Urlaub in der Krummhörn Warum Touristen auch im Herbst nach Greetsiel fahren
Während das Wetter viele abschreckt, zieht die Ruhe des Fischerdorfs weiterhin Besucher an. Wir haben Urlauber gefragt, was Greetsiel für sie gerade im Herbst so besonders macht.
Greetsiel - Es ist kalt, nass, neblig: Das Herbstwetter verdirbt vielen Menschen die Lust daran, sich länger draußen aufzuhalten. In Greetsiel sieht das aber anders aus: Viele Besucher lassen sich vom Wetter nicht abschrecken und machen lange Spaziergänge am Deich entlang, bummeln dick eingepackt durch den Ort oder schauen sich den Kutterhafen an. Wir haben uns im Dorf umgeschaut und nachgefragt, was die Urlauber trotz des eher bescheidenen Wetters nach Greetsiel zieht.
Die Nordsee ist zu jeder Jahreszeit schön
Im Herbst ist Greetsiel vor allem eins: ruhig. Und genau diese Ruhe suchen auch die meisten Urlauber, die wir an diesem ungemütlichen Herbsttag noch im Ort antreffen. Es sind zwar noch einige Touristen vor Ort, aber mit den Zuständen im Sommer lässt sich das nicht vergleichen, findet Marion Christmann aus dem Sauerland. Sie macht in diesem November Urlaub in der Region mit ihren beiden Töchtern und deren Freundin. „Wir mögen, dass es momentan so schön ruhig ist im Dorf“, sagt sie.
Die vier sind in Norddeich untergebracht, haben sich aber für einen Tagesausflug nach Greetsiel entschieden, obwohl es an diesem Novembertag ziemlich kalt und diesig ist in dem Fischerdorf. Das macht den vier Frauen aber nichts aus, sagen sie. So lerne man den Ort eben aus einer ganz anderen, fast schon mystischen Sichtweise kennen. So wie viele andere Herbsturlauber in Greetsiel haben sie sich gerade für diese Jahreszeit entschieden, weil einfach weniger los ist. „Und außerdem ist die Nordsee zu jeder Jahreszeit schön“, so Christmann.
„Wir suchen Entspannung“
Dass sich der Urlaub an der Nordsee besonders im Herbst lohnt, findet auch Annika Völker. Sie ist mit Mann, Kind und Hund aus Kassel angereist, um in Greetsiel etwas abschalten zu können. „Wir suchen hier einfach die Entspannung“, sagt sie. „Deswegen haben wir uns bewusst gegen die Hauptsaison entschieden.“ Die Familie verbringt ihren Urlaub in Upleward, direkt neben dem Trockenstrand. „Da ist es tatsächlich noch ruhiger als hier in Greetsiel.“ Aber was macht man denn den ganzen Tag, wenn das Wetter nicht so mitspielt und man ein kleines Kind unterhalten muss? „Wir gehen viel spazieren, laufen mit dem Hund“, erzählt Völker. „Mit unserer Tochter sind wir auch oft auf dem Spielplatz.“ Viel mehr brauche es eben nicht für einen entspannten Urlaub, auch im Herbst.
Abstand vom Trubel der Großstadt suchen auch die beiden Freundinnen Marion und Renate aus Düsseldorf in Greetsiel. Die beiden reisten Anfang November aus der Rhein-Metropole mit über 600.000 Einwohnern an, um in Greetsiel etwas Ruhe abseits der für den Sommer typischen Besuchermassen zu finden. „Seit zehn Jahren fahren wir schon gemeinsam nach Greetsiel“, erzählt Marion.
Ähnelt das Dorf immer mehr der Großstadt?
Auf eine bestimmte Reisezeit haben sich die beiden Frauen dabei nicht festgelegt. „Wir waren auch schon mal zu Karneval hier“, sagt Renate. In Greetsiel sei natürlich viel weniger los als in der Großstadt, aber genau das mache eben den Reiz aus. Und gerade im Herbst sei es in dem Fischerdorf noch mal ruhiger als sonst.
Doch den beiden Langzeit-Fans von Greetsiel fällt in den letzten Jahren auch immer wieder eine unschöne Gemeinsamkeit zwischen dem Dorf und ihrer Heimat Düsseldorf auf: Die Menschen werden unfreundlicher, sagen sie. Beide sind im Einzelhandel tätig, müssen sich regelmäßig mit aggressiver werdenden Kunden auseinandersetzen. In Greetsiel würden manche Menschen nun auch schon unfreundlicher werden. Früher konnte man über den Deich gehen und sagte Moin, da wurde man von allen angelächelt, erinnern sich die beiden Frauen. „Heute vermeiden die Leute lieber den Blickkontakt und bleiben stumm“, sagt Renate. Trotzdem gefalle es ihnen immer noch im Ort und sie wollen auch weiterhin ihren Urlaub in Greetsiel verbringen. Gerne auch im Herbst.