Hamburg  Eltern sauer über Schüler-Tablets: Gibt keine Anschaffungspflicht!

Ankea Janßen
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Von Ankea Janßen
| 03.11.2024 17:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wehrt sich gegen elternfinanzierte Schüler-Tablets: Christian Winter aus Hannover. Foto: Winter
Wehrt sich gegen elternfinanzierte Schüler-Tablets: Christian Winter aus Hannover. Foto: Winter
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Eltern stehen immer öfter unter Druck, teure iPads für den Schulunterricht ihrer Kinder selbst zu kaufen. Kostenlose Leihgeräte an Schulen sind vielerorts noch immer nicht in Sicht, trotz Versprechen der niedersächsischen Landesregierung.

Benötigen Kinder für den Unterricht an der Schule ein Tablet, müssen Eltern für die Anschaffung in den meisten Fällen selbst in die Tasche greifen. Von der Schule gewünscht wird meist der Kauf eines iPads von Apple. Das kostet mit Versicherung, digitalem Stift und Schutzhülle schnell zwischen 600 und 800 Euro.

Gegen die elternfinanzierten Tablets formiert sich zunehmend Widerstand. „Eltern können nicht zum Kauf eines Tablets verpflichtet werden, dafür gibt es keine Rechtsgrundlage“, sagt Christian Winter aus Hannover, der sich 2022 plötzlich mit der Anschaffungs eines Tablets für seinen Sohn konfrontiert sah.

Auf einem Informationstag der Schule seien die Eltern lediglich darüber informiert worden, wann und wie sie welche Geräte bestellen sollten. „Ob wir das überhaupt müssen, stand gar nicht zur Debatte.“

Winter, Mitglied im Arbeitskreis Digitalisierung des Regionselternrates, wehrte sich, nahm Kontakt zum Kultusministerium und dem Regionalen Landesamt für Schule und Bildung auf und erwirkte mit seiner Hartnäckigkeit schließlich ein Leihgerät für seinen Sohn. Etwas, was seiner Meinung nach alle Eltern tun sollten.

„Aus meiner Sicht werden Eltern bewusst nicht darüber aufgeklärt, dass die Tablet-Anschaffung auf Freiwilligkeit beruht“, sagt der zweifache Vater, der im Kommunikationsbereich einer Versicherung arbeitet.

Auch Miriam Kaschel, Vorsitzende des Landeselternrates, kritisiert die aktuelle Regelung. „Es kann nicht sein, dass Eltern die Finanzierung stemmen müssen“, sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Zudem könne man nicht von Bildungsgerechtigkeit sprechen, wenn es von der Zahlungsbereitschaft der Eltern abhängt, ob ein Kind in eine Tabletklasse aufgenommen wird oder nicht.

Zumal es im Koalitionsvertrag von SPD und Grünen heißt, dass alle Schüler „unabhängig von finanziellen Voraussetzungen an der Bildung in der digitalen Welt haben können“. Kostenlose Leih-Tablets wurden in Aussicht gestellt. Von der SPD hieß es im Wahlkampf sogar, dass vom Schuljahr 2024/25 an jedes Kind ein Tablet zur Verfügung gestellt bekommt. „Dieses Versprechen war eindeutig zu hoch gegriffen“, kritisiert Kaschel.

In einem Brief an das Niedersächsische Kultusministerium forderte der Landeselternrat Bildungsministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) im September auf, „den Ankündigungen im Koalitionsvertrag endlich Taten folgen zu lassen“. So müssten Schüler-Tablets endlich in die Lernmittelausleihe aufgenommen werden, denn so können Eltern – wie bei Schulbüchern auch – entscheiden, ob sie diese kaufen oder leihen möchten.

„Der Schritt, Tablets als Lernmittel anzuerkennen, hilft nicht nur Familien finanziell, sondern unterstützt die Schulen auch verlässlich, den Weg in eine digitale Bildungswelt zu gehen“, heißt es in dem Schreiben.

Jedoch wird es mit den von der Landesregierung finanzierten Leih-Tablets weiterhin dauern: „Angesichts sinkender Steuereinnahmen sind die öffentlichen Haushalte derzeit stark unter Druck. Bedauerlicherweise stehen daher aktuell keine Haushaltsmittel zur Umsetzung des Koalitionsvorhabens bereit“, teilt Ulrich Schubert, stellvertretender Pressesprecher des Kultusministeriums auf Anfrage unserer Redaktion mit.

Aktuell werde auf Bundesebene der „Digitalpakt 2“ verhandelt, „um die digitale Ausstattung unserer Schulen auch in Zukunft nachhaltig zu sichern“, so Schubert. Dessen Ausgang werde maßgeblich darüber entscheiden, wie es in Sachen Tablet-Finanzierung künftig weitergehen wird.

Solange keine verbindliche Lösung in Sicht ist, tragen die Eltern die finanziellen Lasten für die benötigten digitalen Geräte – auch wenn sie das eigentlich nicht müssen. Oder sie machen es wie Christian Winter. Bei seinem zweiten Sohn steht die Tablet-Anschaffung in der 5. Klasse unmittelbar bevor. „Ich werde mich wieder wehren“, sagt er.

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