Volle Straßen, volle Kassen Wie Greetsieler Unternehmer vom Tourismus profitieren
Touristen beleben Greetsiel, doch nicht alle Greetsieler sind begeistert. Wir haben mit denen gesprochen, die auf die Gäste angewiesen sind und gefragt, wie‘s weitergeht.
Greetsiel - Touristen sorgen für volle Straßen in Greetsiel, aber auch für vollere Taschen bei den Unternehmern im Ort. Wie sehen sie die Tourismusdebatte in dem Fischerdorf? Wir haben bei einigen Greetsielern nachgefragt, die auf die Gäste angewiesen sind.
„Ich wohne mitten in Greetsiel“, sagt Jakob Jacobsen aus Greetsiel. Er bekomme daher mit, wie viele Touristen regelmäßig durch den Ort spazieren. Jacobsen ist der erste Vorsitzende des Fremdenverkehrsvereins Greetsiel und Umgebung und betreibt selbst eine Ferienwohnung im Herzen Greetsiels. In seiner Rolle beim Fremdenverkehrsverein geht es vor allem um den sozialverträglichen Tourismus in der Region, „damit auch zukünftige Generationen von Besuchern und Bewohnern die Krummhörn als eine attraktive Region erleben“.
„Jeder Gast ist bei uns willkommen“
Genau deshalb sei es ihm wichtig, dass auch weiterhin Urlauber „sein“ Greetsiel erleben können. „Den Gästen gefällt es hier im Ort wirklich gut, höre ich immer wieder“, so Jacobsen. Es sei eben besonders schön in Greetsiel und das würde viele Leute anziehen. „Es gibt hier ja auch tolle Sachen“, sagt Jacobsen. Der Spielplatz für die Kinder und der Hundeplatz zum Beispiel kämen bei den Gästen sehr gut an. Und diese Zufriedenheit der Gäste wolle man als guter Gastgeber natürlich weiterhin so halten, so Jacobsen. „Jeder Gast ist bei uns willkommen.“
Aber: Die Anzahl der Touristen in Greetsiel sei nach seinem Befinden angestiegen, so Jacobsen. „Das sind hauptsächlich die Tagestouristen“, sagt er. Er könne durchaus verstehen, dass die Anzahl der Touristen von manchen Einheimischen als störend empfunden wird. „Ich weiß auch von einigen Älteren im Dorf, dass sie sich an besonders vollen Tagen eher weniger für die Tür wagen“, sagt er. Deswegen wünsche er sich, dass man die Anzahl der Tagestouristen ein wenig reguliere.
Ohne Tourismus keine Infrastruktur im Ort
„Den Masterplan oder die magische Lösung kenne ich leider auch nicht“, sagt Jacobsen. Aber es müsse sich etwas ändern: „Einen goldenen Mittelweg muss man irgendwie finden.“ Denn auf die Touristen zu verzichten, sei keine Option, so der Greetsieler. „Der Tourismus gehört zu Greetsiel, Greetsiel lebt vom Tourismus“, findet er. Ohne den Zulauf durch Urlauber sehe die lokale Wirtschaft nämlich ganz anders aus, so der Vorsitzende des Fremdenverkehrsvereins. „Ich kenne keinen Einzigen hier im Ort, der nicht vom Tourismus in irgendeiner Form profitiert, das darf man nicht vergessen“, so Jacobsen. Denn: „Hätten wir die Touristen nicht, dann hätten wir auch die Infrastruktur hier in Greetsiel nicht. Das ist ein Geben und Nehmen.“
„Der Tourismus fördert natürlich die Infrastruktur“, sagt auch Eduard Poppinga. Er betreibt die freie Tankstelle in Greetsiel, zusätzlich hat er noch einen Fahrradverleih. „Ohne die Gäste wäre nichts los hier“, sagt er. „Dann gäbe es hier keinen Arzt, keinen Supermarkt, keine Apotheke.“ Man müsse sich nur einmal in anderen Dörfern der Krummhörn umschauen, um zu sehen, wie ruhig es ohne den Tourismus wäre. Und Greetsieler wie Poppinga mit seiner Tankstelle und dem Fahrradverleih leben eben von den Einnahmen der Urlaubsgäste. Außerdem gibt es dank der Tourismusbranche auch viel mehr Arbeitsplätze in dem Fischerdorf, als es sonst der Fall wäre, sagt Poppinga.
Stinkstiefel gibt es nicht nur in Greetsiel
Die Kehrseite sei dann nun mal, dass es gerade in der Hauptsaison schon sehr voll werde im Ort, sagt Poppinga. „Aber wenn ich früh halb acht durch den Ort zur Arbeit laufe, dann ist es ja meist noch nicht so voll und wenn ich abends wieder zurücklaufe, dann geht es auch“, so Poppinga. Und wenn es doch mal viel zu voll wird, dann probiere er trotzdem, besonnen zu bleiben. „Manchmal denke ich mir auch, dass man einfach tief durchatmen müsste. Dann bin ich eben zwei Minuten länger zur Bank unterwegs“, so der Greetsieler.
Es sei zwar nicht immer alles rosig mit den Gästen, sagt auch Poppinga. Hin und wieder habe er mit unfreundlichen Gästen zu tun, was dann durchaus für Unmut sorgt. Aber „98 Prozent der Gäste“ seien wirklich nett, sagt Poppinga. „Ab und zu hat man vielleicht mal einen Stinkstiefel dazwischen, aber die gibt es schließlich überall, nicht nur in Greetsiel.“
Ebenso wie Jakob Jacobsen vom Fremdenverkehrsverein finde auch er es wichtig, dass der Tourismus in Greetsiel weiterhin erhalten bleibt, wenn auch mit einer gesunden Steuerung der Massen durch Verwaltung und Politik. Wie diese Steuerung aussehen könnte, wird momentan noch diskutiert. Ende Oktober hatte die Gemeinde Krummhörn um Verwaltungschefin Hilke Looden (parteilos) ein erstes Konzept zur zukünftigen Entwicklung von Ferienwohnungen in Greetsiel vorgestellt. Demnach soll es nun erstmal darum gehen, bestehende, aber nicht genehmigte Ferienwohnungen offiziell zu genehmigen. Dafür ist eine Nutzungsänderung notwendig, da viele Ferienwohnungen in Greetsiel zu einer Zeit entstanden, in der das Ferienwohnen in den Bauplänen noch nicht rechtlich festgelegt war. Aber seit 2017 ist das Pflicht, auch in Greetsiel. Im nächsten Schritt wolle man dann schauen, ob und in welchen Gebieten im Ort überhaupt noch freie Kapazitäten für neue Objekte zum Ferienwohnen existieren.