Berlin Kurkuma und Grüntee-Extrakt: Wie Nahrungsergänzungsmittel uns schaden können
Immer mehr Menschen nehmen Nahrungsergänzungsmittel ein – um gesund zu bleiben. Doch die enthaltenen Pflanzenextrakte können auch gefährlich werden. Welche Erkenntnisse es bisher gibt.
Nahrungsergänzungsmittel sollen Mängel in der eigenen Ernährung ausgleichen. Sie versprechen unter anderem, das Immunsystem zu stärken oder den Blutdruck zu senken. Viele Menschen greifen inzwischen täglich zu Kapseln und Tabletten, die sie gesund halten sollen. Insbesondere Nahrungsergänzungsmittel mit Pflanzenextrakten geben dabei den Anschein, besonders natürlich zu wirken. Doch nicht immer führt die Einnahme zu den gewünschten Effekten und kann sogar krank machen.
In den USA ist laut Register jeder fünfte Leberschaden auf die Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel oder pflanzliche Heilmittel zurückzuführen. Die Ergebnisse einer neuen Studie der Nationalen Gesundheits- und Ernährungsuntersuchung (NHANES) lassen nun Rückschlüsse auf potenziell gefährliche pflanzliche Extrakte zu. Dazu zählen Kurkuma, Grüntee, Ashwagandha, Garcinia Cambogia, Roter Reis und Traubensilberkerze.
Großer Beliebtheit erfreut sich insbesondere Kurkuma, das laut Studie am häufigsten eingenommen wird. Dem in der Pflanzenwurzel erhaltenen Stoff Curcumin werden zahlreichen positive Eigenschaften nachgesagt. Allerdings werden auch immer häufiger Fälle von Leberschädigungen bekannt, die im Zusammenhang mit der Einnahme von Kurkuma-Produkten stehen.
„Die schweren Leberschäden sind Einzelfälle“, sagt Anika Wagner, Professorin am Institut für Ernährungswissenschaften der Universität Gießen, dem „Spiegel“. Sie würde dennoch niemandem empfehlen, die Präparate einzunehmen, erst recht nicht, wenn man schon Leberprobleme habe.
In Nahrungsergänzungsmitteln liegen die Dosierungen oft über den sicheren Höchstmengen. Nach Angaben der „tagesschau“ gebe es Curcumin auch als Kapseln mit einem Gehalt von bis zu 1000 Milligramm, verbunden mit der Empfehlung, mehrere Kapseln am Tag einzunehmen. Die vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfohlene Höchstmenge liegt bei drei Milligramm pro Kilo Körpergewicht. Ein 80 Kilogramm schwerer Mensch sollte demnach nur 240 Milligramm pro Tag zu sich nehmen.
Ein Problem sind die fehlenden Kontrollen von Nahrungsergänzungsmitteln. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit stellt klar, dass diese als Lebensmittel gelten und keine Prüfung durch eine Behörde stattfindet. Im Gegensatz zu Medikamenten werden Nahrungsergänzungsmittel also weder auf ihre Wirksamkeit noch auf ihre gesundheitliche Sicherheit hin getestet. Die Hersteller seien selbst für die Unbedenklichkeit ihrer Produkte verantwortlich.
Hinzu kommt die Gefahr von Wechselwirkungen mit Medikamenten. Diese müssen bei Nahrungsergänzungsmitteln nicht wie bei Arzneimitteln üblich auf einem Beipackzettel aufgeführt werden, warnt die Verbraucherzentrale. So könnten Kurkuma und Grüntee-Extrakte beispielsweise die Wirksamkeit bestimmter Krebsmedikamente verringern.
Umso wichtiger sei es, den eigenen Arzt und Apotheker darüber zu informieren, welche Nahrungsergänzungsmittel man zu sich nehme.
In der Küche stellt der maßvolle Gebrauch von pflanzlichen Produkten keine Gefahr dar, sagt der Pharmakologe Martin Smollich der „tagesschau“. Wer also gerne eine Tasse grünen Tee trinkt oder mit Kurkuma würzt, kann das bedenkenlos weiterhin tun.