Emden traut sich Grundschule wird für 17 Millionen Euro zu Vorzeigeprojekt
Die Stadt Emden traut sich trotz Krisen: Noch dieses Jahr beginnt ein Schulumbau der Superlative. Was bekommt man für rund 17,3 Millionen Euro?
Emden - Jetzt soll es ganz schnell gehen: Die Arbeiten an der größten Grundschule in Emden könnten noch in diesem November starten. Es geht um die Westerburgschule im Stadtteil Borssum. Schon 2021 beschloss die Emder Politik, dass die Schule, die zwei Standorte hat, am neueren Gebäude am Aeilt-Frese-Weg erweitert und saniert werden soll. Im November könnten nun die ersten vorbereitenden Maßnahmen erfolgen, Ende des Jahres vielleicht sogar schon Erdarbeiten beginnen, sagte Marten Ulpts bei einem Pressetermin am Freitag, 8. November. Die Auricher Ulpts Architekten GmbH ist für die Planung des Projekts zuständig.
Dass es so lange vom Beschluss bis zum Baubeginn dauert, ist für Laien sicher schwer zu verstehen. Aber: „Bei einem Projekt der Größenordnung kann die Stadt nicht einfach losziehen und einen Architekten beauftragen“, erklärte Ulpts. Nach dem politischen Beschluss gehe es in die aufwendigen Ausschreibungen, also Aufrufe an Firmen, sich für die unterschiedlichen Arbeiten zu bewerben. Auch wolle man ein solches Vorhaben nicht über Knie brechen. „Wir haben nach dem Beschluss keine Zeit verloren“, betonte auch Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos).
Wann geht nun was los?
Wenn Ende des Jahres bereits die Baustellen-Zuwegung angegangen werden kann und vielleicht sogar bereits Erdarbeiten beginnen können, sollen im ersten Quartal 2025 die Hauptbauarbeiten für den Neubau starten, so Ulpts. In Emden üblich muss gerammt werden für die Tiefgründung. Die rund 300 Schülerinnen und Schüler werden für den Zeitraum der Bauarbeiten weiterhin in dem aktuellen Neubau aus den 1970er-Jahren sowie dem Altbau unklaren Alters unterrichtet. Ein provisorischer Haupteingang und Pausenhof sollen eingerichtet werden.
Fürs zweite Quartal ist dann die Grundsteinlegung für den Neubau geplant. Die Arbeiten am Rohbau und der Gebäudehülle sollen in dem Jahr abgeschlossen werden. Damit wäre dann der für Schüler und Anwohner störendere Abschnitt erledigt. Der Innenausbau würde dann 2026 erfolgen und im vierten Quartal auch abgeschlossen sein. Danach könnten die Schüler ihre neuen Unterrichtsräume beziehen und die Sanierung des älteren Gebäudes beginnen. Ein Zeitplan dafür stehe noch nicht, so Ulpts. Aber: Die Planung werde parallel zu den Bauarbeiten laufen und man wolle dann nahtlos mit der Sanierung des Bestandes anknüpfen.
Wie soll die neue Schule aussehen?
Im Neubau, der direkt an den jetzigen Haupteingang anschließt, sollen in Zukunft alle Unterrichtsräume auf zwei Etagen untergebracht sein. Insgesamt sollen rund 2600 Quadratmeter neue Nutzfläche in zwei Gebäudetrakten, auch als Cluster bezeichnet, entstehen. Jedes Cluster erhält moderne Klassen- und Gruppenräume, Inklusionsräume sowie eine Mehrzweckfläche in der Mitte. Etwa 14 reguläre Unterrichtsräume sowie Räume für Sondernutzungen sollen dadurch entstehen, sagte Schulleiterin Silvana Jung. Der Neubau soll energieeffizient sein, unter anderem durch eine Photovoltaikanlage, eine wärmedämmende Gebäudehülle aus Holz sowie eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, erklärte Ulpts-Projektleiter Thomas Kuske. Das Dach soll begrünt sein.
Im älteren Gebäude wären nach Abschluss der Arbeiten unter anderem die Verwaltung, Lehrerzimmer, Fachräume und die Mensa untergebracht. Die Pausenhalle soll aufgewertet werden – durch eine neue Deckenbeleuchtung und eine Sitztreppe. Durch letztgenannte soll die Halle auch besser für Veranstaltungen genutzt werden können, so Kuske. Nach Fertigstellung der Gesamtmaßnahme sollen etwa 5000 Quadratmeter Nutzfläche in der Schule zur Verfügung stehen.
Was kostet das Ganze?
Aktuell sind rund 17,3 Millionen Euro eingeplant für den Neubau und die Sanierung des Altbestands, sagte Freia Visser vor Ort. Sie ist Betriebsleiterin des städtische Gebäudemanagements (GME). Das Geld sei bis 2027 im Stadthaushalt eingeplant. Von Bund und Land gebe es nur eine geringfügige Förderung. Bis 2026 sollen Kommunen den vom Bund beschlossenen Anspruch jedes Kindes auf eine Ganztags-Grundschule umsetzen. Heißt: Grundschulen müssen zum Teil umgebaut werden.
Die Förderung aber, die die Stadt anfangs hoffnungsvoll mit rund 80 Prozent kalkuliert hatte, war schließlich mit zehn Prozent deutlich niedriger ausgefallen, so Visser. Dazu müsse man aber einräumen, so Tim Kruithoff, dass man bei der Westerburgschule, die bereits ein Ganztagsangebot hat, im Bestand saniere. Zum Vergleich: 2019 hatte die Stadtverwaltung noch mit „nur“ etwa 6,5 Millionen Euro für den Erweiterungsbau der Westerburgschule gerechnet.
In der Politik sei man sich einig, dass kräftig in den Schul-Bestand investiert werden muss, sagte GME-Ausschuss-Vorsitzender Alexander von Gliszczynski (FDP). Über Jahrzehnte sei „genug kaputt gespart worden“. Gleichzeitig gebe es in allen 18 Emder Schulen mit gut 1400 Unterrichtsräumen viele Herausforderungen, sagte Schulausschuss-Vorsitzende Doris Kruse (SPD). „Schön, dass dieses Vorzeigeprojekt jetzt vorankommt“, sagte sie über die Westerburgschule.
Was passiert mit dem Altbau?
Zunächst werde der Altbau während der Bauarbeiten noch als Standort gebraucht, so Kruithoff. Für die Zeit danach habe man das Gebäude beispielsweise der Freien Grundschule Emden, die derzeit in einer Container-Lösung im Stadtteil Barenburg untergebracht ist, angeboten. Von der Seite sei der Vorschlag aber derzeit nicht als optimale Lösung gesehen worden, insbesondere weil es bis zur Nutzung noch dauert. Die Freie Grundschule brauche schneller neue Räume.
Wenn es für 2027 absehbar sei, wie sich die Preise in der Baubranche entwickeln, könne man über eine Sanierung nachdenken, so Kruithoff. Über eine Nachnutzung könne man diskutieren, aber auch über einen Verkauf. Pflegeheim, Wohnungen, Kita – mehrere Nutzungsmöglichkeiten waren schon im Gespräch. Das Gebäude sei nicht denkmalgeschützt, so Kruithoff. Es gehöre aber zum alten Dorfkern und es wäre schön, wenn es erhalten bleiben könnte, meinte er.