Osnabrück Waterloo für die FDP? Warum die Aufregung um das „D-Day“-Papier bigott ist
Nach dem Djir-Sarai-Rücktritt und der Aufregung um das „D-Day“-Papier schimpfen alle auf die FDP und Christian Lindner. Dabei spricht manches dafür, dass die Eskalation den Liberalen am Ende sogar nutzen könnte.
Dass die FDP-Führung das Platzen der Regierungskoalition mit SPD und Grünen als mutmaßlichen Befreiungsschlag für die Partei strategisch vorbereitet hat, fällt ihr nun auf die Füße – so sehr, dass in der allgemeinen Aufregung Generalsekretär Bijan Djir-Sarai und Bundesgeschäftsführer Carsten Reymann ihren Hut genommen haben. Dabei wissen jene, die sich jetzt am lautesten empören, doch genau, wie es läuft im politischen Geschäft.
„Wenn es ernst wird, muss man lügen“ – so formulierte es einst der luxemburgische Premier und spätere EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker. Das ist wenig charmant, kommt der Realität aber nahe. An Machtkämpfen, Intrigen und taktischen Spielchen herrscht in der Politik wahrlich kein Mangel. Da klingt das, was bei der FDP nun sichtbar geworden ist, auch nicht viel schlimmer als das, was bei anderen Parteien an der Tagesordnung ist. Die Täuschung der Öffentlichkeit wird oft billigend in Kauf genommen.
Zugegeben: Im Zusammenhang mit dem Ampel-Ausstieg in Anlehnung an die Befreiung Europas von den Nazis durch die Alliierten von „D-Day“ zu sprechen und einer „offenen Feldschlacht“ das Wort zu reden, war so ungeschickt wie geschmacklos.
Trotzdem: Dass eine Partei, die aus einer Koalition aussteigen will, sich darauf strategisch vorbereitet, um den größtmöglichen öffentlichen Erfolg zu erzielen, ist in einer hyperaktiven Kommunikationsgesellschaft kein Wunder.
Und so sehr die Kritiker nun auch die gesamte liberale Führungscrew mit Christian Lindner an der Spitze beschädigt sehen wollen: Gerade Lindner ist zäh. Dass er Wahlkampf kann, hat er in der Vergangenheit bewiesen. Unter seiner Führung gelang der FDP bei der Wahl 2017 ein veritables Comeback mit einem Ergebnis von 10,7 Prozent der Stimmen, was ihr den Wiedereinzug in den Bundestag ermöglichte.
Tatsächlich ist die Partei mit dem von ihr gezielt betriebenen Ampel-Aus in wirtschafts- und finanzpolitischen Fragen standhaft geblieben und damit ihrer Kernwählerschaft treu. Das könnte sich auszahlen, wenn es darum geht, bei der Bundestagswahl am 23. Februar die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen. Gelingt das nicht, werden die Liberalen außerparlamentarisch kleine Brötchen backen müssen – ohne Christian Lindner an der Spitze. Aber das würde auch gelten, wenn es ein „D-Day“-Papier nie gegeben hätte.