Mit Rad in der Stadt Weitere Straße in Emden wird für Radfahrer optimiert
Eine weitere Straße in der Emder Innenstadt soll für Radfahrer optimiert werden. Was das mit Flusskreuzern zu tun hat und wann es losgehen könnte.
Emden - Eine weitere fahrradgerechte Straße in der Emder Innenstadt könnte zeitnah entstehen. Es geht um den Abschnitt „An der Bonnesse/Martin-Faber-Straße“, also von der Faldernbrücke, stadtauswärts bis zum Verkehrsknotenpunkt der Friedrich-Ebert-Straße. Der Stadtentwicklungsausschuss des Emder Rats gab dem Ausbau am Donnerstag, 14. November 2024, einstimmig grünes Licht.
Der Abschnitt ist Teil eines geplanten sogenannten Superradwegs, der von der Auricher Straße über die Neutorstraße bis hin zum Wykhoffweg im Stadtteil Borssum führt. Bewusst habe man sich dafür entschieden, zunächst keine andere Straße in der Innenstadt anzugehen, da man hier anderen Projekten wie dem Umbau eines Teils der Neutorstraße zum verkehrsberuhigten Geschäftsbereich nicht vorgreifen wolle, sagte Stadtplaner David Malzahn. Auch hat man im nun benannten Bereich ein weiteres Ziel vor Augen: die Optimierung der Flusskreuzfahrt in Emden.
Wie passen Flusskreuzfahrt und Radweg zusammen?
Die Stadt möchte Emden als Ziel für Flusskreuzfahrtschiffe stärker etablieren. Für 2024 waren mehr als 14 Schiffstouren auf der Ems bis Emden geplant, Tendenz steigend. War der Liegeplatz der langen Schiffe zuvor auch schon mal am Delft vor dem Hotel am Delft, hatte sich aus praktischen Gründen der Platz parallel der Straße „An der Bonnesse“ beziehungsweise am Dr.-Erich-Brüggemann-Ufer als sinnvoller erwiesen. Hier soll die Infrastruktur für einen Anleger weiter ausgebaut werden. Dazu gehört auch eine barrierefreie Möglichkeit, vom Schiff zu kommen, sowie eine gute Anbindung zu einem Reisebusverkehr.
Aktuell, so erklärte David Malzahn, ist die Promenade sehr schmal und die Rampe eines Flusskreuzers kann nicht gut aufliegen. Auch der Platz für Busse könnte besser sein. Die Promenade könne gut in einem Zug mit dem Ausbau der Martin-Faber-Straße angegangen werden, so die Überlegung. Heißt: Die Promenade soll teils von aktuell zwei Meter auf vier Meter verbreitert werden, auf Höhe der Gangway für die Schiffe auf vier bis 6,5 Meter. Auch Sitzmöglichkeiten sollen hier geschaffen werden. Für die Reisebusse, für die es jetzt bereits einen Parkstreifen gibt, soll mehr Platz geschaffen werden. Der Gehweg dort sei auch sehr schmal und teilweise von Baumwurzeln hochgedrückt.
Und was ist mit dem Radweg?
Zum einen seien an mehreren Stellen in dem Abschnitt Faldernbrücke bis Friedrich-Ebert-Straße Fahrbahnaufbrüche und große Risse zu erkennen, die Borde seien zum Teil abgesackt und Abbrüche vorhanden. „Es existiert auf ganzer Länge keine tragfähige Schottertragschicht“, so Malzahn. Im Zuge der Sanierung könne, da Förderprogramme von Bund und Land heutzutage insbesondere den Fuß- und Radverkehr verbessern wollen, die Straßenführung entsprechend verbessert werden.
David Malzahn erklärte, dass die Radführung in dem Abschnitt von der Friedrich-Ebert-Straße bis zur Faldernbrücke teilweise nach heutigen Standards gar nicht mehr erlaubt wäre. Radfahrer werden teilweise auf die Gehwege geleitet, die eigentlich nicht breit genug sind, sowie in die sogenannte „Dooring Zone“ von Autos, in der also Autotüren geöffnet werden. Die Planung sieht nun also vor, die gesamte Straße neu zu gestalten und bedarfsgerechte Breiten wieder herzustellen. „Der Fokus liegt hierbei auf einer radfahrerfreundlichen Verkehrsführung“, heißt es in der Beschlussvorlage der Stadt.
Wie soll die Straße dann aussehen?
Die erhöhten Wege sollen in Zukunft nur den Fußgängern überlassen sein und zwei Meter breit sein. Die Radfahrer sollen in beide Richtungen Fahrstreifen erhalten. Diese sollen eine Breite von 2,10 Meter haben, sodass auch Lastenfahrräder genug Platz haben. Nur auf der Faldernbrücke ist das nicht möglich, da die Brückenbreite das nicht hergibt, so Malzahn. Die Parkplätze, die dadurch gegenüber den Stadtwerken an der Martin-Faber-Straße wegfallen, sollen im Anfangsbereich der Friedrich-Ebert-Straße ersetzt werden. Hier sollen vorhandene Parkplätze sinnvoller ausgerichtet werden, wodurch mehr Autos Platz finden.
Die Linksabbiegespur in die Friedrich-Ebert-Straße für den Autoverkehr soll wegfallen beziehungsweise ein Geradeaus-Linksabbiegefahrstreifen eingerichtet werden. Laut David Malzahn hätten aktuelle Messungen ergeben, dass pro Grünphase maximal zwei Fahrzeuge nach links in die Friedrich-Ebert-Straße abbögen. Und das im November, in dem mehr Leute mit dem Auto unterwegs seien sowie die Trogstrecke noch nicht wieder voll befahren werden kann. Demnach könne auf die Linksabbiegespur verzichtet werden, ohne Rückstaus zu erzeugen.
Wie teuer wird das Ganze?
Die Gesamtkosten des Vorhabens betragen 2.269.828 Euro. Allerdings: Es steht eine bis zu 60-prozentige Förderung in Aussicht. Seitens der Fördermittelstelle sei die geplante Maßnahme bereits positiv bewertet worden, ein Förderbescheid soll aber noch kommen. Heißt: Die Stadt Emden müsste einen Eigenanteil von 976.026 Euro tragen. Die Mittel sollen im investiven Haushalt des Bau- und Entsorgungsbetriebs (BEE) zur Verfügung gestellt werden.
Weil die Straße für die Sanierung komplett ausgekoffert werden muss, sind auch Kosten für Kampfmittel-Untersuchungen mit eingeplant, so David Malzahn. Das sei Standard. Sollte in dem Kontext etwas völlig Unvorhersehbares passieren, dann müsse man entsprechend neu planen.
Wann soll es losgehen?
Zunächst muss auch im Verwaltungsausschuss, dem zweitwichtigsten politischen Gremium nach dem Emder Rat, ein Beschluss für die Sanierung fallen. Der Ausschuss kommt am 2. Dezember zusammen. Wenn der positive Förderbescheid rechtzeitig vorliegt, dann könnte der Baubeginn bereits im März 2025 sein, so Malzahn. Die Baumaßnahme soll ohne Vollsperrung mit einseitiger Verkehrsführung und Ampelschaltung geplant werden.
Läuft alles nach Plan, wird die Bauzeit mit etwa neun Monaten kalkuliert. Zuzüglich eines Puffers für schlechtes Wetter wäre die Fertigstellung im April 2026 möglich, so der Stadtplaner.