Osnabrück Geschenke, Geschenke! Warum gerade Schwiegereltern zu Weihnachten alles richtig machen
Wer schenkt zu Weihnachten am besten? Geschenk ist nicht gleich Geschenk. Viele Gaben sorgen für Unzufriedenheit. Aber was steckt eigentlich hinter dieser Enttäuschung?
Weihnachten kommen die Schwiegereltern. Schon die Ankündigung sorgt bei vielen für lange Gesichter oder mehr oder weniger geistvolle Witzeleien. Aber Achtung: Gerade die Schwiegereltern verdienen freundlichen Empfang. Und sei es nur aus schnödem, weil eigennützigem Grund: Sie schenken einfach am besten.
Wenn es nach einer Meinungsumfrage des Instituts YouGov geht, dann verhält es sich so. Die Meinungsforscher fragten Beschenkte, wie oft sie im vergangenen Jahr mit einem Geschenk unzufrieden waren. Neun Prozent gaben den Schwiegereltern diese schlechte Note. Die schnitten mit diesem Wert allerdings am besten ab.
Ja, die Wahrheit ist bitter, so kurz vor dem Fest: Eigene Eltern oder Partner landeten mit 16 Prozent schlechter im Ranking. Freunde fuhren gar 18 Prozent Missbilligung ein. Nur Großeltern machen es offenbar richtig gut. Sie kamen auf neun Prozent wie die bestplatzierten Schwiegereltern.
Wer will das alles wissen? Ich finde diese Ergebnisse aufschlussreich, weil sie auf das hinweisen, was mit jeder Gabe eigentlich verschenkt wird: Beziehung und Aufmerksamkeit. Sie sind wichtiger als das Parfüm oder der Pullover, die Schokolade oder das gute Buch.
Denn ein Geschenk setzt ein soziales Signal. Es gibt Auskunft über die Qualität einer Beziehung. Wie genau nehmen wir eine Person wahr? Was wissen wir über ihre Vorlieben und Bedürfnisse?
Der Gutschein ist der Klassiker unter jenen Geschenken, die vor allem eines sagen: Da hat sich jemand über die beschenkte Person kaum Gedanken gemacht. Ein Geschenk sollte Verbundenheit signalisieren. Dafür muss es nicht einmal teuer sein.
Ich finde diese Konsumumfrage deshalb interessant, weil sie zeigt, wie oft dieses Vorhaben misslingt. Das gilt auch für die Art der Geschenke. 27 Prozent der Beschenkten zeigten sich bei Süßigkeiten und Feinkost unzufrieden, immerhin 25 Prozent bei Bekleidung. Socken und Krawatten liegen eben nur in einem Wettbewerb vorn – dem der Geschenke aus Verlegenheit.
Preis oder Nutzwert eines Geschenks spielen keine Rolle, wenn kein Signal wirklicher Verbundenheit ankommt. Diese Frage ist durchaus komplex. Soziologen machen sich seit hundert Jahren Gedanken darüber, wie Geschenke, wie Gaben überhaupt soziale Bande etablieren und festigen helfen. In dem Buch „Die Gabe“ von Marcel Mauss lässt sich nachlesen, wie Indigene ihre Sozialbeziehungen über Geschenke organisieren. Hierzulande funktioniert das bei genauem Hinsehen keinen Deut anders.
Das Geschenk als soziales Experiment: So wird aus weihnachtlicher Geschenkroutine ein Thema. Schön wird das weihnachtliche Leben ohnehin erst dann, wenn man schenkt, was nirgends zu kaufen ist: Zeit zum Beispiel oder echte Aufmerksamkeit füreinander.
Ich finde, dass diese Umfrage auch zeigt, wie schön gepolstert unser Leben trotz aller Unzufriedenheit doch ist. Ich denke an Erzählungen meiner Großeltern, die zu Weihnachten vielleicht ein Holzspielzeug erhielten oder sich über eine Orange freuten. Und da machen wir uns heute Gedanken darüber, wer mit welchem Geschenk warum nicht ganz glücklich ist. Solche Unzufriedenheit muss man sich auch erst einmal leisten können. Frohes Fest.