Modell-Änderung beschlossen  So will Emden die Warteliste auf Kita-Plätze verkürzen

Stephanie Schuurman
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Von Stephanie Schuurman
| 22.11.2024 10:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Manchmal reicht der Platz in der Kita nicht für alle, dann greift in Emden ein Reduzierungsmodell. Symbolbild: dpa
Manchmal reicht der Platz in der Kita nicht für alle, dann greift in Emden ein Reduzierungsmodell. Symbolbild: dpa
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Das „Emder Modell“ sollte die Arbeit von Erzieherinnen und Erzieher erleichtern. Jetzt rudert die Stadt Emden ein Stück weit zurück.

Emden - Die Emsschule in der Innenstadt von Emden steht kurz vor dem Umbaustart zu einer neuen Kindertagesstätte. In den Stadtteilen Barenburg und Harsweg wurden jüngst neue Kitas eröffnet. In Borssum soll eine weitere Kita gebaut werden. Das alles sind Anstrengungen, um den Betreuungsbedarf von Kindern über und unter drei Jahren in Emden zu decken. Und weil dennoch Kinder auf der Warteliste auf einen Kita-Platz stehen, wird bei einem speziellen Modus in der Stadt jetzt ein Stück weit zurückgerudert.

Zwei Plätze unbesetzt lassen? Das gilt in Emden bald nicht mehr pauschal. Foto: dpa
Zwei Plätze unbesetzt lassen? Das gilt in Emden bald nicht mehr pauschal. Foto: dpa

Das sogenannte Emder Modell, nachdem bisher pauschal jede Kita-Gruppe um zwei Plätze auf 23 verkleinert wird, wird zugunsten eines kriteriengestützten Modells modifiziert. Denn nicht jede Kita braucht die Arbeitserleichterung, die durch die geringere Anzahl der Kinder je Gruppe ausdrücklich gewollt ist. Sind die räumlichen Umstände so ideal, dass es zu keinen unzumutbaren Lärmbelastungen kommt, die Kinder bestens versorgt werden können auch durch eine moderne Küche, wenn der Platzbedarf der Regelanzahl von 25 Kindern je Gruppe entspricht, werden künftig auch die vollen 25 Plätze besetzt.

Neue Gerechtigkeit

Nur die Kitas, die einschränkende Umstände geltend machen können, dürfen weiterhin kleinere Gruppen mit einem oder zwei Kindern weniger führen. Das hat der Jugendhilfe-Ausschuss am Mittwoch, 20. November 2024, einstimmig, aber teils ein wenig zähneknirschend beschlossen. Der Beschluss muss noch abschließend den Rat passieren.

Glücklich ist, wer einen Kita-Platz hat und die Einrichtung auch noch nahe an der Wohnstätte ist. Foto: dpa
Glücklich ist, wer einen Kita-Platz hat und die Einrichtung auch noch nahe an der Wohnstätte ist. Foto: dpa

CDU-Ratsherr Albert Ohling mahnte bereits im Vorfeld an, dass bei besserer Ausgangssituation unbedingt wieder zum bisherigen Emder Modell zurückgewechselt werden solle. Auch BSW-Ratsherr Lars Mennenga gab der Neuregelung nur widerwillig recht. Stadtrat Volker Grendel verwies jedoch entschieden auf die neue Gerechtigkeit, die durch die Regelung entstünde. Nagelneue Kitas mit besten Bedingungen bräuchten die pauschale Reduzierung nicht, anders als Kitas mit abgängigen Haushaltsküchen und improvisierten Ruheräumen. „Die pauschale Kürzung ist ungerecht.“

Abstriche geltend machen

Der neuen Regelung sind lange Diskussionsrunden in Workshops unter Beteiligung der Erzieherinnen, der Fach-Verwaltung und Ratsleuten vorausgegangen. Gemeinsam sei dann ein einschränkendes Punkte-System entwickelt worden, wie Renate Bonn-Sommer, Kita-Beraterin des Fachdienstes Kinder und Familien, erläuterte. Demnach werden zunächst wie gehabt zum neuen Kita-Jahr Kinder nach dem bisherigen Emder Modell auf die Kitas verteilt. Wenn die Kita bis nach den Herbstferien keine Punkte geltend macht, werden die Gruppen nachbesetzt, also bis auf 25 Kinder aufgefüllt. „Das ist ein sehr ausgereiftes Modell“, sagte Grendel. „Und es hilft, die Versorgung einer erheblichen Anzahl von Kindern sicherzustellen.“

Die Kita-Beraterin Bonn-Sommer rechnet mit einem Plus von 40 Plätzen und mehr nach der Modell-Bereinigung. Und diese Plätze sind dringend nötig, wie die Warteliste auf einen Betreuungsplatz beweist. Der 1. Oktober 2024 war wie üblich der Stichtag für die Abrechnung. Demnach sind weiter 128 Kinder in Emden ohne externe Betreuung. 80 Kinder warten noch auf einen Kita-Platz, auf den sie oder ihre Eltern einen gesetzlichen Anspruch haben. 44 Kinder im Alter von unter drei Jahren wollen einen Krippen-Platz, teils auch mit Rechtsanspruch. Und vier Grundschulkinder suchen noch nach einem Hortplatz.

Fernab noch freie Plätze

Bei differenzierter Betrachtung der 17 Kitas in der Stadt fällt auf, dass einige wenige eigentlich noch freie Plätze haben. So könnte theoretisch das Käferhuus am VW-Werk noch Kinder aufnehmen. Auch in der Kita Grüner Baum wären noch Kapazitäten. Doch während in der Barenburger Kita aktuell nicht alle Gruppen aufgrund Personalmangels aufrecht erhalten werden könnten, ist die Entfernung des Käferhuus für manche Eltern der Grund für die Ablehnung. Ein Grund, den Grendel gut nachvollziehen kann, wie er sagte. Wenn eine Mutter beispielsweise mit einem eineinhalbjährigen Kind das Geschwisterkind nicht täglich drei Kilometer weit zur Kita bringen und abholen könne, weil der Mann auch noch das Auto für den Arbeitsweg braucht, sei das nachvollziehbar. „Trotzdem müssen wir den Platzbedarf an Emder Kitas sauber ermitteln.“

Dabei sei die Versorgungsquote, die der Fachdienst ebenfalls ermittelt, weniger aussagekräftig, so Grendel. „Nicht alle Eltern haben Bedarf auf einen Krippenplatz.“ Dort liegt die Versorgungsquote in Emden aktuell bei nur knapp 40 Prozent. Im Kitabereich liegt die Quote mal über, mal unter 90 Prozent. Das wiederum liege auch an den Vorlieben der Eltern, die für ihre Wunsch-Kita schon mal ein Jahr lang warten, so sie es sich leisten können. Anders als bei den Grundschulen gibt es bei Kindertagesstätten keine Wohngebietszuweisung.

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