Notdurft in Emden Die Tage des Klo-Containers am Bahnhof sind gezählt
Wer mit dem Zug in Emden ankommt, den erwartet als erster Ausblick auf die Stadt ein Container-Klo. Das soll sich ändern.
Emden - Wer in Emden auf den Bahnhofsvorplatz tritt, wird vom Anblick eines Container-Klos begrüßt. Die Stadt Emden zieht jetzt offenbar die Reißleine, da die Bahn kein Einsehen hat. Weil der WC-Container mehr Arbeit und Kosten verursacht als guten Eindruck, soll mittelfristig eine neue Toilettenanlage am Bahnhof gebaut werden. Und nicht nur dort.
Die Stadt Emden habe in der Vergangenheit Gespräche mit der Deutschen Bahn geführt, um Toiletten im Bahnhofsgebäude anzubieten, teilt Stadtsprecher Eduard Dinkela auf Anfrage dieser Zeitung mit. Aktuell plane die Bahn jedoch keine entsprechenden Anlagen, sodass weitere Gespräche dazu nicht mehr stattgefunden hätten. „Deswegen ist über das Gebäudemanagement ein umfassendes City-Toiletten-Konzept angestoßen worden, welches zunächst der Politik vorgestellt werden soll.“
Entree der Stadt
Details nennt die Verwaltung daher noch nicht öffentlich. Die Planung sehe aber eine Verbesserung in mehreren Schritten vor. Die erste Maßnahme soll 2025/2026 umgesetzt werden. „Innerhalb dieses Konzepts hat die Errichtung einer neuen Toilettenanlage am Bahnhof eine hohe Priorität“, so der Stadtsprecher.
Der Druck auf eine grundsätzliche Lösung ist inzwischen auch hoch. Schon objektiv gesehen ist eine Container-Anlage für Toiletten auf dem Bahnhofsplatz keine Augenweide. Die Kritik: Gerade zur Weihnachtszeit wirkt das Ensemble nicht gerade wie ein Willkommens-Entree für jene Reisende, die Emden eigens wegen des Engelkemarkts besuchen.
Sauber, aber dauernd kaputt
Wer diese Toilette dann nutzen muss, hat auch subjektiv kein angenehmes Gefühl. Zwar sind die Toiletten relativ sauber. Unter der Woche werden sie achtmal täglich gereinigt, am Wochenende noch viermal, wie Dinkela mitteilt. Aber wer verrichtet schon gerne seine Notdurft in einem Privisorium aus hauchdünnen Wänden auf einem großen, öffentlichen Platz? So wird es jedenfalls regelmäßig von den Nutzern gespiegelt.
Nicht zu übersehen sind die Vandalismus-Schäden trotz regelmäßiger Reparaturen, die Brandspuren von Zigaretten etwa an den Waschtischablagen. Zeitweise müssen auch die Container-Toiletten gesperrt werden, weil Türklinken abgerissen sind oder andere wesentliche Einrichtungsgegenstände zerstört wurden. Zu den durchschnittlichen jährlichen Unterhaltungskosten konnte Dinkela keine Zahlen angeben, da diese aktuell noch nicht vorlägen. Billig dürfte das Bahnhofsklo der Stadt aber nicht sein, auch wenn es so aussieht.
Nur Notlösung fürs Rondell
Und es sollte ja eigentlich auch keine Dauerlösung sein. Vielmehr musste seinerzeit eine Notlösung her. Das war im August 2021, als das „Rondell“ zwischen Bahnhofsgebäude und Taxenvereinigung endgültig geschlossen wurde. Für das 1989 gemauerte kleine Klohäuschen habe es keine Ersatzteile für die sanitäre Einrichtung mehr gegeben, hieß es. Außerdem war es auch wohl zu klein, um barrierefrei benutzbar zu sein.
Zunächst wurde ein roter Toilettenwagen als Ersatz aufgestellt, dann ein Mietcontainer mit WC-Anlage. Der kostete 1000 Euro Miete im Monat. Schließlich hat die Stadt selbst Container gekauft für einen Preis von 36.000 Euro. Die Kombination mit Herren- und Damen-WC sowie Behinderten-Toilette mit Rampe steht seit November 2022 auf dem Platz direkt vor dem Bahnhofs-Ausgang. Wenn sie am Bahnhof nicht mehr gebraucht wird, will die Stadt die Container an anderer Stelle weiternutzen, wo übergangsweise Toiletten benötigt werden – zum Beispiel bei den geplanten Schulumbauten, hieß es seinerzeit.
Kein Scherz für die Polizei
Noch wird das Behelfs-Klo auf dem Bahnhofsplatz aber dringend gebraucht. Seit dem Betreiberwechsel im nahegelegenen Parkhaus vielleicht noch mehr. Als die Stadtwerke das Parkhaus übergaben, wurden die Toiletten dort geschlossen. Zuvor war bei reparaturbedingten Ausfällen am Bahnhof gerne auf die Möglichkeiten im Parkhaus verwiesen worden.
Zwischenzeitlich hatte sich jemand sogar einen Scherz erlaubt und einen Zettel mit Tipp fürs Polizei-WC an das Rondell geklebt. Auch das Polizeigebäude liegt direkt am Bahnhofsplatz. Das hatte aber zu heftigen Störungen im Dienstbetrieb geführt, weil Menschen mit dringlichen Angelegenheiten von Polizeibeamten zu den WCs innerhalb ihres Gebäudes und hinaus begleitet werden mussten. Die Polizei passte schließlich.
Auch neue Pläne für die Welle
Der Bedarf ist also da, auch wenn die Bahn dies nicht so brenzlig sieht. Sie hält lediglich Diensttoiletten für ihre Mitarbeiter im Obergeschoss vor, die für Reisende tabu sind. Für sie verweist die Bahn im Übrigen auf funktionierende Toiletten in ihren Zügen. Auf erneute Anfrage zu den einst angekündigten Plänen, das Bahnhofsgebäude in Emden spätestens 2025 zu sanieren und dabei gegebenenfalls doch Toiletten für ihre Kunden zu berücksichtigen, haben wir noch keine Antwort bekommen.
Die Stadt plant indes weiter. Denn mit dem Bau einer Dauerlösung am Bahnhof ist es nicht getan. Es folge später noch eine Anlage in der Innenstadt, teilte Dinkela mit. Heißt: Auch für die dauerproblematische WC-Station an der Welle im Stadtgarten soll es neue Pläne geben.