Prozess in Aurich 46-Jähriger soll Ex-Frau vergewaltigt haben
Ein 46-jähriger Bottroper steht vor dem Auricher Landgericht. Ihm wird vorgeworfen, seine Ex-Frau in ihrer Emder Wohnung vergewaltigt zu haben. Der Prozess enthüllt ein komplexes Familiendrama.
Aurich/Emden - Hat ein 46-jähriger Bottroper seine Ex-Ehefrau in deren Emder Wohnung vergewaltigt? Damit beschäftigt sich seit Montag, 11. November 2024, das Auricher Landgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, die Geschädigte im März 2022 bei einem Videotelefonat unter Hochheben eines Messers mit dem Tode bedroht zu haben. Anfang November 2022 soll er sie bei einem Aufenthalt in ihrer Emder Wohnung nachts ins Wohnzimmer zitiert und vergewaltigt haben. Der Angeklagte bestritt die Taten wortreich, so dass seine Einlassung drei Stunden dauerte.
Die Geschädigte hüllte sich in Schweigen. Sie hat die Vorfälle angezeigt, wollte aber nun ihre Anzeige zurückziehen. Das machte sie gleich zu Beginn der Sitzung deutlich. Eine schwarze Sichtschutzwand, die aufgestellt wurde, um die 43-Jährige vor dem Angeklagten abzuschirmen, benötigte sie nicht. Ihr Ex-Mann, der inzwischen in der Nähe von Frankfurt bei seinem Bruder wohne, würde wegen der Verhandlung ohnehin bei ihr übernachten, erklärte sie.
Frau verliebte sich in einen anderen Mann
Das Paar hatte 2005 geheiratet. Sie haben zwei Töchter im Alter von 16 und zwölf Jahren sowie einen 14-jährigen Sohn. Sie hat schon mehrfach wegen Schlägen und Bedrohungen gegen ihren Ex-Mann Anzeige erstattet. Dreimal soll sie durch seine Prügeleien ein Kind während der Schwangerschaft verloren haben. Das ging aus den Akten hervor.
Die Frau soll sich schließlich neu verliebt haben. 2019 hat sie sich von ihrem Mann getrennt. In Emden ist sie 2021 mit den Kindern zunächst in ein Frauenhaus gegangen. Sie reichte die Scheidung ein. Im Oktober 2023 war der Scheidungstermin. Seither soll sich der Mann mindestens einmal im Monat bei seiner Familie in Emden aufhalten.
„Die sexuelle Beziehung haben wir immer noch“
„Er ist wirklich gefährlich“, sagte der Angeklagte über den neuen Partner seiner Frau, und im Verlauf seiner Einlassung wiederholte er das mehrfach. Dieser habe ihn schwer beleidigt und mit ihm Streit angefangen – „ich habe mich nur verteidigt“.
Ob er sich in seiner Ehre gekränkt gefühlt habe, weil seine Frau untreu gewesen sei, fragte die Vorsitzende Richterin Dr. Fuchs. Das wies der Angeklagte von sich. Er wisse, seine Frau habe mit ihm keine sexuelle Beziehung, er sei nur ein guter Freund. „Die sexuelle Beziehung haben wir immer noch“, betonte der Angeklagte.
Angeklagter streitet Vergewaltigung ab
Zu dem Vergewaltigungsvorwurf erklärte er: „Ich habe mit meiner Frau im Schlafzimmer geschlafen.“ Sie hätten jedes Mal, wenn er in Emden zu Besuch sei, Sex. Gestern auch. Von wem das ausgehe, wollte die Richterin wissen. „Wir unterhalten uns, knutschen, und dann geht es los“, meinte der Angeklagte. Man habe eine ganz normale Beziehung. Sie habe auch geweint, und gesagt, sie werde ihn wieder heiraten.
Ihre Affäre würde ihn nicht stören. „Ich würde ihr verzeihen“, sagte er. Sie wolle, dass er als Vater für die Kinder da sei, und habe versprochen, keinen Kontakt mehr zu dem anderen Mann aufzunehmen. Ihre Dreizimmerwohnung in Emden habe kein Wohnzimmer, führte er an. Es würde als Schlafzimmer seines Sohnes genutzt, dort stehe dessen Bett.
„Er hat mich geschlagen und bedroht“
Die Frau machte von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. „Sie will nichts sagen“, übersetzte ihr Dolmetscher. Dr. Fuchs verwies auf den Beschluss des Bundesgerichtshofs, man könne in einem solchen Fall das eineinhalbstündige Video ihrer Vernehmung vor dem Amtsrichter anschauen. Auf einem großen Monitor im Gerichtssaal wurde es abgespielt, wenn auch in schlechter Tonqualität.
„Es begann 2019, er hat mich geschlagen und bedroht“, erzählte die Frau damals. Sie habe einen Freund gehabt. Er habe heimlich mit einer Überwachungskamera von ihrem Geschlechtsverkehr ein Video gemacht und in der Familie und der Religionsgemeinschaft verschickt. 2021 sei sie nach Emden gegangen. Die Kinder würden weinen und sagen, sie brauchen ihren Vater. Bei seinem Besuch im November 2011 habe sie auf einer Matratze im Mädchenzimmer geschlafen. Er habe sie geweckt, um im Wohnzimmer mit ihr zu reden. Er habe gesagt, er könne nicht ohne sie sein: „Ich habe angefangen zu weinen, und er hat mich vergewaltigt.“
Prozess wird fortgesetzt
Zu dem Vorfall mit dem Videotelefonat meinte der Angeklagte, er habe in der Küche Gemüse geschnitten und mit seinem Sohn telefoniert. Der habe ein Plastikschwert hochgehalten. Da habe er aus Spaß sein Messer hochgehalten.
Der Prozess wird am 25. November ab 9 Uhr in Saal 116 beendet.