Den Haag  Explosion in Den Haag: Befand sich ein Drogenlabor in den gesprengten Apartments?

Helmut Hetzel
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Von Helmut Hetzel
| 10.12.2024 07:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Feuerwehrleute stehen vor dem zerstörten Gebäude am Ort der Explosion in Den Haag, bei der mehrere Wohnungen zerstört wurden und sechs Menschen ums Leben gekommen sind. Foto: dpa/Phil Nijhuis
Feuerwehrleute stehen vor dem zerstörten Gebäude am Ort der Explosion in Den Haag, bei der mehrere Wohnungen zerstört wurden und sechs Menschen ums Leben gekommen sind. Foto: dpa/Phil Nijhuis
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Die Zahl der Todesopfer der Explosion in Den Haag am Wochenende steigt auf sechs. Rettungskräfte suchen nach weiteren Opfern. Hinter dem mutmaßlichen Anschlag werden kriminelle Beweggründe vermutet.

Bei dem mutmaßlichen Bombenanschlag im Haager Stadtviertel Mariahoeve am vergangenen Wochenende sind sechs Menschen gestorben. Fünf wurden verletzt, einige davon schwer. Eine Person konnte lebend aus den Trümmern geborgen werden. Die Bergungsarbeiten dauern noch immer an.

Fünf Wohnungen wurden durch mehrere Detonationen am vergangenen Samstagmorgen um 6.15 Uhr völlig zerstört, 19 Appartements beschädigt. Für das Stadtviertel gilt nach wie vor der Notstand.

Es gibt es Hinweise auf einen kriminellen Hintergrund. Unter anderem werde ein Bezug zur Drogenkriminalität untersucht, sagte Staatsanwältin Margreet Fröberg der Deutschen Presse-Agentur. Nach dem Pkw, der unmittelbar nach mehreren Detonationen am Samstagmorgen mit hoher Geschwindigkeit davon raste, werde immer noch gefahndet, gibt sie zu Protokoll.

Im Stadtteil Mariahoeve kursieren Gerüchte, wonach sich im Keller der Gebäude, die in die Luft gesprengt wurden, ein Drogenlabor zur Herstellung synthetischer Drogen befunden haben soll. Es ist daher nicht auszuschließen, dass die sich im Keller befindlichen Chemikalien nach einem Brand- oder Bombenanschlag die riesige Detonation mitausgelöst und noch verstärkt haben.

König Willem-Alexander und Königin Máxima besuchten am Montagmorgen zusammen mit dem Haager Bürgermeister Jan van Zanen den Tatort in der Straße „Tarwekamp“ in Mariahoeve.

König Willem-Alexander zeigte sich tief „erschüttert und betroffen“ als er die Trümmerhaufen, die einmal Appartment-Wohnungen waren, sah. „Ich zittere am ganzen Körper und habe weiche Knie“, sagte er während seines Besuchs des Explosionsortes im Stadtteil Mariahoeve in die TV-Kameras.

Gemeinsam mit Königin Máxima besuchte er anschließend das Bürgerzentrum „Lichtpuntjes“ der gleichnamigen Stiftung in Mariahoeve. Dort sprachen die beiden mit Helfern und Betroffenen, die auch in der Straße „Tarwekamp“ leben und deren Wohnungen beschädigt wurden, die aber den mutmaßlichen Anschlag überlebten.

Die Stiftung „Lichtpuntjes“ hat für die überlebenden Opfer des mutmaßlichen Anschlags inzwischen schon mehr als 350.000 Euro an Spendengeldern eingesammelt. „Geben Sie, was Sie geben können, für die Opfer der Explosion in Den Haag! So helfen Sie, dass die betroffenen Bewohner jetzt und in Zukunft ihr Leben wieder aufbauen können“, heißt es im Aufruf der Spendenaktion.

„Die Menschlichkeit nach einer solchen Katastrophe gibt unglaublich viel Kraft“, betonte König Willem-Alexander nach den Gesprächen mit den Bewohnern der Straße „Tarwekamp.“ Er lobte den professionellen Einsatz der Rettungskräfte sowie die Solidarität in der Nachbarschaft. Die Folgen der Explosionen seien „jenseits aller Vorstellungskraft“.

Inzwischen wurden einige Opfer identifiziert. Die Polizei gab bekannt, dass ein 31-jähriger Mann aus dem Haager Vorort Voorburg sowie ein 45-jähriger Mann und zwei Frauen im Alter von 17 und 41 Jahren aus Den Haag bei dem mutmaßlichen Anschlag ums Leben gekommen sind.

Die Rettungskräfte suchen noch immer nach weiteren Opfern. Ob und wie viele Menschen noch unter den Trümmern liegen, ist unklar. An allen Schulen in Den Haag und in Voorburg wurde am Montagmorgen der Explosionen in Mariahoeve gedacht.

Möglicherweise ist der mutmaßliche Anschlag die Folge der in den Niederlanden seit einiger Zeit tobenden Bandenkriege zwischen Drogenhändlern. Zahlreiche Bomben- und Brandanschläge fanden in den vergangenen Wochen und Monaten hauptsächlich in Rotterdam statt, dem Zentrum der niederländischen Drogenmafia.

Denn der Rotterdamer Hafen ist zusammen mit Antwerpen einer der Hauptumschlagplätze für Kokain, das von Südamerika kommend im Rotterdamer Hafen landet und für ganz Europa bestimmt ist.

Erst in der vergangenen Woche wurden von den Drogenfahndern rund sieben Tonnen Kokain in Containern im Rotterdamer Hafen entdeckt, beschlagnahmt und vernichtet. Das weiße Pulver war zwischen Bananen versteckt gewesen.

In Den Haag ist die Zahl der Brand- und Bombenanschläge gestiegen. „Die Polizei zählte bis Anfang November dieses Jahres in Den Haag bereits 71 Explosionen. Im vergangenen Monat kamen weitere zehn Explosionen hinzu, verteilt über die Stadt. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 55 Anschläge, im Jahr davor 15.“ berichtet die Lokalzeitung „Den Haag Centraal DHC.“

„Das ist ein landesweiter Trend“, sagt Jan Dalmolen, Sprengstoffexperte des Niederländischen Forensischen Instituts (NFI). „Die Zahl der Geldautomaten-Sprengungen ist zwar zurückgegangen. Die Zahl der Explosionen an Wohnhäusern und Gastronomiebetrieben hingegen ist stark gestiegen.“ Meist stecke hinter den Anschlägen die niederländisch-marokkanische Drogenmafia.

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