Ausbildung auf Borkum Junge Borkumer entdecken Jobs auf der Insel
Die Inselschule und der Rotary Club haben die erste Berufsorientierungsmesse auf Borkum organisiert. Ihr Ziel: Jungen Borkumern die Jobperspektiven auf der Insel aufzuzeigen.
Borkum - In der großen Turnhalle der Inselschule ist am Donnerstag, 7. November 2024, viel los. 15 Unternehmen haben für die erste Berufsorientierungsmesse auf Borkum ihre Stände aufgebaut, und 120 Schülerinnen und Schüler laufen in der Turnhalle umher. Gruppen oder auch einzelne Schüler ziehen von Stand zu Stand und unterhalten sich interessiert mit den Unternehmen aus dem Einzelhandel, der öffentlichen Verwaltung oder der Hotellerie. Zwei davon sind Joris Nolte und Jarne Ohlsen. Sie sind 15 Jahre alt und besuchen die zehnte Klasse der Inselschule.
Beide wissen schon, was sie beruflich machen wollen, finden die Veranstaltung aber trotzdem sehr gut. „Die Berufsorientierungsmesse bietet gute Einblicke in die verschiedenen Unternehmen und Berufe auf der Insel“, erklärt Joris – und Jarne fügt hinzu: „Und es ist praktisch. Man bekommt einen expliziten Eindruck von unterschiedlichen Berufen, die es hier auf der Insel gibt.“ Eine Stunde nach Beginn der Veranstaltung haben sie schon mit drei Unternehmen geredet und noch ein paar vor sich. Durch die Berufsorientierungsmessen werde man auch auf andere mögliche Berufe aufmerksam, mit denen man sich vorher nicht beschäftigt hat, findet Jarne.
Nur Borkumer Unternehmen auf der Berufsmesse
Schulleiter Philipp Wenning und Janine Weisz vom Rotary Club Borkum haben die Berufsmesse organisiert. Es sind nur lokale Unternehmen vertreten. Damit wollten sie zeigen, was die Insel alles an unterschiedlichen Berufen zu bieten hat. Die Messe hätte auch Anklang bei den Firmen auf dem Festland gefunden, da ist sich Wenning sicher. Aber darum ging es ihm nicht. Er wollte seinen Schülerinnen und Schülern Perspektiven auf Borkum aufzeigen. Das heißt aber nicht, dass alle auf der Insel bleiben müssen. „Es hat auch Vorteile, erst einmal von der Insel aufs Festland zu ziehen“, weiß er. Aber zu wissen, welche Perspektiven man auf Borkum hat, ist gut, um junge Menschen zu einer Rückkehr zu bewegen. So könnte dem herrschenden Fachkräftemangel entgegengewirkt werden.
Aber nicht alle Ausbildungsberufe, die vorgestellt werden, können in der ansässigen Berufsschule gelernt werden, erklärt Weisz. Sie ist Lehrerin und erzählt: „Für einige Berufe muss man aufs Festland, aber zu zeigen, dass hier auf Borkum der praktische Teil der Ausbildung gemacht werden kann, ist viel wert.“ Sie schätzt, dass etwa 50 Prozent der Jugendlichen auf Borkum und machen eine Ausbildung. Der Rest geht nach Esens auf das Gymnasium.
Eine Ausbildung auf Borkum oder doch aufs Festland?
Für Jarne und Joris geht es vorerst nicht aufs Festland. Joris gehört zu denen, die ihren Ausbildungsberuf in der ansässigen Schule lernen können. Er wird eine Ausbildung zum Raumausstatter beginnen, und sein Berufsschullehrer ist gleichzeitig sein Chef. Er hatte sich trotzdem über Ausbildungen auf dem Festland informiert. „Auf dem Festland kann man auch Raumausstattung für Flugzeuge machen“, erzählt der Zehntklässler. Dass er nach dem nächsten Sommer auf der Insel bleiben kann, macht ihn glücklich.
Jarne hat bereits Bewerbungen an Borkumer Unternehmen geschickt und hofft auf eine Zusage. Auch er kann möglicherweise die Berufsschule der Insel besuchen. Die beiden scheinen sich schon früh mit Berufsmöglichkeiten vor Ort auseinandergesetzt zu haben, und haben verschiedene Praktika absolviert.
So haben sich die Schüler vor der Berufsorientierungsmesse informiert
Die Verbundenheit mit Borkum ist ihnen deutlich anzumerken. Sie lieben es hier und wollen die Insel vorerst nicht verlassen. Deswegen sind sie froh, Ausbildungsmöglichkeiten auf der Insel zu haben, insbesondere Berufe, die ihnen gefallen. Das hat bei beiden oberste Priorität. „Bei der Berufswahl sollte es nicht ums Geld gehen“, sagt Joris, und Jarne erklärt: „Es bringt ja nichts, wenn man drei Jahre einen Beruf lernt, der einem am Ende keinen Spaß macht.“
Vor dieser Messe konnten sich die Schüler und Schülerinnen bei einem Infotag in der Berufsschule über ihren beruflichen Werdegang informieren. Auch das hat Weisz organisiert. Dort wurden zuvor von den Schülern gewählte Traumberufe vorgestellt. Diese seien aber immer ausgefallener geworden und nur bedingt Ausbildungsberufe gewesen. „Es wurde zum Beispiel auch Influencer genannt“, erzählt Weisz. Die Schüler hätten in den vergangenen Jahren zunehmend das Interesse an der Veranstaltung verloren. Das bestätigt auch der Schulleiter der Inselschule.
Schüler können in Kontakt mit Betrieben treten
Jetzt ist es anders. Die Schüler können nun selbst mit den Unternehmen ins Gespräch kommen, und das tun sie auch direkt – wie Joris und Jarne zeigen. Von der Gesprächsbereitschaft aller Schülerinnen und Schüler ist Wenning positiv überrascht. Er habe eher damit gerechnet, dass seine Schüler am Anfang zurückhaltender sind. „Sie sind direkt auf die Unternehmen zugegangen. Da bin ich wirklich stolz auf meine Schüler“, sagt Wenning. Das war auch ein Ziel der Veranstaltung: Den Schülerinnen und Schülern in einer bekannten Umgebung die Hemmungen zu nehmen, ein Gespräch zu beginnen.
Auch bei den Unternehmen in der Turnhalle kommt die Veranstaltung gut an. Am Stand des Strandhotels Hohenzollern hört man: „Wenn wir zwei junge Borkumer hier für die Ausbildung begeistern können, dann hat sich die Messe schon gelohnt.“
Noch mehr lokale Unternehmen im nächsten Jahr
Erst ab 13 Uhr dürfen auch die Eltern zur Messe kommen. Das war Wenning wichtig. Die Schülerinnen und Schüler können dadurch am Vormittag auch mal Fragen stellen, die man im Beisein der Eltern eher nicht stellen würde, sagt er und lacht.
Die beiden Organisatoren haben für nächstes Jahr noch einen Wunsch. „Ich würde es schön finden, wenn im nächsten Jahr noch mehr lokale Unternehmen an der Messe teilnehmen würden“, sagt der Schulleiter.