„Bauer sucht Frau“  Zwischen Milchkuh und Emu – ein Besuch bei Bauer Heino

Susanne Ullrich
|
Von Susanne Ullrich
| 19.12.2024 18:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Emu Hüdibert frisst Bauer Heino aus der Hand. Auf seinem Hof hat der neben sechs Emus auch drei Esel, drei Schwäne und zwei Ziegen. Foto: Ortgies
Emu Hüdibert frisst Bauer Heino aus der Hand. Auf seinem Hof hat der neben sechs Emus auch drei Esel, drei Schwäne und zwei Ziegen. Foto: Ortgies
Artikel teilen:

Bauer Heino ist derzeit einer der Sympathieträger bei „Bauer sucht Frau“. Sein Milchviehbetrieb ist fast schon ein Streichelzoo. Der Wilhelmshavener spricht über seine Tiere, die Liebe – und Krebs.

Wilhelmshaven - Wenn er mit seinem Futtereimer über den Hof kommt, gibt es kein Halten mehr: Emu Hüdibert macht zur Not einen langen Hals, um an die leckeren Körner zu kommen. Wie auch sein Besitzer, Bauer Heino, ist der Ausbrechervogel durch das RTL-Format „Bauer sucht Frau“ deutschlandweit bekannt geworden. Der 50 Jahre alte Landwirt mit einem Hof im Umkreis von Wilhelmshaven sucht vor laufenden Fernsehkameras die Liebe. Sein Emu hingegen sucht in einer Episode das Weite. Bei dem Besuch dieser Zeitung aber sind alle sechs Emus sicher in ihrem Gehege. Der Zaun hält. Während Hüdibert entspannt frisst, laufen vier Junghennen aufgeregt umher.

Alles andere als kamerascheu: Die kleine Ziege zog im Sommer vor laufenden Fernsehkameras ein. Foto: Ortgies
Alles andere als kamerascheu: Die kleine Ziege zog im Sommer vor laufenden Fernsehkameras ein. Foto: Ortgies

Auf diesem Milchviehbetrieb regiert die Vielfalt. Mit seinen zahlreichen Tieren und lockeren Sprüchen hat Bauer Heino die Sympathie vieler Fernsehzuschauer gewonnen. Beim Scheunenfest hatte sich Heino für den 40 Jahre alten Tierbestatter Markus aus dem Raum Herford entschieden und ihn zur Hofwoche mitgenommen. Die ging in der zurückliegenden Folge zu Ende. Am Montag, 23. Dezember 2024, zeigt RTL um 20.15 Uhr in der abschließenden Episode, ob aus den Männern nach dem Ende der Dreharbeiten ein Paar wurde. Das bleibt vorerst geheim. Millionen Menschen fiebern vor den Fernsehern mit. Wohin auch immer Bauer Heino momentan geht – er wird erkannt und angesprochen. Was auch absolut okay für ihn sei, solange es respektvoll passiert: „Ich bin ein kontaktfreudiger Mensch.“ Bauer Heino ist authentisch und das kommt bei vielen gut an: „Bei mir sagen alle: Du bist im Fernsehen genau so, wie du wirklich bist.“

Eselin Gisela holt sich eine Möhre beim Bauern ab. Von weiter hinten schaut eine neugierige Kuh herüber. Foto: Ortgies
Eselin Gisela holt sich eine Möhre beim Bauern ab. Von weiter hinten schaut eine neugierige Kuh herüber. Foto: Ortgies

Tierische Vielfalt

Das berichtet er bei einer Tasse Kaffee in der Küche seines alten Bauernhauses. Heino führt den Betrieb seit 2005 in dritter Generation. „Im Dorf kennt mich jeder“, meint er. „Ich kann ganz entspannt einkaufen.“ Weiter weg sieht das schon anders aus, erzählt er lachend. Aber wenn er jemanden mit einem Selfie glücklich machen könne, mache er das auch. Dass er vor Fernsehkameras den Mann fürs Leben sucht, ist für die meisten kein Thema. „Wenn man ganz offen damit umgeht, bietet man auch keine Angriffsfläche“, stellt er klar. Der Landwirt lebt allein auf dem großen Hof. Im Alter von 26 Jahren hat er sich vor seiner Familie geoutet, erinnert er sich. Als es mit seinem ersten Partner ernst wurde, habe er die Karten offen auf den Tisch gelegt. Dass er sich zu Männern hingezogen fühlt, merkte er demnach erst spät, etwa mit 23. „Meine Eltern haben relativ gut reagiert.“ Seine Mama habe gebügelt – das war‘s schon in Sachen Reaktion. Der Papa hatte offenbar die Hoffnung, sein Sohn durchlebe nur eine Phase. „Geht das auch wieder weg?“, habe er Freunde gefragt, erinnert der 50-Jährige sich lachend. Beide sind mittlerweile verstorben.

Gänse, Enten und Hühner gab es auf dem landwirtschaftlichen Betrieb schon immer. Federvieh wie Puten, Truthahn und Pfauen schaffte Bauer Heino an. Foto: Ortgies
Gänse, Enten und Hühner gab es auf dem landwirtschaftlichen Betrieb schon immer. Federvieh wie Puten, Truthahn und Pfauen schaffte Bauer Heino an. Foto: Ortgies

2021 ging Heinos langjährige Beziehung zu Ende. 2022 bewarb er sich bei „Bauer sucht Frau“. Damals klappte es nicht – ein Jahr später aber kam dann die Zusage. Langeweile hat er dank seiner mehr als 200 Tiere nie: Die Hunde Bruno und Paul weichen ihm kaum von der Seite. Während Bruno sich ein Schläfchen gönnt, wirft Heino während des Gesprächs wieder und wieder ein Spielzeug für Paul. Der agile kleine Vierbeiner könne das stundenlang, verrät der Hausherr. Rund ums Haus tummelt sich eine tierische Vielfalt, die man so auf kaum einem anderen Bauernhof der Region findet: Katzen, Truthahn und Puten, Hühner, Enten, Gänse, Pfauen dazu drei Schwäne, die die Fernsehzuschauer noch nicht kennen: „Die Schwäne sind nach der Hofwoche gekommen.“

Ein wilder Haufen: Insgesamt sechs Emus hält Bauer Heino auf seinem Hof. Die Vögel sind flinke Läufer und rasen nur so durch ihr Gehege. Foto: Ortgies
Ein wilder Haufen: Insgesamt sechs Emus hält Bauer Heino auf seinem Hof. Die Vögel sind flinke Läufer und rasen nur so durch ihr Gehege. Foto: Ortgies

Überraschende Krebsdiagnose

Bauer Heino erinnert sich: „Enten, Hühner und Gänse gab es hier schon immer.“ Die tierische Expansion begann offenbar vor rund zwölf Jahren mit einem ersten Pfau. Im Laufe der Jahre seien immer mehr Tiere hinzugekommen. Schweine haben ebenfalls Tradition im Familienbetrieb. Ziegen und Esel hat sich Heino auf den Hof geholt. Letztere, Gisela und Klaus, haben im September mit Friederike einen kuscheligen Nachwuchs bekommen. In Bezug auf seine tierischen Mitbewohner hat er eine klare Regel: „Alles, was einen Namen hat, wird nicht gegessen.“ Eigentlich aber geben auf Heinos Hof die Kühe den Ton an: Etwa 95 Milchkühe, dazu Jungrinder, hält der Wilhelmshavener. Die Tiere halten ihn auf Trab. Ein Angestellter hilft ihm dabei, allen gerecht zu werden. Heinos Tag beginnt früh. Um 6 Uhr morgens ist der schon mit dem Melken beschäftigt. Anschließend füttert er seine Tiere. „Ich erledige das gern gleich – man weiß ja nie, was der Tag noch bringt.“ Dann erst gönnt sich Heino sein Frühstück.

Der kleine Esel Friederike war im September eine freudige Überraschung für den Landwirt. Klaus (rechts) und Gisela bekamen ein Fohlen. Foto: Ortgies
Der kleine Esel Friederike war im September eine freudige Überraschung für den Landwirt. Klaus (rechts) und Gisela bekamen ein Fohlen. Foto: Ortgies

Früher waren es 150 Milchkühe auf dem Hof, erinnert er sich. Im Jahr 2018 aber kam die Wende: Er bekam eine Krebsdiagnose. Heino hatte eine bösartige Lymphknotengeschwulst an der Niere. „Ein aggressiver, schnell wachsender Krebs. Das wurde durch Zufall entdeckt.“ Es folgten Monate, die von Krankenhausaufenthalten, Chemotherapie, Bestrahlung und Reha geprägt waren. Insgesamt drei Reha-Besuche waren es zwischen 2019 und 2023. Wichtige Erfahrungen für den lebenslustigen Landwirt, dessen Welt plötzlich Kopf stand. Dort fand er Menschen, die in der gleichen Situation steckten wie er. „Einfach ins Gespräch zu kommen und reden zu können“, das sei damals eine wertvolle Erfahrung gewesen.

Der Krebs hat ihn entschleunigt

Nicht alle dieser Personen haben es geschafft, erzählt er traurig. Heino aber gilt mittlerweile als geheilt. Doch es habe seine Zeit gedauert. Er sei oft körperlich nicht so belastbar gewesen, wie er es vorher war. „So eine Chemo fährt dich ja auf null. Du bist nicht gleich wieder auf 100 Prozent – vielleicht bist du da nie wieder.“ Heute habe er gelernt, die Warnsignale seines Körpers ernst zu nehmen. „Ich nehme mir auch Auszeiten.“ Und doch sagt er: „Ich bin froh, es gehabt zu haben. Es hat mich entschleunigt.“ Er sei fokussierter aufs Wesentliche. „Ich kann auch besser weniger – aber gut“, sagt er über seine Arbeit – und sein privates Umfeld.

Die Enten fressen einträchtig nebeneinander. Foto: Ortgies
Die Enten fressen einträchtig nebeneinander. Foto: Ortgies

Eines haben ihn diese Erfahrungen gelehrt: „Egal, was ich mache: Ich mach‘s für mich.“ Bauer Heino feiert das Leben und blickt positiv in die Zukunft – denn er hat erlebt, dass es jederzeit vorbei sein kann. Gerade ist er mächtig in Adventsstimmung. „Ich bin Weihnachtsmensch durch und durch“, verrät er. Der festlich geschmückte Baum steht, dazu Deko. Weihnachten verbringt er ganz traditionell im Kreise seiner Lieben – bei Kartoffelsalat und Würstchen.

Ähnliche Artikel