Berlin  Arbeiten im Fast-Food-Restaurant: Wie viel Geld verdient man bei McDonald‘s?

Hannah Petersohn
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Von Hannah Petersohn
| 17.12.2024 11:24 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Gewerkschaft fordert höhere Löhne für Angestellte in der Gastronomie, also auch bei McDonald’s. Tatsächlich verdienen Mitarbeiter, die bei der Fast-Food-Kette einsteigen, aktuell zum Teil knapp über dem Mindestlohn. Foto: IMAGO / Michael Gstettenbauer
Die Gewerkschaft fordert höhere Löhne für Angestellte in der Gastronomie, also auch bei McDonald’s. Tatsächlich verdienen Mitarbeiter, die bei der Fast-Food-Kette einsteigen, aktuell zum Teil knapp über dem Mindestlohn. Foto: IMAGO / Michael Gstettenbauer
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Warnstreiks bei McDonald's drohen – die Gewerkschaft fordert kräftige Lohnerhöhungen für die Fast-Food-Angestellten. Doch was verdient ein McDonald's-Mitarbeiter tatsächlich? Ein Überblick über die aktuelle Gehaltssituation, Aufstiegschancen und Zusatzleistungen bei Deutschlands größter Fast-Food-Kette.

McDonald’s ist Deutschlands größte sogenannte Systemgastronomie-Kette. Und ausgerechnet ihr könnten zur Adventszeit Warnstreiks drohen: Nach dem Abbruch der Tarifverhandlungen hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit Arbeitsniederlegung gedroht. 

Die Gewerkschaft fordert einen Einstiegslohn von 15 Euro. Außerdem sollen die bundesweit rund 120.000 Beschäftigte der Gastro-Branche ab Tarifgruppe zwei pro Monat 500 Euro mehr erhalten. Für jene, die Gewerkschaftsmitglieder sind, wird zudem eine Einmalzahlung von 500 Euro gefordert. 

Was man wissen muss: Fast-Food-Ketten haben zunehmend Probleme, Nachwuchs zu finden. Der Grund dafür, vermutet ein Tarifpolitik-Experte, könnten die niedrigen Löhne sein. Aber wie viel verdienen die rund 66.000 McDonald‘s-Mitarbeiter derzeit überhaupt?

Bisher führt das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 1.430 Restaurants, deren Zahl in den kommenden Jahren um etwa 500 erhöht werden soll. Insgesamt rund 200 Franchise-Nehmer gibt es, die 94 Prozent aller Restaurants selbstständig betreiben und „in Personalfragen zu großen Teilen autark agieren“. Aber: „McDonald’s Deutschland und alle seine Franchise-Nehmer:innen sind Mitglied des Bundesverbands der Systemgastronomie.“ Das heißt, sie halten sich an die geltenden Tarifverträge, die über den Manteltarifvertrag und den Entgelttarifvertrag für die Systemgastronomie geregelt sind.

Mark Baumeister, Verhandlungsführer der Gewerkschaft NGG, bemängelt Einkommen, die „knapp über dem gesetzlichen Mindestlohn“ lägen. Mit Blick auf den Tarifvertrag erklärt das Unternehmen vorweg: Es falle sicher schnell auf, „dass die Stundensätze in den Tabellen teilweise geringer als der gesetzliche Mindestlohn ausfallen.“

Man habe sich diesbezüglich in der Vergangenheit jedoch mit den Tarifparteien einigen können. Demnach gebe es im Falle der Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns „einen automatischen Abstand in Höhe von 20 Cent“.

Soll heißen: Wer bei McDonald’s anfängt, also Einsteiger bis Entgeltstufe 4, würde auf den gesetzlichen Mindestlohn von aktuell 12,41 Euro theoretisch 20 Cent mehr bekommen, also 12,61 Euro. Alle Angaben beziehen sich auf eine Vollzeittätigkeit, die laut Manteltarifvertrag 39 Stunden pro Woche beziehungsweise 169 Stunden im Monat umfasst.

„Aktuell starten Einsteiger jedoch aufgrund eines übertariflichen Zuschlags mit mindestens 12,71 Euro“, erklärt McDonald’s. Das wären 2.147,99 Euro monatlich brutto.

Allerdings soll ab 1. Januar die unterste Lohngrenze, also der Mindestlohn, auf 12,82 Euro steigen. Weil das Unternehmen seiner Regelung treu bleiben werde, so das Unternehmen, wird der Stundenlohn dann bei 13,12 Euro beziehungsweise 2.217,28 Euro monatlich liegen.

Wer einen Aufstieg beim Schnellrestaurant plant, muss sich laut offizieller Leitlinie mindestens ein Jahr gedulden. „In der Realität kann es allerdings deutlich schneller zur Beförderung kommen“, so McDonald‘s auf Nachfrage.

Wer von der sogenannten Crew-Ebene in die Management-Ebene aufsteigen will, könne sich als Crew Chief zur Schichtleitung/Shiftleader ausbilden lassen. In dieser etwa sechsmonatigen Ausbildungszeit werde dabei das Gehalt der Tarifgruppe 5, das aktuell bei 2.596 Euro brutto (15,36 Euro pro Stunde) liegt, bezahlt.

Als Fachmann/-frau für Systemgastronomie werde man in der Ausbildung zum Shiftleader qualifiziert und steigt nach erfolgreichem Abschluss ebenfalls in der Tarifgruppe 5 ein. Diese Möglichkeit besteht auch für die Fachkraft für Gastronomie mit einem Aufbaujahr. 

Die oberste Tarifgruppe, die im Restaurantgeschäft erreicht werden kann, sei letztlich die Tarifgruppe 11. Diese Gehaltsstufe ist für Restaurantleiter, deren Verantwortungsbereich deutlich erweitert ist und für Führungskräfte oberhalb der Restaurantleiterebene vorgesehen. Hier verdienen Angestellte derzeit 4.132 Euro brutto monatlich und 24,45 Euro pro Stunde.

Auszubildende steigen laut gültigem Tarifvertrag im ersten Jahr mit 983 Euro brutto ein, im zweiten Jahr sind es 1.098 Euro und im dritten Jahr 1.226 Euro Monatsbrutto. 

Dual-Studierende starten nach 3 Jahren als Assistenz des Restaurant-Managers und damit in der Tarifgruppe 6, also bei 17,09 Euro brutto die Stunde beziehungsweise mit 2.888 Euro brutto im Monat. 

Sonntagsarbeit ist laut Manteltarifvertrag nicht zuschlagspflichtig. An Feiertagen hingegen gibt es einen Zuschlag von 100 Prozent des Bruttostundenentgeltes. Davon profitieren allerdings nicht Aushilfen, die extra wegen der Mehrarbeit an Feiertagen eingestellt werden.

Wer zwischen 23 Uhr abends und 6 Uhr morgens arbeitet, kann mit einem Zuschlag von 15 Prozent des Bruttostundenentgelts rechnen.

Die Anzahl der Urlaubstage ist tariflich festgelegt und ist nach Jahren der Betriebszugehörigkeit gestaffelt: Im ersten und zweiten Jahr gibt es lediglich 25 Urlaubstage, im siebten Jahr sind es 30 Urlaubstage. Wer nach der Ausbildung im Betrieb bleibt, dessen Jahre werden angerechnet, damit sind es dann bereits 27 Urlaubstage.

Tarifvertraglich ist sogar ein Urlaubsgeld vorgesehen: Im Juli bekommen Mitarbeiter ebenfalls in Abhängigkeit zur Betriebszugehörigkeit zwischen 415 Euro und 568 Euro.

Laut Tarifvertrag erhalten Beschäftigte sogar zusätzlich eine Jahressonderzuwendung: Die Höhe beträgt ebenfalls nach Jahren der Betriebszugehörigkeit zwischen 415 Euro und 568 Euro und wird im November eines Jahres ausgezahlt.

Wer heiratet, silberne oder goldene Hochzeit feiert, gerade ein Kind bekommen hat, umzieht, einen nahen Angehörigen verliert oder zu einer Beerdigung gehen muss, bekommt zwei Arbeitstage zusätzlich frei.

McDonald’s gewähre seinen Mitarbeitern zudem Fahrtkostenzuschüsse beziehungsweise Mobilitätszulagen, so das Unternehmen. 

Restaurant-Manager, die mehrere Filialen betreuen, erhalten finanzielle Zulagen. Für besonders gute Umsätze kann es nach einem Geschäftsjahr einen Bonus geben.

„Wie bei allen anderen Gehältern können zusätzliche Zahlungen hinzukommen. Diese fallen sehr unterschiedlich aus und sind teilweise sogar geografisch bedacht“, erklärt McDonald’s auf Nachfrage. So liege in Münchener Filialen der Ortszuschlag bei circa 154 Euro.

Mitarbeiter in den unternehmenseigenen Restaurants oder in der Verwaltung erhalten je nach Level weitere Zusatzleistungen. Dazu gehören ein Fahrradleasing oder auch das Angebot einer Auszeit von der Arbeit (Sabbatical).

Alle Mitarbeiter haben gemäß den gesetzlichen Vorgaben die Möglichkeit eine betriebliche Altersvorsorge z.B. im Rahmen einer Entgeltumwandlung. „Die Restaurantleitungen in unseren unternehmenseigenen Restaurants haben zusätzlich die Möglichkeit ein Lebensarbeitszeitkonto aufzubauen und erhalten eine Risiko-Todesfall- und Unfallinvaliditätsversicherung“, so das Unternehmen.

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