Hamburg  Strompreise explodieren: Was die Dunkelflaute damit zu tun hat

Mark Otten, Marlene Schwäbisch
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Von Mark Otten, Marlene Schwäbisch
| 13.12.2024 16:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die Dunkelflaute lässt die Strompreise in Deutschland in die Höhe schießen. Foto: dpa | Uli Deck
Die Dunkelflaute lässt die Strompreise in Deutschland in die Höhe schießen. Foto: dpa | Uli Deck
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Energie aus Sonne und Wind sind umweltfreundlich – doch bei Flaute und Dunkelheit steigen die Strompreise. Warum die sogenannte Dunkelflaute die Strompreise aktuell explodieren lässt.

Der Börsenstrompreis ist am 12. Dezember auf einen neuen Höchstwert seit Beginn der Energiekrise geschossen: Statt 60 bis 80 Euro pro Megawattstunde stieg der Preis auf dem sogenannten „Day-Ahead“-Markt auf mehr 936 Euro pro Megawattstunde.

Der Auslöser: die sogenannte Dunkelflaute. Davon ist die Rede, wenn kein Wind weht, um Windkraftwerke anzutreiben, und Dunkelheit dafür sorgt, dass Solaranlagen kaum Energie liefern – während der Strombedarf jedoch saisonal hoch ist. Denn bei sinkenden Temperaturen steigt der Strombedarf.

Die Dunkelflaute trifft Deutschland hart, da im Frühjahr 2024 weitere Braun- und Steinkohlekraftwerke stillgelegt wurden. 2023 sind die letzten Atomkraftwerke vom Netz gegangen.

Das Bundeswirtschaftsministerium teilte am Freitagnachmittag auf der Plattform X mit, dass die Versorgungssicherheit gewährleistet sei. Zusätzliche Reserven ständen bereit und könnten bei Bedarf aktiviert werden. Zudem seien die Strom-Großhandelspreise wieder deutlich gesunken.

Die schwedische Energieministerin Ebba Busch hatte sich zuvor in einem Interview über die deutsche Energiepolitik aufgeregt. „Ich bin sauer auf die Deutschen“, sagte sie „Aftonbladet“ mit Blick auf den deutschen Atomausstieg. Die deutsche Abhängigkeit von erneuerbaren Energien hätte nun auch in Schweden zu erhöhten Strompreisen geführt.

Das Ministerium kontert Busch auf X: „In manchen Zeiten des Jahres profitiert Schweden von unseren Windkraft-Kapazitäten und bezieht günstigen deutschen EE Strom. In Zeiten von wenig Wind importieren wir Strom aus Schweden, der dort aus Wasserkraft mit großen Speicherseen erzeugt wird. So funktioniert der Stromhandel.“

Große Preisschwankungen treffen vor allem Industriebetriebe und Großkunden, die Strom kurzfristig einkaufen und unter solchen Bedingungen nicht kostendeckend arbeiten können. Privatkunden, die ein- oder mehrjährige Verträge mit einem Versorgen abgeschlossen haben, bekommen von diesen Schwankungen in der Regel nichts mit. Energieversorgen beschaffen den Großteil ihres Stroms langfristig, weshalb kurzfristige Spitzen an der Strombörse kaum Auswirkungen hätten, erklärt Lundquist Neubauer, Experte für Strom und Gas vom Vergleichsportal „verivox.de“ der Frankfurter Rundschau. Zudem seinen Verbraucher durch Vertragslaufzeit und Preisgarantien sowieso vor Preiserhöhungen geschützt.

Anders ist es für Verbraucher mit dynamischen Stromtarifen. Diese bekämen die Preissteigerungen direkt zu spüren, dynamische Tarife würden die Börsenpreise exakt wiedergeben, sagt Neubauer.

Die Verbraucherzentrale warnt im Zusammenhang mit dynamischen Stromtarifen, dass Kunden das Risiko für schwankende Strompreise selbst tragen. Für normale Haushaltsstromkunden seien die Tarife daher nicht empfehlenswert. Aufgrund der Dunkelflaute ist der Strom für Kunden eines solches Tarifs derzeit teurer.

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