Drogen in der Nordsee Wurde die Tonne Kokain bei Wangerooge gestohlen?
Bei den Hintermännern hat die geplatzte Übergabe von einer Tonne Kokain bei Wangerooge für Aufregung gesorgt – das wurde im Prozess gegen eine Kutterbesatzung deutlich. Bald gibt es ein Urteil.
Oldenburg/Wangerooge - Der Tipp an das Bundeskriminalamt (BKA) kam von der US-amerikanischen Drogenbekämpfungsbehörde DEA. Am 28. Februar 2024 sei ein Stückgutfrachter von Santos in Brasilien mit Ziel Hamburg losgefahren. Ein „Netzwerk krimineller Partner“ werde dafür sorgen, dass vor der deutschen Küste rund eine Tonne Kokain in die Nordsee geworfen und dann von einem Kutter aufgelesen werde. Dieser transatlantische Drogenhandel auf dem Seeweg ist den Ermittlern in Europa durchaus bekannt und wird „drop off“ genannt. Am Ende führte der Tipp der US-Behörde dazu, dass sich jetzt zwei Männer vor dem Oldenburger Landgericht verantworten müssen.
Nach dem Hinweis aus den USA hatten die deutschen Ermittler Kutter in Cuxhaven beobachtet. Dort lief dann Mitte März ein Boot mit einem niederländischen Kapitän mit einer zweiköpfigen Crew aus. Anfangs wurden noch Schiffsbewegungen beobachtet, die danach aussahen, als sei der Kutter auf Krabbenfang. Dann wurde an Bord das sogenannte Automatische Identifikationssystem (Automatic Identification System, AIS) abgeschaltet.
Drogen sind verschwunden
Nach Beobachtungen und Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes soll die Besatzung des Kutters am 19. März 2024 versucht haben, die rund eine Tonne in seefesten Paketen verpackten Drogen, die von dem Stückgutfrachter aus Brasilien ins Meer geworfen worden waren, aufzunehmen. Doch die beiden Schiffe verpassten sich trotz hektischer Telefonate und Telefonnachrichten am Übergabeort östlich von Wangerooge. Anfangs war von Spiekeroog die Rede gewesen. Das wurde aber im Laufe des Verfahrens korrigiert.
So geht es weiter
An diesem Dienstag, 12. November 2024, wird der Prozess am Oldenburger Landgericht ab 11 Uhr mit den Plädoyers von Staatsanwalt Matthias Rennecke sowie den Verteidigern der Angeklagten fortgesetzt. Ob es an diesem Tag Urteile geben wird, ist unklar. Der Vorsitzende Richter der Ersten Großen Strafkammer, Michael Sievers, setzte deshalb einen weiteren Prozesstag für Dienstag, 26. November 2024, um 9.30 Uhr an.
Die Kutterbesatzung brach die Suche nach Einbruch der Dunkelheit ab. Sie wurde am selben Abend gegen 22 Uhr von den deutschen Ermittlern festgenommen. Der Stückgutfrachter, dessen Zielhafen nicht Hamburg, sondern Brake in der Wesermarsch war, wurde später durchsucht. Zwar wurden dabei keine Drogen gefunden, aber ein Taucheranzug. Nach einem Hinweis von den brasilianischen Behörden wurde der Stückgutfrachter noch einmal im italienischen Ravenna durchsucht. Und diesmal fand ein Taucher eine Seekiste, die unter dem Schiff angebracht war, mit 150 Kilogramm Kokain – sauber abgepackt in Wasser abweisenden Paketen. Das Kokain, das an der deutschen Küste in die See geworfen worden sein soll, ist bis heute verschwunden. Nach Angaben des BKA hätte es in Deutschland und in den Niederlanden einen Verkaufswert zwischen 28 und 31 Millionen Euro.
Zusammenhang mit Borkumer Fund?
Nun müssen sich seit dem 8. Oktober 2024 der Kutterkapitän und ein 46-Jähriger im Landgericht Oldenburg wegen Drogenhandels und gemeinschaftlicher Einfuhr verantworten. Beide sitzen in Untersuchungshaft. Gegen das dritte Crewmitglied, einen 48-Jährigen, soll gesondert verhandelt werden. Während der 50-jährige Kapitän die Tat abstreitet, gab der 46-Jährige zu, dass er von einem „Bekannten eines Bekannten“ für 10.000 Euro angeheuert worden war, um das Kokain zu orten und an Bord zu holen.
Am vergangenen Freitag, 8. November 2024, wurde in Oldenburg noch mal ein BKA-Ermittler befragt. Außerdem wurden Telefonnachrichten vorgelesen, die gefunden worden waren, oder die niederländische Ermittler dem BKA übermittelt hatten. Danach sorgte die geplatzte Drogenübergabe bei Wangerooge bei den Hintermännern, die sich mit „Brother“ oder „Bro“ ansprachen, für große Aufregung. Und nicht nur das: Anscheinend mutmaßen einige, hereingelegt worden zu sein, weil die Drogen verschwunden sind. Eine BKA-Beamtin hatte am zweiten Verhandlungstag ausgesagt, dass die Ermittler davon ausgehen, dass die aneinander gebundenen Drogenpakete eventuell von einem anderen Schiff aus dem Meer gefischt oder überfahrenen wurden. Jedenfalls sollen die angespülten Drogen, die im April 2024 am Borkumer Strand entdeckt worden war, nicht dazu gehören.
Mit Material von DPA