Osnabrück  Sie haben geerbt, wollen aber keine Immobilie kaufen? So legen Sie große Geldmengen optimal an

Thomas Öchsner
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Von Thomas Öchsner
| 16.11.2024 09:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Strategien für kluge Anleger: Wie Sie Erbschaft, Versicherungssumme oder Abfindung sinnvoll nutzen können. Foto: IMAGO/Cavan Images
Strategien für kluge Anleger: Wie Sie Erbschaft, Versicherungssumme oder Abfindung sinnvoll nutzen können. Foto: IMAGO/Cavan Images
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Die richtige Geldanlage für große Summen: Ob als monatliches Zusatzeinkommen oder Mischung aus Festgeld und ETF-Investments, es gibt verschiedene Wege, um Kapital optimal zu nutzen. Mit diesen Expertentipps können Sie das meiste herausholen und gleichzeitig flexibel bleiben.

Eigentlich geht es um ein Luxusproblem: Ist die Lebensversicherung fällig, ein schöner Batzen Geld aus der Erbschaft überwiesen oder eine Abfindung ausbezahlt, stellt sich die Frage: Was tun mit 50.000 Euro, 100.000 Euro oder mehr Geld?

Eine gute Lösung für alle, die das Kapital nicht für eine Immobilienfinanzierung brauchen: Man kann große Summen in ein regelmäßiges Zusatzeinkommen umwandeln und gleichzeitig für das Geld Zinsen kassieren. Das kommt etwa für Jüngere infrage, die ihr vielleicht nicht ganz so üppiges Gehalt aufbessern wollen. Oder für Rentner und Pensionäre, die ihre Alterseinkünfte aufstocken müssen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Verwendet man das Geld für ein monatliches Zusatzeinkommen, ist die zur Verfügung stehende Summe irgendwann aufgezehrt. Daher sollten sich Anleger und Anleger überlegen, wie lange das Geld reichen soll und kann. Bis zur nächsten Gehaltserhöhung, dem Renteneintritt, bis zum Alter von 85 Jahren oder länger?

„Das hängt von der finanziellen Ausgangslage, den persönlichen Bedürfnissen und dem erreichten Alter ab“, sagt Merten Larisch, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bayern. Ist klar, wie viele Jahre das monatliche Zusatzeinkommen aufs Konto fließen soll, rät er, den Anlagebetrag durch die Zahl der gewünschten Auszahlungsmonate zu teilen.

„So bekomme ich ein Gefühl dafür, womit ich rechnen kann.“ Beispiel: 100.000 Euro, geteilt durch 240 Monate (20 Jahre), ergibt rund 417 Euro. So viel lässt sich jeden Monat entnehmen, bis die 100.000 Euro nach 20 Jahren aufgebraucht sind. Werden die 100.000 Euro zu 2,0 Prozent verzinst, wären es schon 505 Euro. Bei einer Laufzeit von 25 Jahren wären es gut 420 Euro monatlich.

Dabei wird ein bestimmter Betrag bei einer Bank oder Bausparkasse eingezahlt. Das Geld ist dort für eine feste Laufzeit von meist fünf bis maximal 30 Jahren gebunden, vorher kommt man nicht an das Geld heran. Das Geldinstitut verzinst das eingezahlte Kapital und überweist für die vereinbarte Laufzeit jeden Monat einen gleichbleibenden Betrag, bis das Kapital aufgebraucht ist.

Auszahlpläne lassen sich meist online ab einem Mindestanlagebetrag von 5.000 oder 10.000 Euro kostenlos abschließen. Stirbt der Einzahler oder die Einzahlerin während der Auszahlungsphase, steht das Geld den Hinterbliebenen zur Verfügung. Nachteil: Es gibt keine Zusatzrente bis zum Lebensende, sondern nur für die gewählte Laufzeit. „Dann muss ich einen Plan haben, wie ich die Zeit danach finanziere“, sagt Ralf Scherfling, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Die Anzahl der Geldhäuser, die solche Auszahl- beziehungsweise Entnahmepläne anbieten, ist auf wenige Geldinstitute beschränkt. Finanzexperte Larisch rät Kundinnen oder Kunden einer Volks- und Raiffeisenbank oder Sparkasse zumindest zu fragen, ob ihre Hausbank entsprechende Auszahlpläne anbietet. Es lohnt sich, Zinsen zu vergleichen. Beispiel: Die Gefa-Bank rückte Mitte Oktober bei einer Laufzeit von fünf Jahren noch 2,75 Prozent heraus, die Bausparkasse Mainz für dieselbe Laufzeit nur 1,75 Prozent (siehe Tabelle).

*Die Bank erhebt von Kunden, die älter als 27 Jahre sind, einen Beitrag von 5 Euro pro Monat. Stand: 14.10.2024; Quelle: Angaben der Anbieter

Zum gegenwärtigen Zinsniveau rät Larisch, „nicht alles auf eine Karte zu setzen“. Er empfiehlt Sparenden, denen Investments an der Börse zu riskant sind, einen Teil in Festgeld anzulegen und mehrere Auszahlpläne über verschiedene Laufzeiten abzuschließen.

Beispiel: Von 100.000 Euro fließen 60.000 Euro in Tranchen zu jeweils 20.000 Euro in drei Auszahlpläne zu Laufzeiten von fünf, zehn und 15 Jahren. Der Rest, 40.000 Euro, wird in vier Teilen à 10.000 Euro in Festgeld zu Laufzeiten von ein bis vier Jahren angelegt. So wären im Oktober mit den jeweils besten Anbietern in den ersten fünf Jahren rund 682 Euro monatlich als Zusatzeinkommen drin gewesen.

Hinzu kommen die Zinsen aus dem Festgeld, bei einer Durchschnittsverzinsung von 2,75 Prozent sind das einmal im Jahr weitere 1.100 Euro, vor Abzug von Kapitalertragsteuern. So bleiben Anlegende flexibel: Sie können sich das derzeit bestehende Zinsniveau sichern, zumal es mit den Sparzinsen weiter runtergehen könnte. Sollten die Zinsen in ein paar Jahren wieder anziehen, kann man das Festgeld in neue Auszahlpläne stecken. Bleiben die Zinsen auf dem gegenwärtigen Niveau oder sinken sie weiter, lässt sich das fällig gewordene Festgeld einfach wieder in Festgeld anlegen.

Von privaten Rentenversicherungen, die eine Zusatzrente bis zum Lebensende auszahlen, raten Verbraucherschützer wegen hoher Kosten und niedriger Renditen meist ab. Wer sich nicht mit den Tages- und Festgeldzinsen zufriedengeben und die besseren Renditechancen am Aktienmarkt nutzen will, kann Auszahlpläne und Festgeldanlagen mit einem Investment in kostengünstige börsennotierte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) kombinieren.

Die Stiftung Warentest rät, in Aktien-ETFs zu investieren, die die Kursentwicklung eines Weltindex nachbilden, wie der MSCI World. Dieser Index deckt einen Großteil der globalen Börsenwelt ab, da er der Kursentwicklung von gut 1.400 Aktien aus 23 Industrieländern folgt.

Um Geld in ETFs anzulegen, braucht man ein Depot. Das gibt es bei der Hausbank, es ist dort aber meistens relativ teuer. Gute und günstige Depots bieten laut Depottest von biallo.de etwa Neobroker wie „Smartbroker+“ oder Traders Place, aber auch Direktbanken wie die ING.

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