Neuer Platz für Hunde?  Aus der Freilauffläche am Wasser in Wiesmoor wird nichts

Nicole Böning
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Von Nicole Böning
| 13.12.2024 17:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Diedrich Kleen im Mai 2023 an der damals vom Netzbetreiber Avacon für einen Hochspannungsmast gerodeten Bereich am Ottermeer. Hier sollte die Freilauffläche entstehen – jetzt kam eine Absage wegen schutzwürdiger Biotope. Foto: Archiv/Cordsen
Diedrich Kleen im Mai 2023 an der damals vom Netzbetreiber Avacon für einen Hochspannungsmast gerodeten Bereich am Ottermeer. Hier sollte die Freilauffläche entstehen – jetzt kam eine Absage wegen schutzwürdiger Biotope. Foto: Archiv/Cordsen
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Seit Jahren kämpfen Hundehalter in Wiesmoor für einen öffentlichen Platz ohne Leinenzwang. Zuletzt sah es so aus, als sei endlich einer gefunden. Doch jetzt kam die Absage von der Stadt.

Wiesmoor - Als der 2. Vorsitzende des Vereins „Freie Pfoten Wiesmoor“ am Ende der Ratssitzung am Donnerstag, 12. Dezember 2024, ans Mikrofon tritt, ist die Enttäuschung in jedem seiner Worte spürbar. Bis zum Vortag war sich Alfred Marzodko noch sicher gewesen, die neue Hundefreilauffläche am Ottermeer sei in trockenen Tüchern. Immerhin waren die Bauschilder auf der Halbinsel schon vor langer Zeit aufgestellt worden. Die Planungen liefen auf Hochtouren: Ein Crowd-Funding des Vereins befand sich bereits in den Startlöchern. Der Verein hatte dafür extra die Bank gewechselt.

„Wir haben schon einen Pachtvertrag und einen Vertrag über die Rechte und Pflichten auf der Hundefreilauffläche mit der Stadt geschlossen“, sagt er. Dann habe der Verein durch die Presse erfahren, dass sich die Stadt dazu entschlossen hat, die Pläne wieder umzuwerfen. „Unsere Enttäuschung kann wohl jeder verstehen“, sagt Marzodko resigniert ins Mikrofon und fragt: „Warum hat uns denn niemand schon eher informiert?“ Der Verein sei schon einmal enttäuscht worden und habe sich damals schon beinahe aufgelöst, erinnert Marzodko.

Das sagt die Wiesmoorer Stadtverwaltung

Schon seit mindestens Mitte November weiß die Stadtverwaltung laut Bürgermeister Sven Lübbers (parteilos), dass die Freilauffläche am Ottermeer nicht kommen wird. Damals habe er die Entscheidung dem nicht öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss mitgeteilt, so Lübbers in seiner Antwort an Marzodko: „Im Anschluss haben wir alles daran gesetzt, eine Ersatzfläche zu finden.“ Für die neue Fläche in der Nähe des Aussichtsturms westlich des Ottermeeres habe der Verwaltungsausschuss in einer Sitzung am 2. Dezember 2024 bereits den Aufstellungsbeschluss für die Bauleitplanung durchgewinkt, „um die Maschine der Bauleitplanung anzuwerfen“.

Den Verein über diese Entscheidungen zu informieren, dazu sei die Stadtverwaltung einfach noch nicht gekommen. „Wir wurden selbst davon überrascht, dass jemand das Thema bei der Presse durchgestochen hat“, so Lübbers. Der Bürgermeister hatte die Entscheidung gegen die Freilauffläche auf der Halbinsel direkt am Ottermeer bereits vor der Sitzung in einer Mail an die Redaktion begründet: Der Stadt sei klar geworden, dass naturschutzrechtliche und planungsrechtliche Belange „dem Vorhaben an dieser Stelle im Weg stehen“. Kurz: Auf diesem Areal wäre die Freilauffläche einfach zu teuer geworden. Die Stadt Wiesmoor hat dafür 30.000 Euro im Haushalt eingeplant.

Geplant war seit 1981 ein Feuchtbiotop

Die Stadt Wiesmoor habe die Fläche im Vorfeld als geeignet eingestuft. Der Landkreis Aurich – oder genauer: die Untere Naturschutzbehörde – sei anderer Ansicht gewesen. Die Behörde ist an der für die Hundefreilauffläche notwendigen Bauleitplanung als Träger öffentlicher Belange beteiligt. Die Fläche am Ottermeer ist Bestandteil des Bebauungsplans C3 der Stadt Wiesmoor und seit 1981 als Feuchtbiotop und teilweise zur Anpflanzung von Gehölzen festgelegt, heißt es dort. Das stehe einer Nutzung als Hundefreilauffläche entgegen, so Landkreis-Pressesprecher Lennart Adam.

Eine aktuelle Begehung habe bestätigt, dass sich die Biotope erfolgreich entwickelt haben: „Der südwestliche Bereich der halbkreisförmigen Landzunge zeichnet sich durch feuchte Birken-, Weiden- und Kiefernwälder aus, die mindestens in Teilbereichen gesetzlich geschützte Biotope gemäß Paragraf 30 des Bundesnaturschutzgesetz darstellen.“ Auch eine Zone mit Pfeifengras, Wollgras, Besen- und Glockenheide sei entdeckt worden. Diese Vegetation deute auf die Biotoptypen Feuchte Sandheide oder ein Moorheidestadium von Hochmooren hin, die ebenfalls gesetzlich geschützt seien.

Wie geht es weiter?

Über die neue Fläche hat sich die Stadt Wiesmoor laut Lübbers bereit mit dem Landkreis Aurich abgestimmt. Sie sei bislang von der Stadt selbst als nicht geeignet eingestuft worden. Im Gespräch mit dem Landkreis Aurich habe sich jedoch ergeben, dass diese Fläche dort als „potenziell geeignet“ bewertet wird. Trotz der Einigung ist auch für diese Fläche eine Bauleitplanung erforderlich. Für diese Fläche habe sich die Stadt entschieden, weil sie dort ein deutlich einfacheres Bauleitplanverfahren und geringere Auflagen zur Kompensation erwartet – also deutlich niedrigere Kosten.

Wie lange noch dauert, bis die Hunde der Wiesmoorer und der Gäste frei in der Nähe des Ottermeeres toben können, dazu möchte Lübbers noch keine Aussagen treffen. „Schnellstmöglich. Eine konkrete Aussage lässt sich jedoch erst nach Beginn des Beteiligungsverfahrens einschätzen“, schreibt er in seiner Mail. Auch hier wird der Landkreis Aurich und damit die Untere Naturschutzbehörde als Träger öffentlicher Belange beteiligt sein. Die hat sich zur neuen Fläche noch nicht geäußert und weist in ihrer Stellungnahme darauf hin, dass die Planungshoheit dafür vollständig bei der Stadt Wiesmoor liege.

Wie reagiert der Förderverein?

Alfred Marzodko vom Förderverein „Freie Pfoten Wiesmoor“ ist schockiert, weil die ganze Planung noch einmal von vorn losgeht. Die Fläche direkt am Ottermeer hätte bereits im Frühjahr fertig sein sollen. Deshalb hat der Verein ab Januar 2025 eine Vereinshaftpflichtversicherung abgeschlossen. Mit den Vorbereitungen seien auch darüber hinaus Kosten verbunden gewesen, das sei ärgerlich. Die von der Verwaltung jetzt vorgeschlagene Fläche habe er selbst bereits vor vier oder fünf Jahren zweimal vorgeschlagen. „Damals hieß es von der Stadt, sie sei nicht geeignet und wegen langfristiger Verpachtung auch nicht verfügbar“, erklärt er.

Was er nicht versteht: Die Biotope rund um die bisher geplante Fläche seien bekannt gewesen. Auch die Herausforderungen, die dadurch bei der Planung entstehen. „Komisch, dass es plötzlich deshalb nicht mehr geht. Das hätte man vorher wissen können.“ Für eine Hundefreilauffläche wird in Wiesmoor schon seit neun Jahren gekämpft. An einer im April 2018 gestarteten Petition für dieses Vorhaben hatten sich seinerzeit etwa 900 Menschen beteiligt.

Der Verein wollte sich wegen des ewigen Hin und Hers bei der Standortsuche und fehlender Unterstützung der Stadt Wiesmoor bereits im Mai 2023 auflösen. Als die Planungen für die Fläche am Ottermeer begannen, raufte man sich wieder zusammen. Ob der Verein noch einmal alles von vorne mitmacht, sei noch offen, so Alfred Marzodko: „Wir werden in der nächsten Mitgliederversammlung darüber abstimmen, wie es jetzt weitergeht“, ergänzt der 1. Vorsitzende Diedrich Kleen.

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