Tourismus in Greetsiel Darf Ihr Haus eine Ferienwohnung haben?
Die Gemeinde Krummhörn hat erste Ideen, wo künftig noch neue Ferienwohnungen in Greetsiel entstehen könnten. Dabei gibt es starke Unterschiede zwischen den verschiedenen Wohngebieten. Eine Übersicht.
Greetsiel - „In den letzten elf Monaten hat sich nach außen hin nicht viel getan, aber innen wurde massiv gearbeitet“: Das sagt die Krummhörner Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) über die nun veröffentlichten Pläne zur Steuerung von Ferienwohnungen in Greetsiel. Der grundsätzliche Plan der Verwaltung und Planer für Greetsiel ist es, auf lange Sicht das Ferienwohnen in dem Ort für Urlauber zu ermöglichen, aber trotzdem auch weiterhin Wohnmöglichkeiten für Einheimische zu sichern.
Lange Zeit mussten Ferienwohnungen nämlich gar nicht offiziell angemeldet werden. Die genaue Anzahl an Urlauberunterkünften im bei Touristen sehr beliebten Greetsiel ist nicht bekannt. In Zukunft möchte die Gemeinde darum einen größeren Einfluss darauf haben, wie und wo weitere Ferienwohnungen in dem Urlaubsort entstehen. Denn zielführend sei immer noch, das betonte auch die Krummhörner Bürgermeisterin, dass sowohl Wohnen als auch Ferienwohnen in der Gemeinde und besonders in Greetsiel nebeneinander existieren. Aus diesem Anlass wurde vor elf Monaten das „Entwicklungskonzept Wohnen/Ferienwohnen“ von der Gemeinde Krummhörn in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse dieser Arbeit liegen nun in Form verschiedener Pläne zur Bauentwicklung von Greetsiel vor.
Bestandsanalyse zeigt, wo noch Platz für neue Ferienwohnungen ist
Um die Ansiedlung von Ferienwohnungen besser steuern zu können, war eine Aufgabe der zuständigen Planer vom Oldenburger Planungsbüro NWP, den Ort Greetsiel in verschiedene Bereiche einzuteilen, abhängig von der jeweiligen Dichte an Ferienwohnungen und entsprechender touristischer Infrastruktur. Für diese Bestandsanalyse vertrauten die Planer auf Webrecherche zu den existierenden Ferienwohnungen, befuhren aber auch selbst den Ort auf der Suche nach weiteren Objekten dieser Art. Zustande kam eine Übersicht der Anteile von Ferienwohnungen in den verschiedenen Bereichen von Greetsiel. Basierend auf dieser Übersicht haben die Planer nun ein Konzept aufgestellt, welches aufzeigen soll, in welchen Bereichen noch weitere Ferienwohnungen hinzukommen könnten und wo es sich lohnt, stärker auf Möglichkeiten zum Dauerwohnen zu setzen.
Nachdem am Mittwoch, dem 30. Oktober 2024, die vorläufigen Pläne zur Perspektive der Ferienwohnungen in Greetsiel den Bürgern vorgestellt worden sind, ist nun auch deutlicher, genau welche Gebiete in Greetsiel überhaupt noch Kapazitäten für neue Ferienwohnungen haben. Wir haben uns die Pläne mal etwas genauer angeschaut.
Bauplan ändern statt Ferienwohnungen schließen
Dabei wird klar: Bestehende Ferienwohnungen sollen möglichst erhalten bleiben. Und zwar auch in den Gebieten, die obwohl sie ursprünglich eher als Wohngebiet gedacht waren, nun schon so sehr durch das Ferienwohnen geprägt sind, dass eine Umkehr dieser Nutzung kaum realisierbar ist. Stattdessen sollen diese Gebiete laut Entwurf zukünftig als sonstige Sondergebiete eingestuft werden, womit neue baurechtliche Möglichkeiten einhergehen.
Konkret heißt das, dass in den von den Planern als Sondergebiet 1a eingestuften Teilen Greetsiels, wozu zum Beispiel die Edzard-Cirksena-Straße und der Klaus-Störtebeker-Weg sowie das Achterum zählen, künftig Ferienwohnen nur im räumlichen Zusammenhang mit Wohnen erlaubt werden sollen. Diese Gebiete sind aktuell noch als allgemeines Wohngebiet gelistet, da sie früher einmal als Wohngebiet gedacht waren. Die bereits bestehenden, aber nicht genehmigten Ferienwohnungen sollen eine Nutzungsänderung beantragen und an den entsprechenden Bauplan angepasst werden. Rollladensiedlungen möchte man dort vermeiden.
Ursprünglicher Wohnraum für Greetsieler wich Ferienwohnungen
Auch die von den Planern als Sondergebiet 1b bezeichneten Gegenden von Greetsiel waren ursprünglich als Wohnraum für die Greetsieler gedacht. Auch dort, unter anderem rund um den Otto-Ponath-Weg und die Straßen Ant Hellinghus und An den Greetsieler Grachten, gibt es mittlerweile einen hohen Anteil an Ferienwohnungen. Das Konzept sieht vor, hier zukünftig eine maximale Anzahl an Ferienwohnungen festzulegen, die sich an der Anzahl der bereits vorhandenen Urlauberunterkünfte im Gebiet orientiert.
Etwas anders sieht es den Gebieten Greetsiels aus, die von den Stadtplanern eindeutig als „Touristische Infrastruktur“ verstanden werden, darunter der Ortskern und Teile der Ankerstraße, Kleinbahnstraße und die Siedlung rund um Buttring, Aalring und Schollenweg. Hier soll planungsrechtlich abgesichert werden, dass neben dem Wohnen auch das Ferienwohnen und Betriebe des Beherbergungsgewerbes ihren Platz haben. So soll das Gebiet auch weiterhin einen hohen Nutzen für Touristen und Anwohner haben.
Auch Wohnraum für Greetsieler selbst soll abgesichert werden
Aber auch Wohnungen für die Greetsieler selbst haben laut den Plänen einen hohen Stellenwert, und das vor allem in den sogenannten allgemeinen Wohngebieten. Als solche sind zum Beispiel die Boomstraße, der Pilsumer Weg, Pferdekoppel, Kapitänsring und vordere Abschnitte von Emsweg und Nordseestraße gekennzeichnet. Das Wohnen in diesen Gebieten soll bestmöglich erhalten werden, nur untergeordnet will man dort laut Plan das Ferienwohnen zulassen. Keinen weiteren Handlungsbedarf sehen die Gemeinde und die Planer in dem Bereich um die Ubbo-Mennenga-Straße, das Nationalparkhaus sowie die
Ferienhaussiedlung zwischen Diekstreek und Am Alten Deich. Dort soll sich also nichts bei den bisherigen Regeln zum Thema Ferienwohnen ändern.
Was sich aber in ganz Greetsiel ändern soll, ist die Verteilung der Stellplätze vor den Ferienwohnungen. Diese sollen nicht mehr zwischen der Straßenbegrenzung und den Grundstücken und Vorgärten entstehen. Die Zielsetzung sei es, so Diedrich Janssen vom zuständigen Planungsbüro, die Stellplätze für Besucher auf dem eigenen Grundstück zu regeln und nicht auf öffentlichem Raum. „Oder wer eben freie Stellplätze hat, könnte diese dann ja auch kostenpflichtig anbieten“, schlug er bei der Veranstaltung am Mittwoch vor.
Im nächsten Schritt müssen die entsprechenden Gremien aber nun erst mal über das vorgestellte Konzept beraten. Erst danach kann tatsächlich ein Beschluss über die Änderung des Bebauungsplans aufgestellt werden. Und Vorschläge aus der Bevölkerung seien weiterhin willkommen, so die Verwaltungschefin.