Köln Lutz van der Horst: Fabian Köster ist Kollege und Freund zugleich
An diesem Samstag gibt es im ZDF eines neues „heute-show-spezial“. Lutz van der Horst erklärt im Interview, warum Fabian Köster nicht nur Kollege, sondern auch Freund für ihn ist.
Als Außenreporter der „heute-show” gelten Lutz van der Horst und Fabian Köster als Politikerschrecks und Publikumslieblinge – an diesem Samstag (20 Uhr) sind die beiden mal wieder in einer Spezialausgabe zu sehen. Im Interview erzählt van der Horst von frühen Stunden auf Parteitagen, seinem Respekt vor dem 50. Geburtstag und seinem neuen Podcast mit Ilka Bessin:
Frage: Herr van der Horst, es ist zehn Uhr morgens, Sie wirken ziemlich frisch und in mir erlischt gerade die Vorstellung, dass Fernsehkomiker immer erst gegen Mittag in die Puschen kommen.
Antwort: (lacht) Ich bin eher der Frühaufsteher. In letzter Zeit wache ich oft um vier Uhr irgendwas auf und kann dann manchmal wieder einschlafen, manchmal aber auch nicht. Keine Ahnung, woran das liegt. Offenbar stehe ich unter Strom.
Frage: Und sonst? Klingelt bei Ihnen der Wecker oder lassen Sie sich vom Tag wecken?
Antwort: Das wäre schön, wenn ich mich vom Tag wecken lassen könnte. Aber nein, ich habe noch einen klassischen Wecker und stelle mir zusätzlich das Handy, wenn ich einen ganz wichtigen Termin habe. Wenn ich aber keinen Termin habe, stehe ich in der Regel gegen acht auf.
Frage: Wie ist es denn mit dem Humor – sind Sie gleich nach dem Aufstehen witzig oder müssen Sie erst mal einen Clown frühstücken?
Antwort: Nee, ich bin tatsächlich morgens am besten gelaunt und im Verlauf des Tages geht’s immer weiter runter mit der Stimmung. Nachmittags zu arbeiten ist zum Beispiel gar nichts für mich. Nachmittags ist der Tag vorbei, ich muss es morgens machen, weil dann die Energie schwindet.
Frage: Das dürfte manchmal schwierig sein, zum Beispiel, wenn Sie für die „heute-show“ auf Parteitagen sind. Da drehen Sie ja nicht morgens, oder?
Antwort: Doch, meistens fangen wir auch auf Parteitagen superfrüh an und drehen morgens. Im Idealfall sind wir schon vor der offiziellen Eröffnung da, damit wir Leute abgreifen können. Dafür müssen wir wirklich sehr, sehr früh aufstehen.
Frage: Zurück zum Clown: Waren Sie in der Schule schon der Klassenclown oder eher der stille Junge in der letzten Reihe?
Antwort: Beides in einem. Mit dem Begriff Klassenclown verbindet man ja jemanden, der laut ist – das war ich nie. Ich galt immer als der Lustige, aber nie als der extrovertiert Lustige, sondern eher als ein Vertreter des trockeneren Humors.
Frage: Haben Sie Gags auf Kosten Ihrer Lehrer gemacht?
Antwort: Ich habe immer versucht, auszuloten, welche Gags man wie machen kann, dass man dabei trotzdem charmant bleibt und der Lehrer mich versetzt. Lehrer sind ja nach den Eltern die ersten Autoritätspersonen, die man kennenlernt und mit denen man sich gut stellen muss. Da hat’s mir Spaß gemacht, charmant zu piesacken. Das habe ich auch ganz gut eingehalten. Dass ich Defizite vor allem in Mathe hatte, hing nicht mit meinem Humor zusammen.
Frage: Mathe war also nicht Ihr Lieblingsfach?
Antwort: Mathe war für mich mit das Schlimmste, was vorstellbar war. Bei Zahlen blockiert mein Gehirn total, ich kann mir nicht mal die Geburtsjahre meiner Eltern merken. Deshalb war auch Geschichte für mich immer schlimm, weil ich mir die ganzen historischen Daten nicht merken konnte. In den Neunzigern, als man sich Wunschnummern fürs Handy aussuchen konnte, habe ich mir eine Nummer geben lassen, die sich wirklich jeder merken kann. Seitdem habe ich die einfachste Nummer der Welt.
Frage: Was war denn Ihr Lieblingsfach in der Schule?
Antwort: Deutsch und Englisch. Sprachen haben mir immer schon sehr gelegen. Die beste Arbeit, die je geschrieben habe, war, als es um das Thema Gruselgeschichten ging. Dafür habe ich mir eine Eins abgeholt, da war ich sehr stolz, das hat mir viel bedeutet.
Frage: Wovon handelte die Geschichte?
Antwort: Es tut mir leid. Ich habe einfach keine Ahnung mehr, worum es in der Geschichte ging. (lacht)
Frage: Aber das war die Grundlage für Ihre spätere Leidenschaft Horrorfilme?
Antwort: Horror hat mich sehr geprägt und war schon als Kind eine große Leidenschaft von mir. Meine allererste Veröffentlichung mit zwölf Jahren war eine Geschichte auf der Kinderseite des „Kölner Stadt-Anzeigers“ mit dem Titel „Die Nacht der Killerbrötchen“. Das war eine Kurzgeschichte, ich habe sie hingeschickt und sie wurde tatsächlich veröffentlicht.
Frage: Ist Horror nicht immer auch mit Angst verbunden? Haben Sie gerne Angst?
Antwort: Ich bin eigentlich ein ängstlicher Mensch und genieße an Horror die Tatsache, dass es nicht real ist. Ich habe ein wirklich großes Archiv an Horrorfilmen – man kann die sich ansehen und Angst verspüren, ohne dass sie eine wirkliche Gefahr darstellen. Quasi eine sichere Form von Angst.
Frage: Deutsch und Englisch waren nicht nur Ihre Lieblings-, sondern später auch Ihre Studienfächer. Wollten Sie Lehrer werden?
Antwort: Um Gottes willen (lacht). Ich wusste gar nicht so recht, was ich damit machen will. Lehrer zu werden, war jedenfalls keine Option. Ich hatte Abi gemacht, bin nicht zum Bund gegangen und hab’ auch keinen Zivildienst geleistet, weil ich untauglich war. Und dann stellte sich die Frage: Was tun, wenn man einen Berufswunsch wie Komiker oder Moderator hat? Wie zur Hölle geht das jetzt weiter und vermittelt man das seinen Eltern? Ich habe dann Bürgerradio gemacht und studiert, um meine Eltern in Sicherheit zu wiegen. Dass ich mit Deutsch und Englisch in Wahrheit nichts anfangen kann, war mir eigentlich immer klar. Ich habe damals den Magister gemacht, dafür brauchte man noch ein drittes Fach, und da habe ich immer hin und her geswitcht. Erst waren es Musikwissenschaften, dann hatte ich Niederländisch und schließlich Philosophie.
Frage: Sie haben ziemlich früh Texte für alle möglichen Comedy-Formate geschrieben. Ich frag’s mal so, wie Sie vor ein paar Monaten Bodo Ramelow gefragt haben: Konnten Sie sich vorstellen, mal richtig arbeiten zu gehen?
Antwort: (lacht) Wenn jemand von außen denkt „Mensch, wann fängt der mal an, richtig zu arbeiten“, ist es doch eigentlich gut. Dann vermittelt man ja den Eindruck, man würde es alles ganz lässig machen. Und das ist eine große Kunst, von der ich hoffe, sie zu beherrschen. Dass ich anstrengende Arbeit so transportiere, als würde ich sie ganz unverkrampft machen.
Frage: Seit 2001 sind Sie auf der anderen Seite der Kamera zu sehen – also fast ein Vierteljahrhundert. Gehört man damit zu den Dinos der Branche?
Antwort: Wenn man das nach den Jahren beurteilt, würde ich schon „Ja“ sagen. Aber ich habe den Eindruck, dass ich in der Öffentlichkeit nicht als Dino wahrgenommen werde, und ich möchte das auch gar nicht. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich für mein Alter so verdammt gut aussehe.
Frage: Zumindest jünger als Sie sind.
Antwort: Die Leute sind tatsächlich immer überrascht, wenn sie hören, wie alt ich bin.
Frage: Nächstes Jahr wachsen Sie aus der Zielgruppe der 14-49-Jährigen raus.
Antwort: Das ist mir letztens auch schmerzhaft bewusst geworden. Und – das ist jetzt wirklich nicht lustig – zum ersten Mal werde ich mir meiner Sterblichkeit bewusst, was nicht so schön ist. Bisher war es mir immer egal, wie alt ich bin, aber die 50 hat schon eine andere Wucht.
Frage: Haben Sie schon Pläne, wie und wo Sie diesen Tag erleben wollen?
Antwort: Nein, ich hab’ noch keine richtige Idee. Früher habe ich jedes Jahr gefeiert, aber die letzten Jahre schon nicht mehr, weil mich die Idee schon stresst, wenn ich denke, wen lade ich denn jetzt ein, und wenn Du den einlädst, musst Du ja auch den einladen. Aber ich habe das Gefühl, mit 50 muss ich was machen, oder?
Frage: Einfach wegfahren könnte helfen. Und das Handy ausschalten.
Antwort: Einfach wegfahren werde ich an Karneval. Ich bin ja Kölner und will nächstes Jahr auf jeden Fall im Februar verreisen, weil mich Karneval nur noch stresst. Das ist oft so eine erzwungene gute Laune, viele Leute sind dann so schlagartig lustig, das finde ich schwierig. Ich finde es anstrengend, in so einer Masse von sehr lustigen Menschen zu sein, die gerade feiern, weil Karneval ist und nicht, weil sie sich danach fühlen. Mich deprimiert das eher und macht mich traurig.
Frage: Wirklich witzig fand ich ja Ihre Beschreibung durch den „Musikexpress“, der Sie als den „lustigsten Menschen mit viel Frisur im deutschen Fernsehen“ bezeichnete.
Antwort: Das fand ich auch sehr lustig. Was ich sonst öfter höre oder lese, ist „der Politikerschreck“, in der internationalen Ausgabe von Wikipedia ist sogar von „political terror“ die Rede. „Spaßvogel“ finde ich dagegen sehr altbacken, dabei muss ich immer an „Verstehen Sie Spaß?“ aus den Achtzigerjahren denken.
Frage: Nun kann man ja nicht den ganzen Tag witzig sein, und das sind Sie auch nicht. Vielmehr haben Sie das Impostor-Syndrom, was besagt, dass Sie zwar erfolgreich sind, aber immer wieder an sich selbst zweifeln.
Antwort: Leider ja. Wobei es Vor- und Nachteile hat. Wenn man sich selbst immer wieder infrage stellt, arbeitet man auch daran, dass man gut ist. Aber es frisst einen natürlich auch auf, wenn man immer wieder an sich zweifelt, obwohl man weiß: Du hast es jetzt schon so oft gemacht, das wird schon gut sein, was Du da machst. Eine Spur mehr Selbstvertrauen würde mir bestimmt guttun. Wobei: Wenn ich mich selbst im Fernsehen sehe, spüre ich das gar nicht. Vor der Kamera bin ich komischerweise nicht unsicher, warum auch immer.
Frage: Nehmen wir mal an, Sie müssen einen Text schreiben, haben wenig Zeit und keine Idee – was machen Sie?
Antwort: Mir hilft und mich inspiriert Musik generell. Ich würde mich wohl kurz aus der Realität zurückziehen, musikalisch in eine andere Welt abtauchen – in der Hoffnung, erfrischt und mit neuen Ideen in die Realität zurückzukehren. Eskapismus hilft mir sehr, manchmal muss ich mich einfach verabschieden aus dieser Welt. Musik oder auch Filme sind da gute Hilfsmittel.
Frage: Sie meditieren ja auch.
Antwort: Ja, ich muss das jetzt auch unbedingt wieder machen. Ich habe zu Hause einen großen Zettel, der mich immer daran erinnern soll, aber ich habe es leider seit Corona schleifen lassen. Dabei tut es total gut, gerade, wenn man kreativ arbeitet.
Frage: Wann und wie sind Sie dazu gekommen?
Antwort: Angefangen habe ich mit autogenem Training, das ist ja mehr so die deutsche Idee. An Meditation mag ich die spirituelle Seite und bin fasziniert von Südostasien. Zum Buddhismus fühle ich mich sehr hingezogen und bin häufiger in Thailand, war aber auch schon in Japan, Indonesien und Kambodscha. Dieses Jahr war ich gar nicht im Urlaub, und das war ein großer Fehler. Ich muss auch mal raus und kann mir das nicht nur mit Musik und Filmen geben. Wenn ich in einer komplett anderen Welt, mit komplett anderen Menschen bin, komme ich auch erfrischt und inspiriert wieder zurück und genieße die Leichtigkeit und im positiven Sinne die Kindlichkeit dieser Menschen. Gerade in Thailand haben die Menschen eine ganz andere Art, auf die Welt zu schauen, und sind nicht immer so bedeutungsschwanger, ernst und vernünftig wie bei uns. Das finde ich eher anstrengend.
Frage: Jetzt sind Sie schon seit 15 Jahren bei der „heute-show“. Wer ist damals auf die Idee gekommen, Sie als Außenreporter auf Politiker loszulassen?
Antwort: (lacht) Ich hätte niemals gedacht, dass ich mich dahin entwickeln würde, der „Politikerschreck“ zu werden, weil ich eigentlich nur durchschnittlich politisch interessiert war und immer Unterhaltung oder Comedy machen wollte. Damals, ich war nicht mehr bei „TV Total“, gab es dann die „heute-show“ mit ihren Einspielern, und da wollte ich dabeisein. Ich habe ein Showreel an die Redaktion geschickt, durfte ein Bewerbungsvideo drehen und das wurde dann auch direkt gesendet. Da hatte ich in der Fußgängerzone Passanten für den Afghanistan-Krieg rekrutiert.
Frage: Haben Sie die Parteitage gezählt, auf denen Sie seitdem waren?
Antwort: Nein, aber das waren sicher Dutzende.
Frage: Und sind Sie schon mal irgendwo rausgeflogen – außer bei der AfD, die Sie nicht reingelassen hat?
Antwort: Ich bin erst einmal wirklich rausgeflogen, das ist schon lange her und war auch kein Parteitag, sondern ein offener Tag der Bundeswehr. Da hatte ich es wohl zu weit getrieben und wurde dann höflich gebeten, den Ort mal wieder zu verlassen.
Frage: Aber auf Parteitagen lässt man Sie – bis auf die AfD – immer rein, und auch im Bundestag?
Antwort: Ja, und das ist ja auch das Tolle an diesem Land, dass so etwas möglich ist. Dass Politiker einverstanden sind, dass man Ihnen so nahe kommt, und sich diese etwas anderen Fragen stellen zu lassen. Ich weiß nicht, in welchem Land das sonst noch möglich wäre.
Frage: Mittlerweile hat man den Eindruck, dass immer mehr Politiker so eine Art „heute-show“-Training absolvieren, um auf die Begegnungen mit Ihnen und Fabian Köster einigermaßen vorbereitet zu sein.
Antwort: Es gibt auf jeden Fall heute mehr Politiker, die Lust haben, mit uns zu reden, sogar auf uns zukommen und eine gewisse Freude daran haben, sich den Fragen zu stellen.
Frage: Ich nenne mal drei Namen: Bei Karl Lauterbach, Markus Söder und Philipp Amthor habe ich den Eindruck, die würden am liebsten im Abspann der „heute-show“ erwähnt.
Antwort: Die sind natürlich sehr, sehr dankbar, weil sie ja auch liefern. Das sind Politiker, die auch gerne Gags machen. Und für uns ist es natürlich gut, wenn wir nicht nur eine lustige Frage stellen, sondern da auch was zurückkommt und es bestenfalls einen Schlagabtausch gibt. Die drei haben mittlerweile richtig Spaß daran.
Frage: Gibt es jemanden, der Ihnen bislang immer erfolgreich entwischt ist?
Antwort: Ja, Friedrich Merz.
Frage: Der wurde ja mal von seiner Frau vor Ihnen beschützt, die dazwischengegangen ist.
Antwort: Das hat uns alle sehr überrascht und ich wusste im ersten Moment auch überhaupt nicht, wer die Frau ist. Als sie auf uns zukam, dachte ich erst, es sei vielleicht die Pressesprecherin, habe das gar nicht begriffen und mich auch sehr erschrocken. Als ich es dann begriffen hatte, war ich natürlich dankbar, denn diese Szene ging ja wirklich durch alle Medien. In den ganzen 15 Jahren ist es mir noch nie passiert, dass eine Szene so sehr in der Medienlandschaft besprochen wurde.
Frage: In wenigen Tagen ist Silvester, lassen Sie uns mal eine fiktive kleine Party zusammenstellen – mit Fabian Köster und drei oder vier Politikern. Wen laden Sie ein?
Antwort: Auf keinen Fall, dann feiere ich lieber allein mit Fabian. Der würde mir dann reichen.
Frage: Dabei ist er ja ziemlich genau 20 Jahre jünger als Sie, theoretisch könnten Sie sein Vater sein.
Antwort: Das ist aber kein Vater-Sohn-Verhältnis, sondern wir sind ja auch privat befreundet und waren letztens noch zusammen trinken. Das fühlt sich wirklich nicht an wie 20 Jahre Unterschied. Die Tatsache, dass ich sein Vater sein könnte, kommt mir völlig absurd und ganz weit weg vor, ich fühle mich mit ihm auf einer Ebene. Aber ich bin für mein Alter auch noch sehr kindlich und er ist eben sehr erwachsen.
Frage: Die „heute-show“ ist ja längst nicht Ihr einziges Betätigungsfeld – seit einiger Zeit haben Sie auch den Podcast „Uns fragt ja keiner“ mit Ilka Bessin.
Antwort: Das für mich so ein bisschen Ausgleich. Wir reden gefühlt über alles – außer Politik. Das fühlt sich richtig gut an, wie eine Oase, in der all dieses Schreckliche um mich herum nicht stattfindet und man über alles andere reden kann.