Speckendicken ohne Speck  Es muss nicht alles vegetarisch sein

Henrike Gerdes
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Von Henrike Gerdes
| 01.12.2024 11:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Außen verbrannt, innen noch roh: So sollten Speckendicken nicht aussehen. Foto: Gerdes
Außen verbrannt, innen noch roh: So sollten Speckendicken nicht aussehen. Foto: Gerdes
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In Ostfriesland ist Speckendicken eine bekannte Spezialität. Doch wie schmeckt das Gericht in einer fleischlosen Variante? Ich habe es ausprobiert – und bin kläglich gescheitert.

Ostfriesland - Dunkler Sirup, weihnachtliche Gewürze und Speck: An diesem Traditionsgericht scheiden sich die Geister. Sind Speckendicken nun lecker oder ekelhaft? Das traditionelle Gericht ist sicher nicht für jeden Gaumen ein Genuss. Doch gerade zu „Olljahrsabend“, Plattdeutsch für Silvester, wird die goldbraungebrannte Spezialität in Ostfriesland in so manchen Küchen zubereitet.

Landfrau Antje de Vries weiß, worauf es bei Speckendicken ankommt. Foto: Ortgies/Archiv
Landfrau Antje de Vries weiß, worauf es bei Speckendicken ankommt. Foto: Ortgies/Archiv

So ist es auch bei Antje de Vries vom Landfrauenverein Overledingermarsch. Sie ist eine Liebhaberin dieses Gerichts. Speckendicken seien für die Landfrau tief mit Erinnerungen aus dem Elternhaus verbunden. Das Rezept hatte sie damals von ihrer Mutter übernommen. Vor zwei Jahren hat Antje de Vries es mit uns geteilt:

Traditionelles Speckendicken Rezept

Zutaten

  • 750 g Speckendickenmehl
  • 225 g dunkler Sirup
  • 65 g Zucker
  • 3 Eier
  • 1 Packung Kardamom
  • 2 TL Anis (gemahlen)
  • 1 Prise Salz
  • 2 EL Margarine
  • Mettwurst

Zubereitung

Das Speckendickenmehl zusammen mit den Gewürzen und dem Zucker in eine Schüssel geben und vermengen. Die Eier und eine Prise Salz hinzufügen und alles verrühren. ¾ Liter Wasser abkochen und etwas abkühlen lassen. Den Sirup mit der Hälfte des abgekühlten, lauwarmen Wassers auflösen, dazugeben und alles umrühren. So viel von dem abgekochten Wasser hinzufügen, bis der Teig schwer reißend vom Löffel läuft. Tipp: Der Teig sollte bereits am Vortag zubereitet werden. Sollte der Teig zu fest geworden sein, kann noch abgekochtes, abgekühltes Wasser untergerührt werden, um die gewünschte Konsistenz zu erreichen.

Optional: 150 g fetten Speck in Würfel schneiden, ausbraten und unter den Teig mischen.

Vor dem Braten 2 Esslöffel Margarine in einer Pfanne erhitzen und mit dem Teig vermengen. In der Pfanne Margarine erhitzen und 3–4 Scheiben Mettwurst hineinlegen. Auf jede Mettwurstscheibe den Teig mit Hilfe von zwei Esslöffeln streichen und darauf je zwei weitere Scheiben Mettwurst legen. Die Speckendicken bei mittlerer Hitze von unten durchgaren. Anschließend umdrehen und die Oberseite braten, bis sie goldbraun sind.

Die vegetarische Variante

Laut einer Statista-Umfrage aus 2024 verzichten immer mehr Menschen in Deutschland auf Fleisch – aktuell rund 8 Millionen. Speckendicken mit Speck und Mettwurst sind für Vegetarier daher ungeeignet. Um das Traditionsgericht trotz einer vegetarischen Ernährung genießen zu können, habe ich es angepasst. Statt Speck und Mettwurst kamen vegane Speckstreifen zum Einsatz. Die in dem Gericht geforderte Mettwurst ist (noch) nicht in einer fleischlosen Variante im Supermarkt erhältlich. Ansonsten habe ich mich an das Rezept von Antje de Vries gehalten.

Richtige Konsistenz ist (k)ein Hexenwerk

Obwohl der Teig simpel klingt, kann er gerade für Back- und Koch-Anfänger eine Herausforderung darstellen. Das Speckendickenmehl ist grobkörnig und deshalb nicht einfach, um die Gewürze gleichmäßig mit dem Teig zu vermischen. Eine andere Schwierigkeit stellt die Konsistenz dar. Laut Antje de Vries sei dies ein ausschlaggebender Punkt. Der Teig dürfe nicht vom Kochlöffel heruntertropfen, sondern müsse von diesem „schwer abreißen“. Dabei ist nach meiner Erfahrung bei dem Zugeben des Wassers viel Geschick gefragt, damit der Teig weder zu fest bleibt noch zu flüssig wird.

Der Teig sollte eine „schwer reißende“ Konsistenz haben. Foto: Gerdes
Der Teig sollte eine „schwer reißende“ Konsistenz haben. Foto: Gerdes

Waffeleisen vs. Pfanne

Der Teig ist das einzige, was mir an der vegetarischen Speckendicken-Variante gut gelungen ist. Die Konsistenz schien perfekt und so konnte es am nächsten Tag mit dem Braten der besonderen Pfannkuchen losgehen. Doch zunächst habe ich es mit einem Waffeleisen ausprobiert. Dazu habe ich beide Kontaktflächen großzügig mit Margarine bestrichen, die veganen Speckstreifen draufgelegt und dann den Teig darüber verteilt. Bevor ich das Waffeleisen zugeklappt habe, habe ich den Teig mit zwei weiteren Speckstreifen belegt.

Gute 4 Minuten später leuchtete die Lampe grün und das Waffeleisen konnte geöffnet werden. Da kam die Überraschung: Der dickflüssige Teig war noch längst nicht durch, der Speck aber schon an den Kontaktflächen verbrannt.

Debakel beim Braten

Das hatte schon mal nicht funktioniert. Weiter ging es mit einer traditionellen Zubereitung in der Pfanne. Das Braten sah zunächst vielversprechend aus, aber nachdem der Teig schon einige Minuten bei mittlerer Hitze in der Pfanne lag, kam die böse Überraschung: Beim Umdrehen des Speckendickens war der Speck wieder viel zu dunkel gebraten. Auch nach etlichen Versuchen war das Ergebnis immer gleich: Innen noch roh, der Speck aber verbrannt.

Mein Fazit

Beim Geschmackstest wird der Misserfolg bestätigt: Der Teig an sich schmeckt nach traditionellem Speckendicken. Der vegane Speck darin trübt den Geschmack jedoch deutlich. Wirklich gut essbar ist es nicht.

Vielleicht hätte es mit einem anderen veganen Speck besser funktioniert oder es lag an meiner fehlenden Erfahrung bei Zubereitung. Vielleicht aber liegt genau der Charme traditioneller Gerichte in ihrer Authentizität. Speck und Mettwurst sind nicht ohne Grund wichtige Bestandteile von Speckendicken – sie machen das Gericht erst aus. Es muss nicht alles vegetarisch sein.

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