Bildung in Ostfriesland Eltern fordern – Politik soll mehr für die Schulen tun
Der Landeselternrat und Unterstützer sehen großen Verbesserungsbedarf in der niedersächsischen Bildungspolitik. Kritik kommt auch von ostfriesischen Eltern.
Ostfriesland/Hannover - Eine Reihe von Missständen beklagen Elternvertreter an niedersächsischen Schulen. In einer Petition, die an Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) übergeben wurde, fordert der Landeselternrat unter anderem deutlich mehr Personal an den Schulen, die unentgeltliche Bereitstellung von Lernmitteln und die Anerkennung von digitalen Endgeräten als Lernmittel, eine verbindliche Offenlegung der Notenspiegel nach allen Klassenarbeiten und Tests, eine transparente Statistik von Unterrichtsausfällen sowie eine kostenlose Beförderung für alle Schüler und Auszubildenden. Nachdruck verleihen dem Papier 2485 Unterschriften von Eltern, die über das Internet gesammelt wurden.
Die mangelnde Lehrerversorgung der Schulen ist für Elternvertreter aus Ostfriesland das Kardinalproblem, an dem die Bildungspolitik des Landes krankt. „Am Personalnotstand leiden alle unsere Schulen“, sagt Jan Herrmann, Vorsitzender des Kreiselternrats Wittmund. „Mit unzureichendem Ersatzunterricht, bei dem es nur darum geht, die Kinder zu beschäftigen, wird die Schule ihrem Auftrag nicht gerecht“, kritisiert er.
Aufhören, „Zahlen zu beschönigen“
„Den Personalnotstand und die damit einhergehende schlechte Unterrichtsversorgung zu beschönigen, gehört unseres Erachtens schon zum guten Ton einiger Politiker und spiegelt den allgemeinen Umgang mit der Bildungspolitik wider“, ärgert sich Zerrin Mentjes, Vorsitzende des Stadtelternrats Emden. „Natürlich lösen wir das Problem des Personalnotstands nicht sofort, aber wir würden den richtigen Schritt gehen, wenn wir aufhören würden, Zahlen zu beschönigen und anfangen würden, Geld in Bildung zu investieren.“
Zwar sollen im laufenden und im kommenden Jahr insgesamt 2460 neue Vollzeitstellen bei Lehrkräften in Niedersachsen geschaffen werden, wie Ministerin Hamburg zum Schuljahresbeginn im August angekündigt hatte. Doch: „Das ist alles noch nicht ausreichend. Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, betont Britta de Buhr-Hollatz, Vorsitzende des Kreiselternrats Leer. Für Tim Bloem, den Vorsitzenden des Kreiselternrats Aurich wäre schon viel gewonnen, wenn die vorhandenen Lehrer von Aufgaben entbunden würden, die nichts mit dem Unterricht zu tun hätten. „Warum kann sich nicht Fachpersonal von außen um die IT-Infrastruktur oder die Verwaltung kümmern?“, fragt er sich.
Auch Eltern sind bei Bildung in der Pflicht
Gerüttelt wird von den Elternvertretern auch an der Statistik zur Unterrichtsversorgung. „Die Zahlen, die veröffentlicht werden, stellen nicht die Realität an den Schulen dar“, ist sich Bloem sicher. Das liege etwa daran, dass Lehrer, die länger erkrankt seien, dennoch eine Planstelle besetzen. „Eine transparentere Statistik, die die Wirklichkeit abbildet, wäre zu begrüßen.“
Als wichtig erachtet Bloem zudem die Forderung des Landeselternrats nach einer Wiedereinführung der Lernmittelfreiheit, die auch digitale Endgeräte umfassen sollte. 60 bis 70 Euro würden jährlich als Ausleihgebühr für Bücher anfallen, hinzu kämen teils bis zu 150 Euro für den Kauf weiterer Fachbücher und Kosten für meist geforderte iPads sowie Kosten für benötigte Apps. „Für einkommensschwache Familien ist das schon eine Menge.“
Letztlich steht aber nicht nur das Land in der Pflicht, wenn es darum geht, Bildungserfolge zu erreichen. „Auch die Eltern müssen mehr leisten“, zeigt sich Jan Herrmann durchaus selbstkritisch. Heutzutage werde etwa viel weniger vorgelesen als in früheren Jahren. Dabei falle das Lesenlernen den Schülern einfacher, wenn ihnen vorgelesen werde. „Die Eltern zu erreichen, ist aber auch für uns kaum möglich. Bei vielen klappt das nicht.“
Mit Material der DPA