Hannover/Kiel  Karte zeigt: In diesen Cannabis Social Clubs darf bereits legal Gras angebaut werden

Christopher Chirvi
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Von Christopher Chirvi
| 08.11.2024 18:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Fast 30 Social Clubs im Norden haben inzwischen Lizenzen zum gemeinsamen Anbau von Cannabis erhalten. Foto: Friso Gentsch/dpa
Fast 30 Social Clubs im Norden haben inzwischen Lizenzen zum gemeinsamen Anbau von Cannabis erhalten. Foto: Friso Gentsch/dpa
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Seit Juli dürfen Cannabis-Anbauvereine, sogenannte Social Clubs, in Deutschland Lizenzen für den gemeinsamen Anbau beantragen. Dabei werden die Genehmigungen in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich schnell erteilt. So ist die Situation in Niedersachsen.

Anfang November war es so weit – erstmals hat ein Cannabis Social Club in Deutschland legal angebautes Cannabis ausgegeben. Rund 100 der insgesamt 500 Mitglieder des Clubs im niedersächsischen Ganderkesee bei Oldenburg waren zur ersten Ausgabe erschienen.

Und Ganderkesee ist nicht der einzige Ort in Niedersachsen, an dem künftig legal Cannabis erhältlich sein wird. Mittlerweile haben 55 Vereine bei der Landwirtschaftskammer des Landes die Zulassung für den Anbau von Cannabis beantragt. Davon seien bislang 20 genehmigt und sechs abgelehnt worden, wie ein Sprecher der Kammer in Oldenburg mitteilte.

Anlass für die Ablehnungen seien häufig nicht erfüllte Auflagen zum Gesundheits- und Jugendschutz, etwa ein zu geringer Abstand zwischen der geplanten Cannabis-Ausgabestelle und einer Schule oder einem Spielplatz, heißt es von der Kammer. „Wenn die beanstandeten Mängel beseitigt sind, hat die betroffene Anbauvereinigung die Möglichkeit, einen weiteren Antrag zu stellen“, so der Sprecher.

„Niedersachsen ist mit Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) absoluter Vorreiter, was die Genehmigungen der Anbauvereine angeht“, sagt Georg Wurth von der Interessenvertretung Hanfverband gegenüber unserer Redaktion. „Dort hat man verstanden, dass die Vereine wichtig sind für eine sichere Versorgung der Konsumenten und das Verdrängen des Schwarzmarktes. Das zeigt die Zahl der genehmigten Vereine, aber auch das Feedback, das wir von Vereinen in Niedersachsen bekommen.“

Etwas übersichtlicher sieht die Situation in den anderen norddeutschen Bundesländern aus. Während zunächst auch in Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg die ersten Vereine eine Genehmigung erhalten haben, Cannabis an ihre Mitglieder auszugeben, musste man in Schleswig-Holstein etwas mehr Geduld haben. Anfang Dezember wurden aber auch dort die ersten zwei Genehmigungen erteilt.

„Das Gesetz ist einfach handwerklich so schlecht gemacht, dass es in den Ländern überhaupt nicht umsetzbar ist“, sagte der schleswig-holsteinische CDU-Ministerpräsident dem Deutschlandfunk vor dem Inkrafttreten des Cannabisgesetzes.

Inzwischen sind 15 Anträge (Stand 5. Dezember) im nördlichsten Bundesland eingegangen, wie eine Sprecherin des Verbraucherschutzministeriums in Schleswig-Holstein auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt. Neben den zwei Genehmigungen wurde einer abgelehnt und einer zurückgezogen. Die restlichen elf würden jetzt bearbeitet.

Mit der Umsetzung des Cannabisgesetzes (CanG) seien die Länder ein großes Stück weit allein gelassen worden, kritisierte Benett-Sturies, Staatssekretärin des Kieler Landwirtschaftsministeriums, gegenüber der dpa. „Es gibt noch nicht einmal eine klare Ressortzuordnung.“ Zudem seien zahlreiche Begriffe, wie etwa der der Sicherheit, im Gesetz nicht hinreichend konkretisiert worden und ließen Raum für Interpretationen. 

Unter der Leitung von Hamburg gibt es laut Benett-Sturies eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe, die Verbesserungsvorschläge der Länder bündelt. „Für Schleswig-Holstein ist eine Evaluierung zur Umsetzung des Gesetzes vorgesehen“, erklärte die Staatssekretärin.

Bundesweit hatten sich laut einer Umfrage des Spiegel (Stand 10. Oktober) 361 Vereine um eine Lizenz zum Cannabisanbau beworben, lediglich 29 Vereine haben zu dem Zeitpunkt eine bekommen – mehr als die Hälfte davon in Niedersachsen.

Dieser Artikel ist erstmals im November 2024 erschienen und wurde mit aktuellen Daten aktualisiert.

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