Erste Ergebnisse Drei Wärmenetze in Samtgemeinde Hesel möglich
Bei der kommunalen Wärmeplanung ist die Samtgemeinde Hesel weiter als andere Kommunen. Die EWE hat die Möglichkeiten für Fernwärme sondiert und Vorschläge gemacht.
Hesel - Wie werden die Haushalte in der Samtgemeinde Hesel in Zukunft beheizt? Das ist die zentrale Frage bei der kommunalen Wärmeplanung. Bei der Beantwortung ist Hesel schon weiter als andere Kommunen im Landkreis Leer. Nicht nur, dass mit der Arbeit an dem Projekt begonnen wurde, bevor andere Gemeinden sich überhaupt mit dem Thema beschäftigt haben. „Die Bestandsanalyse ging deutlich schneller als bei anderen Projekten, die wir betreuen“, machte Gerrit Pruss, Kommunalbetreuer der EWE Netz, in der vergangenen Woche deutlich.
Da konnten die Vertreter der EWE nämlich nicht nur die Ergebnisse der Bestandsanalyse vorstellen – es gibt bereits erste Vorschläge. Unter anderem wurden drei Gebiete umrissen, in denen sich der Bau eines Wärmenetzes lohnen könnte. Das wäre demnach in Hesel rund um das Schulzentrum und das Schwimmbad; im Ortskern von Firrel sowie im Ortskern von Brinkum lohnenswert. Voraussetzung, so EWE-Projektleiter Julian Binczyk im Ausschuss für Klimaschutz und Gemeindeentwicklung, sei ein „Ankerpartner“.
Ein großer Partner muss dabei sein
Damit sind Großabnehmer gemeint, wie zum Beispiel das Schwimmbad und die Grundschule beim Beispiel Hesel, oder große Firmen wie in Brinkum. Dort soll zudem die neue Feuerwehrtechnische Zentrale des Landkreises Leer gebaut werden – doch da diese mit eigener Wärmetechnik geplant wird, ist ausgeschlossen, dass sie als Teilnehmer eines Wärmenetzes infrage kommt. Dafür gibt es die Ammerland-Molkerei und das Dorfgemeinschaftshaus, die an ein solches Netz angeschlossen werden könnten.
Für Firrel wiederum käme als großer Partner das Mode- und Möbelhaus Kaiser in Betracht. Für alle drei Standorte kommt nach Angaben des Projektleiters ein hohes Durchschnittsalter der Heizungsanlagen in den Privathäusern hinzu. Für die drei Gebiete mit Potenzial für ein Wärmenetz hat Binczyk jeweils ausgerechnet, wie hoch der Wärmebedarf aktuell ist und wie hoch dieser in Zukunft sein wird. Tatsächlich liegt der künftige Wert bei allen dreien deutlich unter dem heutigen Bedarf. Es wird davon ausgegangen, dass der Wärmebedarf durch andere Maßnahmen wie bauliche Sanierung sinkt.
Art des Wärmenetzes ist noch offen
In den drei Gebieten liegen – anders als in anderen Ortschaften der Samtgemeinde – viele Häuser an zentralen Straßenzügen nah beieinander, dazu die Nähe des Großabnehmers. „Aus unserer Sicht kommen die übrigen Gebiete für ein Wärmenetz nicht infrage“, sagt EWE-Kommunalberater Gerrit Pruss. Offen ist außerdem die Art des Wärmenetzes. Auf Nachfrage aus dem Ausschuss sagten Pruss und Projektleiter Binczyk, dass dieses dem jeweiligen Betreiber frei steht. Ein solcher Anbieter müsse mit seinen Abnehmern eigene Verträge schließen – ein Anschlusszwang bestehe jedoch nicht.
Eine zentrale Wärmeversorgung sei stets effizienter als eine dezentrale mit einzelnen Gebäudeheizungsanlagen, so der Projektleiter. Das bedeute nicht automatisch, dass sie für den Betreiber und die Abnehmer auch wirtschaftlicher ist. „Das hängt tatsächlich von den örtlichen Gegebenheiten ab“, sagte Binczyk. Das Ortsgebiet von Firrel werde aktuell in einer Studie gemeinsam mit Dornum auf die Chancen eines Wärmenetzes mit Biogas oder Wasserstoff untersucht.
Mehrheit der Häuser ist älter als 50 Jahre
Für die große Mehrheit der privaten Haushalte in der Samtgemeinde wird es nach dem Ergebnis der Untersuchung durch die EWE nicht lohnend sein, an ein Wärmenetz angeschlossen zu werden. Die Bestandsaufnahme hatte jedoch ergeben, dass nur knapp ein Viertel aller Häuser nach 1995 gebaut wurden, 65 Prozent sogar vor 1979. Bei den jüngeren Häusern aus den vergangenen drei Jahrzehnten kann man davon ausgehen, dass sie ohne größere Sanierung für die Nachrüstung mit einer Wärmepumpe geeignet sind. Für die älteren Häuser jedoch gilt das nicht.
Deshalb bestehe ein hoher Sanierungsbedarf für die Mehrheit der Wohnhäuser in der Samtgemeinde. Aktuell liege die Sanierungsquote erst bei 0,8 Prozent pro Jahr. „Wir müssen in Niedersachsen aber zwei Prozent erreichen, um die Ziele der Energiewende zu erreichen“, sagte der Projektleiter. Das unterstrich der Erste Samtgemeinderat Joachim Duin: „Es gibt ein Exit-Datum für Erdgas.“ Sobald Haushalte beginnen, auf andere Energieträger umzusteigen, verteuert sich für alle anderen der Gaspreis.
Die kommunale Wärmeplanung dient dazu, den Bedarf an Sanierungen und die Möglichkeiten bei der dezentralen Wärmeversorgung auszuloten und eine Strategie festzulegen. Die EWE hat dazu einen „digitalen Zwilling“ des Samtgemeindegebietes errechnet. Mit anonymisierten Daten ist so der künftige Wärmebedarf für jeden Straßenzug ersichtlich. Pruss sieht gute Chancen, dass für viele Gebäude die Installierung einer Wärmepumpe als effektive Lösung infrage kommt. Unter Umständen könnten sich auch mehrere Haushalte eine Anlage teilen.
2025 wird die Planung öffentlich vorgestellt
„Das ist anders als zum Beispiel in Oldenburg“, so Pruss. Im „urbanen Umfeld“ seien viele Straßen so eng bebaut, dass dort gar kein Platz vorhanden sei, auf dem man eine Wärmepumpe aufstellen könnte. Dagegen sei das bei den vielen Einfamilienhäusern im ländlichen Raum kein Problem.
Die nächsten Schritte sind die Einarbeitung des Feedbacks aus dem Ausschuss, danach wird die Wärmeplanung im Samtgemeinderat vorgestellt. Dieses wird in der öffentlichen Sitzung am 17. Dezember 2024 (ab 19 Uhr im Rathaus) geschehen. Für das erste Quartal 2025 ist dann eine öffentliche Veranstaltung geplant, bei der sich Bürgerinnen und Bürger über die Wärmeplanung informieren können.