woher die Nahrungsmittel kommen und wie man mit ihnen gutes Essen zubereitet. Der Ernährungsführerschein ist ein Modell, wie das vermittelt wird.

Nicht alle Landfrauen sind Bauersfrauen

Die Meinung, dass Landfrau gleich Landwirtin bedeutet, halte sich zwar hartnäckig, aber treffe überhaupt nicht zu. Die Frauen vom Kreisvorstand deuten auf das Motto ihres Verbandes: „Innovativ, vielseitig, überraschend gut“ – das gelte auf ganzer Linie. Deshalb seien in den Vereinen alle Frauen vertreten, die eben auf dem Land leben. Obwohl Marion Roeden nach einem Blick in die Runde lachend zugeben muss: „Wir sind tatsächlich alle Landwirtinnen.“ Weil aber die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen ist, seien eben auch weniger Bäuerinnen in den Landfrauenvereinen. Willkommen sei jede Frau. Herkunft und Beruf spielten keine Rolle.

Landfrau sein ist keine Frage des Alters

Da sagt der Kreisvorstand klipp und klar: Ja. Viele der Vereine im Kreisverband hätten in den vergangenen Jahren neue, deutlich jüngere Vorstände gewählt. Ein Generationenwechsel habe sich dort vollzogen, häufig erfolgte dieser mit komplett neuem Personal. Noch eine Generation jünger sind die Landwichter: Dort engagieren sich Frauen unter 40 Jahren. Die Landwichter sind unabhängig von den örtlichen Vereinen, doch die meisten sind dort ebenfalls Mitglieder.

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