Osnabrück Von Body-Shaming zum Oscar-Ruhm: Arte zeigt Kate Winslets steile Karriere
Kate Winslet, ein Star aus eigener Kraft: Die Arte-Doku „Kate Winslet, entschieden authentisch“ zeigt, wie Winslet gegen alle Widrigkeiten und Vorurteile ihren Platz in Hollywood fand. Ein faszinierender Einblick in ihre Rollen und ihren starken Willen.
Die spätere Karriere als weltbekannter Star war ihr lange nicht in die Wiege gelegt worden: Kate Winslet. So wuchs sie als Tochter eines gescheiterten Schauspielers und einer Aushilfe während der Thatcher-Jahre in Reading bei London auf. Als sie Schauspielunterricht nahm, meinte ein Lehrer zu ihr, sie könne nur für den Nebenpart als „fette Freundin“ vorsprechen. Und dies in den 1990er Jahren, als Supermodels wie Kate Moss mit ihren spindeldürren Twiggy-Maßen die Magazin-Cover der Welt eroberten. So weit, so schlecht!
Doch Kate Winslet entschied sich anders: Man sollte sehen, dass die mal mehr oder weniger an Körperumfang zugelegt hatte, schließlich sei sie „eine ganz normale Frau“. Und eine selbstbewusste dazu. Sie sagte ganz einfach „Nein“ zu Body-Shaming.
Dass sie aber auch ein Ausnahmetalent unter den Schauspielerinnen ihrer Generation ist, bewies sie gleich in ihrer ersten Kinorolle: In „Haevenly Creatures“ (1995) von „Herr der Ringe“- und „Braindead“-Regisseur Peter Jackson spielte sie einen mordenden Teenager. Da war sie Anfang 20.
Nur ein, zwei Jahre später war sie an der Seite von Leonardo DiCaprio jene „Rose“, die das emotionale Zentrum von James Camerons Katastrophenfilm „Titanic“ (1997) bildete. Der bis dato erfolgreichste Film der Filmgeschichte machte sie endgültig zum Superstar. Seitdem muss Kate Winslet sich nicht nur vielen Paparazzi-Fotografen vor ihrer Haustür erwehren, sondern steht auch ständig unter einer öffentlichen Kontrolle ihres Körpergewichtes.
Dass sie sich aber dagegen wehren kann, bewies sie unter anderem dadurch, dass sie das Magazin „QR“ verklagte, weil es auf einer Titelseite ein retouchiertes, künstlich verschlankendes Bild von ihr zeigte.
Dagegen hat die Schauspielerin wenig Hemmungen, sich oder ihren nicht der Schönheitsnorm entsprechenden Körper nackt zu präsentieren. So tritt sie unter anderen in Jane Campions „Holy Smoke“ (1999) auf. Oder inszeniert weibliche Körper gleich selbst in Francis Lees „Ammonoite“ (2020).
Gerade diese Authentizität tut auch sonst ihren Rollen gut. Etwa in Ang Lees Jane Austen-Verfilmung „Sinn und Sinnlichkeit“ (1995), als frustrierte Ehefrau an der Seite Leonardo DiCaprios, in Sam Mendes’ Ehedrama „Zeiten des Aufruhrs“(2008) oder in dem Vorstadtdrama „Little Children“ (2006).
Leider nur kurz oder gar nicht in dieser Dokumentation erwähnt sind einige ihrer sonstigen Glanzpunkte wie in Roman Polanskis Theaterverfilmung „Gott des Gemetzels“ (2011), Woody Allens Nostalgiedrama „Wonder Wheel“ (2017), der Shakespeare-Verfilmung „Hamlet“ (1996), dem Biopic „Steve Jobs“ (2015) oder dem Kinderfilm „Flutsch und weg“.
Ob Mainstream, Literaturverfilmung oder klassisches Arthouse (wie der gerade in Deutschland angelaufene „Die Fotografin“ über die US-Kriegsreporterin Lee Miller) - all das kann Kate Winslet scheinbar mühelos und sehr enthusiastisch spielen.
Es sind Rollen, die ihr immerhin sieben Oscar-Nominierungen einbrachten. Dabei gewann sie Hollywoods berühmte Auszeichnung nur einmal – für die Bernhard Schlink Verfilmung „Der Vorleser“ (2008). Den zeigt Arte übrigens am 30. Oktober vor der Doku – ab 20.15 Uhr.
Mittels Interviews, Filmausschnitten und historischen Aufnahmen vermittelt die Regisseurin Claire Duguet, die bisher so unterschiedliche Themen wie Transsexualität, Betty Boop oder den Zwist zwischen Jean-Luc Godard und François Truffaut behandelte, das sehenswerte Porträt einer ungewöhnlichen und erstaunlich selbstsicheren Frau. Und das ganz und gar gegen das Hollywood-Klischee.
Die Dokumentation „Kate Winslet, entschieden authentisch“ läuft am 30. Oktober um 22.10 Uhr auf Arte. Sie ist bis zum 27. Januar 2015 in der Mediathek abrufbar.