Osnabrück Mieses Quartal: So stehen die deutschen Autobauer im Moment da
Als mit Abstand größter Autobauer Deutschlands steht Volkswagen im Fokus der Krise in der Autoindustrie – aber auch die Konkurrenz gerät zunehmend ins Schleudern. Ein Überblick.
Die jüngsten Quartalszahlen belegen eindrücklich, dass die Krise in der Autoindustrie längst nicht auf Volkswagen beschränkt ist. Absatzzahlen und Gewinne gehen fast überall nach unten. Und ein zentrales Problem haben alle deutschen Autobauer gemeinsam – bis auf einen.
VW: Eigentlich waren die Voraussetzungen für 2024 nicht die schlechtesten: Im Vorjahr hatte die Volkswagen-Gruppe noch 322 Milliarden Euro umgesetzt und 22,6 Milliarden Euro Gewinn gemacht - und damit die auch schon sehr guten 2022er-Zahlen noch übertroffen. Auch die Kernmarke hatte sich 2023 beim Absatz, Umsatz und im Ergebnis – plus 80 Prozent auf 7,3 Milliarden Euro – deutlich steigern können.
In diesem Jahr ging es dagegen steil nach unten. Zwar ist der Umsatz in den ersten neun Monaten des Jahres relativ stabil geblieben, allein im dritten Quartal sank aber der Konzerngewinn nach Steuern um satte 64 Prozent auf 1,58 Milliarden Euro ab. Von der ursprünglich geplanten Umsatzrendite von 6,5 Prozent hat sich VW längst verabschiedet.
Die Gründe für die Schieflage bei VW sind vielfältig. Seine Position auf dem chinesischen Markt bricht dem Konzern weg, die Modellpalette kann mit der Konkurrenz technisch kaum mithalten – und die geringe Auslastung der Werke ist zwar bei so gut wie allen europäischen Autobauern ein Problem, trifft den Volumenhersteller VW wegen der ohnehin geringeren Margen allerdings härter. Der scharfe Sparkurs des Vorstands ist somit auch als Eingeständnis zu sehen, dass auf der Einnahmen-Seite bis auf Weiteres wenig Besserung zu erwarten ist.
BMW: Auch für die Bayern, die in diesem Jahr lange relativ gut dastanden, lief das dritte Quartal mit einem Gewinnrückgang um 84 Prozent miserabel. Eine große Rolle spielten dabei Probleme mit Bremssystemen, die nicht nur einen großangelegten Rückruf erforderten, sondern auch die Auslieferung von Hunderttausenden Fahrzeugen verzögerte. Zudem sackt der Absatz in China ab, was zum Teil ebenfalls auf die Bremsen-Probleme zurückzuführen sei, hieß es.
Erfolgreich ist dagegen weiterhin die E-Auto-Strategie der Münchner: Jeder sechste verkaufte BMW ist elektrisch betrieben. Dadurch steht der Konzern bei den 2025 sinkenden CO₂-Grenzwerten deutlich weniger unter Druck als die Konkurrenz.
Für das Gesamtjahr erwartet BMW bereits seit längerem einen Rückgang bei Umsatz und Gewinn, der im letzten Jahr noch 17,1 Milliarden betrug. Dennoch wird eine Marge von 6 bis 7 Prozent angepeilt. Für 2025 verspricht sich BMW viel von den Modellen der „Neuen Klasse“, die nichts weniger als eine „neue Ära“ für den Autobauer einläuten solle, wie es vom Konzern heißt.
Mercedes: Die Konzentration auf hochpreisige Modelle brachte Mercedes in den vergangenen Jahren solide Umsätze und Gewinne. Dass die Wirtschaftsflaute, die auch in China herrscht, die Zahlen im Premiumsegment nach unten drückt, ist daher wenig überraschend; dass der Gewinn im vergangenen Quartal aber gleich um die Hälfte auf 1,7 Milliarden Euro absackte, hatte kaum jemand erwartet.
Von den Traummargen vergangener Jahre – 2023 galt Mercedes mit knapp 13 Prozent als profitabelster Autokonzern der Welt – sind die Schwaben mit zuletzt 4,7 Prozent weit entfernt. Viel Geld floss demnach in Rabatte und Zuschüsse, um die Absatzzahlen zu stabilisieren. Ihre Prognose für das Gesamtjahr 2024 haben die Stuttgarter längst revidiert; mit der nun noch erwarteten Gewinnmarge von rund 8 Prozent stünden sie aber immer noch vergleichsweise solide da.
Audi: Auch die Ingolstädter hat es zuletzt hart getroffen: Im dritten Quartal stürzte der Gewinn um nicht weniger als 91 Prozent ab, die VW-Premium-Tochter verkaufte 16 Prozent weniger Autos. Als Folge peilt der Vorstand den Abbau von 4500 Stellen an, will aber im Gegensatz zu VW an der Beschäftigungsgarantie bis 2029 noch nicht rütteln.
Audi hatte in diesem Jahr unter anderem mit Problemen in der Teile-Lieferung zu kämpfen, vor allem aber mit dem schwachen China-Geschäft. Auch schlagen Rückstellungen für die Schließung des Brüsseler Werks im kommenden Jahr zu Buche, wo bislang der elektrische Q8 gebaut wurde, der sich aber nur schleppend verkauft. 2024 hofft der Konzern dennoch auf eine Gewinnmarge zwischen 6 und 8 Prozent, für 2025 setzt er auf die laufende Modelloffensive und Effizienzgewinne durch die neue Produktionsplattform PPE.
Porsche: Selbst der Klassenprimus der VW-Familie hatte im vergangenen Quartal zu kämpfen: Umsatzrückgang um 5,2 Prozent, Ergebnisrückgang um 26,7 Prozent. Auch die Sportwagenschmiede steckt in der China-Klemme, dort sank der Absatz um 29 Prozent. Außerdem belasteten Modellwechsel und Zulieferprobleme die Bilanz, hieß es aus Stuttgart. Dafür läuft es auf dem deutschen Markt runder: Hier konnte Porsche den Absatz in den ersten neun Monaten des Jahres um 8 Prozent steigern. Die Umsatzrendite lag im selben Zeitraum bei 14,1 Prozent. Das Jahresziel von bis zu 40 Milliarden Euro Umsatz und bis zu 15 Prozent Gewinnmarge soll trotz der Probleme erreicht werden.
Opel: Der einzige ursprünglich deutsche Autobauer, der unter dem Dach eines ausländischen Konzerns steht, zeigt sich zumindest auf dem Heimatmarkt robust: Hierzulande konnten die Rüsselsheimer den Pkw- und Transporterabsatz allein im Oktober um 16,7 Prozent steigern, teilte die Opel-Mutter Stellantis mit. Der wiederum geht es weniger gut: Der Multi-Marken-Konzern, zu dem etwa auch Citroën, Peugeot oder Fiat gehören, lieferte im vergangenen Quartal ein Fünftel weniger Autos aus und machte mit 33 Milliarden Euro ein Viertel weniger Umsatz.
Es liegt eine gewisse Pointe darin, dass Opel, das sich bislang aus dem China-Geschäft weitgehend herausgehalten hat, während alle anderen dort Geld scheffelten, nun vergleichsweise solide dasteht. Solide genug, dass der Traditions-Autobauer in den kommenden Jahren doch noch den Sprung nach Fernost wagen will – dann übrigens als reine E-Marke.
(Mit Material von dpa)