Tourismus  Ferienwohnungen in Greetsiel – das soll sich ändern

Lotta Groenendaal
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Von Lotta Groenendaal
| 01.11.2024 15:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In Greetsiel sind nicht nur im Sommer viele Urlauber unterwegs. Foto: Wagenaar/Archiv
In Greetsiel sind nicht nur im Sommer viele Urlauber unterwegs. Foto: Wagenaar/Archiv
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In Greetsiel ist ein Konzept zur Steuerung der Ferienwohnungen vorgestellt worden. Wer zukünftig Urlauber in dem Fischerdorf beherbergen möchte, muss demnach einiges beachten.

Greetsiel - Verträgt Greetsiel noch weitere Ferienwohnungen? Mit dieser Frage beschäftigen sich die Krummhörner Verwaltung und Politik nun schon länger. Aber auch bei den Einwohnern selbst herrscht Uneinigkeit darüber, wie viele Urlauber dem Fischerdorf überhaupt noch guttun.

Nun gibt es aber erste Lösungsansätze: Am Mittwochabend, 30. Oktober 2024, wurden erstmals neue Entwürfe zur Steuerung der Ferienwohnungen in Greetsiel vorgestellt. Ausgearbeitet wurden sie vom Oldenburger Planungsbüro NWP. Das Hauptziel dabei: bestehende Ferienwohnungen offiziell zu legitimieren und bei zukünftigen Ferienwohnungen genauer hinzuschauen, ob und wo es überhaupt noch Kapazitäten für solche Objekte in dem Ort gibt.

Rechtlich gesehen gibt es zu viele Ferienwohnungen in Greetsiel

In der Vergangenheit kam es vor allem deshalb immer wieder zu Diskussionen über die Greetsieler Ferienwohnungen, weil viele von ihnen gar nicht offiziell als solche angemeldet sind. „Vor 2017 gab es da eine unkontrollierte Ansiedlung von Ferienwohnungen, da das Ferienwohnen bis dato nicht richtig festgelegt war“, so Lea Fobel vom Oldenburger Planungsbüro. Seit 2017 spätestens ist die offizielle Genehmigung aber Pflicht, auch in Greetsiel.

Die Informationsveranstaltung sorgte für großes Interesse: Die Aula der Greetsieler Grundschule war an dem Mittwochabend gut gefüllt. Foto: Groenendaal
Die Informationsveranstaltung sorgte für großes Interesse: Die Aula der Greetsieler Grundschule war an dem Mittwochabend gut gefüllt. Foto: Groenendaal

Deswegen war vor etwa einem Jahr die Entwicklung eines Konzepts zur Steuerung der Ferienwohnungen in Greetsiel von der Krummhörner Gemeindeverwaltung in Auftrag gegeben worden. So soll eine Überlast durch Touristen vermieden werden. Schon damals war klar, dass in Greetsiel die tatsächliche Anzahl an Ferienwohnungen nicht mit der eigentlich laut Bauplanung vertretbaren Anzahl übereinstimmt. Laut Auskunft des Planungsbüros NWP werden etwa 43 Prozent der Objekte in dem Fischerdorf zum Ferienwohnen genutzt. Die restlichen 57 Prozent entfallen auf Dauerwohnen und sonstige Nutzungen. Eigentlich sollte der Anteil von Ferienwohnungen in allgemeinen Wohngebieten, wie sie auch in Greetsiel vermehrt zu finden sind, nicht über 30 Prozent hinausgehen. „Aber wir müssen jetzt mit dem umgehen, was wir vorfinden“, so die Krummhörner Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) am Mittwoch.

Existierende Ferienwohnungen sollen auch weiterhin bestehen

Das heiße aber nicht, dass es nun das Ziel sei, „massenhaft Ferienwohnungen zu schließen“, sagt Looden. Der Tourismus sei ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Krummhörn und daran wolle man festhalten. Stattdessen gehe es nun darum, die Bebauungspläne so zu verändern, dass die bestehenden Ferienwohnungen erhalten bleiben können. Und auch neue Ferienwohnungen könnten durchaus dazukommen, sollte es die Ausgangssituation hergeben. In den allgemeinen Wohngebieten beispielsweise soll das Wohnen Vorrang haben, aber: Es könnten laut Entwurf weiterhin untergeordnet Ferienwohnungen entstehen, solange der Prozentsatz nicht überschritten wird. Die bereits existierenden Ferienwohnungen, sofern sie baurechtlich genehmigt sind, erhalten auch weiterhin Bestandsschutz. Das gelte laut dem aktuellen Entwurf auch dann, wenn der vorher bestimmte Prozentsatz von 30 Prozent bereits überschritten ist, so Diedrich Janssen vom Planungsbüro NWP.

Um die Touristenmenge in dem Ort besser zu kontrollieren, will die Gemeinde Krummhörn zukünftig den Zubau von Ferienwohnungen genauer kontrollieren. Foto: Wagenaar/Archiv
Um die Touristenmenge in dem Ort besser zu kontrollieren, will die Gemeinde Krummhörn zukünftig den Zubau von Ferienwohnungen genauer kontrollieren. Foto: Wagenaar/Archiv

Anders sieht es allerdings bei jenen bestehenden Ferienwohnungen aus, die noch nicht genehmigt sind. Dort sollte laut Entwurf eine Nutzungsänderung durch die Eigentümer beantragt werden. Wer zuerst kommt, der mahlt zuerst, so der der Diplom-Ingenieur für Raumplanung und Architektur. Heißt, wer in diesem Fall schneller den Antrag auf Nutzungsänderung genehmigt bekommt, hat gute Chancen, dass die betreffende Ferienwohnung auch im Nachhinein legitimiert wird und damit weiter bestehen kann. „Es kann auch sein, wenn die betreffende Ferienwohnung nicht genehmigt werden kann, dass aus Ferienwohnen Wohnen wird“, so Janssen. Die vergangenen Fehler durch ungesteuerte Ansiedlungen von Ferienwohnungen in Greetsiel könne man eben nicht rückgängig machen.

Neue Ferienwohnungen nur dort, wo das Maximum noch nicht erreicht ist

Umgekehrt sollen allerdings in Zukunft auch keine reinen Ferienwohngebiete gänzlich ohne Wohnen entstehen, so Fobel. Den Dauerwohnteil dort, in den Gebieten, die schon immer Wohngebiete waren, wolle man auch weiterhin erhalten, ergänzt Janssen. „Die Intention ist, möglichst das Wohnen zu stärken.“

Bis tatsächlich eine aktive Steuerung der Anteile von Ferienwohnen und Dauerwohnen in Greetsiel stattfindet, wird es aber so oder so noch eine Zeit dauern. „Die Legitimierung und Steuerung wird nicht gleich morgen gehen“, sagt Janssen. „Die zeitliche Umsetzung hängt vom Beratungsbedarf ab“, bekräftigt auch Looden. Und: Der jetzige Entwurf sei eben nur das, ein Entwurf. Für weitere Vorschläge aus der Bevölkerung stehe die Gemeinde offen, um so den eventuellen Zubau von weiteren Ferienwohnungen auch möglichst im Sinne der Einwohner zu regeln.

Denn auch wenn die kürzlich veröffentlichten Ergebnisse einer in der Krummhörn durchgeführten Umfrage zeigen, dass besonders ein Großteil der befragten Greetsieler sich von der Menge an Urlaubern überrannt fühle, so sieht Looden auch etwas Positives in den Umfragewerten: „Die meisten fühlen sich hier wohl, und das soll natürlich auch so bleiben.“ Sie wolle auch noch mal deutlich betonen, dass Gäste in der Krummhörn herzlich willkommen seien, so die Bürgermeisterin.

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