Akkermanns Ansichten  Ein Grund zu trauern

| 15.11.2024 08:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Johannes Akkermann
Johannes Akkermann
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411 Borkumer Namen finden sich auf den Gedenktafeln am Kriegerdenkmal. Kaum eine Familie ist dort nicht vertreten. Auch an diese Opfer wird am Volkstrauertag am 17. November gedacht.

Auf einer der Borkumer Gedenkfeiern zum Volkstrauertag wurde unter anderem der Name von Gerhard Akkermann verlesen. Das hätte seinen Bruder, meinen Vater, sehr berührt. Vielleicht hätte es ihm sogar geholfen, den Frieden für eines seiner wichtigsten Lebensthemen zu finden. Mein Onkel Gerhard Teerling Akkermann wäre am 3. Juli hundert Jahre alt geworden. Seine Mutter und seine Geschwister beschrieben ihn als einen musisch begabten, sensiblen und humorvollen Menschen. Er durfte nur 21 Jahre leben, weil er von einem menschenverachtenden Regime in einen verbrecherischen Krieg geschickt wurde. Er ist wahrscheinlich in einem Kriegsgefangenenlager bei Moskau verhungert.

Lange lebte die Familie in Ungewissheit über sein Schicksal aufgrund unterschiedlicher Angaben über Datum und Umstände seines Todes. 1948 wurde er für tot erklärt. Erst 1995 erfuhr der Rest der Familie über das Rote Kreuz das offizielle Sterbedatum 30.12.1945.

Das ist nur ein Borkumer Name von insgesamt 411 auf den Gedenktafeln am Kriegerdenkmal. Kaum eine Familie, die dort nicht vertreten ist. Bilanzen von Kriegen werden meistens in nüchternen Zahlen ausgedrückt, wie zum Beispiel 70 Millionen Getötete allein im 2. Weltkrieg. Diese Zahl besteht aus solchen Einzelschicksalen wie dem meines Onkels. Dazu kommt der unerträgliche Verlust für die Eltern, Geschwister, Partner oder Kinder – häufig mit Traumata bis in die nächste Generation.

Wunsch nach mehr Einsatz und Kreativität der Politik

Täglich verantworten die Kriegführenden in der Ukraine, im Nahen Osten oder anderswo weiterhin dieses menschliche Leid. Es mag sein, dass unter den derzeitigen realpolitischen Bedingungen Rüstung und Abschreckung geboten und vernünftig sind. Wegen unserer belasteten Geschichte sollte man das weiterhin Verteidigungsfähigkeit und nicht Kriegstüchtigkeit nennen. Gerade am Volkstrauertag gilt es dafür einzutreten, dass Frieden und Pazifismus immer noch ihre Berechtigung haben. Im Moment zwingen skrupellose Autokraten dem Rest der freien Welt die Form der Konfliktlösung auf. Militärische Siege werden diese Probleme nicht dauerhaft lösen, besonders nicht in Israel.

Mein naiver Wunsch zum Volkstrauertag ist, dass die Politik mehr Einsatz und Kreativität aufbringt, um das immer gleiche Muster von Gewalt und Gegengewalt zu durchbrechen. Das ist sie den Opfern der Kriege schuldig.

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